Seit etwa fünf Monaten beschäftigt uns das Corona-Virus in Deutschland. Unser Leben wurde zeitweise komplett auf den Kopf gestellt und ist auch heute noch nicht normal. Die Deutsche Bank hat ein Konzeptpapier erstellt, in dem sie das Leben nach Covid-19 betrachtet. Wir schauen, ob es eine starke Inflation oder gar eine Deflation geben kann, ob die Schulden jemals zurückgezahlt werden können und auf was Anleger jetzt an der Börse achten sollten.

Das Leben nach Covid-19

In der großen Studie von DB Research behandeln die Analysten insgesamt 20 Fragen zu unserer Zukunft und zu den unmittlebaren Auswirkungen der Corona-Pandemie auf unser Leben.

Dabei geht es um das Gesundheitssystem, um die “entstehende technologische Mauer”, ob wir bald alle nur noch online bestellen, um die entstehende Kluft bei Fußballclubs und viele weitere interessante Fragen.

Wir wollen in diesem Artikel eher auf die wirtschaftlichen Bereiche eingehen und picken uns hier die wichtigsten Elemente heraus. Wer mehr über die ganze Studie lesen will, der schaut oben direkt in den Link rein.

Inflation und Deflation – Was passiert mit meinem Geld?

“Die Corona-Krise wird uns aus vielerlei Gründen in Erinnerung bleiben. Einer davon ist die lang erwartete Rückkehr der Inflation in den Industrieländern. Dafür sprechen drei Faktoren: die Wirtschaftspolitik, politische Präferenzen und strukturelle Trends”, schreibt Oliver Harvey im Report von DB Research. Zur Erinnerung: Unter Inflation versteht man die allgemeine Preissteigerung von Waren und Dienstleistungen.

Der Experte fügt an, dass die Regierungen und Notenbanken massenweise Geld zur Verfügung stellen – doch dieses Geld kann man gar nicht so einfach ausgeben. Viele Wirtschaftsbereiche wurden ja wegen der Krise geschlossen oder sind es noch immer. Viele Wirtschaftszweige wie die Gastronomie, Freizeit und Tourismus werden vermutlich noch lange mit den Folgen zu kämpfen haben: Sie werden weniger Umsatz einfahren, weil sie gar nicht so viele Kunden haben können oder dürfen.

Neben der politisch gewollten Rückkehr der Inflation führt Oliver Harvey noch den dritten Grund an: “Der dritte Grund zu der Annahme, dass die Inflation das auffälligste Makroergebnis des Coronavirus sein wird, betrifft die strukturellen Kräfte. Auf zwei dieser Kräfte können wir hier kurz eingehen: den Rückzug der Globalisierung und die Verteilungsfolgen der Regierungspolitik.”

Auf der anderen Seite wissen wir noch gar nicht genau, ob es zu einer starken Inflation kommen wird. Eventuell machen wir auch erst eine Deflation durch, bevor die Inflation kommt. Das Leben nach Covid-19 besteht noch aus vielen Fragezeichen.

Zum Thema Inflation und Deflation liest du in diesem Artikel noch mehr.

Denn Deflation kann auch eine Folge der Krise sein. Im Moment weiß man noch gar nicht genau, wie sich das alles entwickelt. Dazu schreibt die Deutsche Bank: “Angesichts der tiefsten Rezession seit Generationen ist es bemerkenswert, dass viele die deflationären Folgen nicht wahrhaben wollen.” Welche Aspekte genau für eine Deflation sprechen und was die Auswirkungen sein könnten, erfährt man detailliert in der Studie.

Wer soll das alles bezahlen?

Eine ebenfalls sehr wichtige Frage. Denn aktuell verschulden sich viele Länder auf der Welt, um die Krise in den Griff zu bekommen. Zugleich sinken die Steuereinnahmen drastisch, weil viele Menschen ihre Arbeit verlieren, in Kurzarbeit sind und schlichtweg weniger konsumieren (Stichwort Umsatzsteuer).

Aber woher kommt das ganze Geld? Wer muss am Ende dafür bezahlen? Dazu schreiben Jim Reid und Mark Wall: “Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Wir leben in einer Welt der Fiat-Währungen, in der dem Drucken von Geld und Schuldscheinen (theoretisch) keine Grenzen gesetzt sind.” Die schlechte Nachricht sei aber, dass man in den vergangenen 50 Jahren immer “aus dem Brunnen des Fiat-Systems geschöpft” habe. Das sei so weit gegangen, dass die Verschuldung in den G7-Staaten im Jahr 2019 rund 270 Prozent des BIP ausmacht. Dabei sind die private und die öffentliche Verschuldung gemeint.

“Wenn wir im Jahr 2021 einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben und die Zentralbanken die Anleiherenditen ohne Weiteres unter dem Trend des nominalen BIP halten können, kann die Schuldentragfähigkeit über den durch einen einfachen Blick auf die Staatsquotenstatistik offensichtlich erscheinenden Wert hinaus erweitert werden”, sagen die Experten.

Es wird also darauf hinauslaufen, wie lange und wie stark die Pandemie anhalten wird. Ist sie bald vorbei, und das Leben nach Covid-19 entspannt sich, dann könnte man die Schulden noch gut bezahlen. Dauert sie aber doch länger, so könnte es schwieriger werden. Die jetzt gemachten Schulden müssen dann die jüngeren Generationen über Jahrzehnte zurückzahlen. Darüber hinaus belasten sie das Finanzsystem und bringen es an den Rande eines Kollaps.

Der Börsencrash und was die Investoren noch übersehen haben

Nachdem die Börsen auf der Welt von Mitte Februar bis Mitte März stark abgestürzt waren, erholten sich viele Börsenbarometer wieder bis auf etwa zehn Prozent unter den alten Höchstständen. Dort verharren viele aktuell. Luke Templeman schreibt im Report der Deutschen Bank: “Für das Geschehen an den Aktienmärkten während einer Pandemie gibt es einige Präzedenzfälle. Während der ersten und zweiten Welle der Spanischen Grippe von 1918 legten die amerikanischen Aktienmärkte beständig zu, gingen jedoch während der dritten und vierten Welle 1919 und 1920 um etwa 20 Prozent zurück.”

Damals sanken die Märkte also erst später während der Pandemie und dann auch nicht so stark. Templeman fügt an, dass bei der “Grippepandiemie von 1957” amerikanische Aktien rund 20 Prozent während einiger Monate verloren und danach eine stetige Erholung folgte. Auch damals war der Absturz also nicht so dramatisch. “Bis die Verluste wieder aufgeholt waren, dauerte es etwa ein Jahr”, so Templeman. Und: “Während der Grippe-Pandemie Ende der 1960er Jahre dagegen bewegte sich der Aktienmarkt im Wesentlichen seitwärts.”

Für Templeman steht fest, dass Anleger sich gezielter die guten Aktien aussuchen müssen, welche gut durch die Krise kommen. Das seien längst nicht alle. Welche Argumente er anführt und wie Anleger die besten Aktien finden, liest jeder im Report selbst nach.

Fotoquelle: Photo by Jordan Wozniak on Unsplash

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