Drei Monate nach dem großen Shutdown ist die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland deutlich zurückgegangen, das Virus scheint medizinisch betrachtet fürs Erste unter Kontrolle. Doch wie steht es um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise? Eine Bestandsaufnahme.

Die wirtschaftlichen Folgen

Noch sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie überhaupt nicht vollständig abzusehen. Doch Ökonomen rechnen in diesem Jahr in Deutschland mit der schwersten Rezession seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Das ifo-Institut spricht von einem “katastrophalen Einbruch” und geht davon aus, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2020 um neun Prozent zurückgehen wird. Zum Vergleich: Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 5,7 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist dennoch nur leicht gestiegen. Die Arbeitslosenquote stieg im Mai auf 6,1 Prozent, im April lag sie noch bei 5,8 Prozent. Im Vergleich zu den USA, wo sich mehr als vierzig Millionen Menschen nach dem Ausbruch der Krise arbeitslos meldeten, ist das ein geringer Zuwachs. Hauptgrund dafür: Im Mai waren 7,3 Millionen Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit. Die Maßnahme hilft Unternehmen offensichtlich, Arbeitsplätze zu erhalten. Die Beschäftigten müssen dafür allerdings Lohneinbußen hinnehmen, die zum Teil vom Staat ersetzt werden.

Die Börse hat sich relativ schnell vom Crash im März erholt. Der deutsche Leitindex Dax hat seit dem Tiefstand am 18. März wieder um 4000 Punkte zugelegt. Das ist zwar noch nicht ganz auf Vorkrisenniveau, aber bereits eine deutliche Erholung. Ein Grund dürften die massiven Gegenmaßnahmen der Politik sein.

Das Konjunkturpaket

Am Abend des 3. Juni präsentierte die Große Koalition aus CDU, CSU und SPD in Berlin ein 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket, um die Wirtschaft nach dem Corona-Crash anzukurbeln. Zusammengefasst wurden die Beschlüsse in einem 15 Seiten langen Papier. Überschrift „Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken“.

Das Programm birgt einige Überraschungen: Die Bundesregierung senkt ab dem 1.7. die Mehrwertsteuer. Das gilt sowohl für den Standardsatz (von 19 auf 16 Prozent), als auch den ermäßigten Satz (von 7 auf 5 Prozent). Davon wirst auch du als Verbraucher unmittelbar profitieren, denn diese Steuer entfällt auf jeden Supermarkteinkauf oder Restaurantbesuch. Die Senkung gilt allerdings nur bis zum Jahresende.

Darüber hinaus schüttet die GroKo einen Familienbonus aus: Für jedes Kind soll es einmalig 300 Euro vom Staat geben, unabhängig davon, wie viel die Eltern verdienen. Das Geld wird wahrscheinlich zusammen mit dem Kindergeld ausgezahlt. Eine Kaufprämie für emissionsarme Benziner und Dieselautos, wie sie die Autoindustrie gefordert hat, kommt aber nicht. Stattdessen will die Regierung die bestehende Kaufprämie für E-Autos von derzeit 3000 auf 6000 Euro verdoppeln.

Die Regierung erhofft sich durch diese Maßnahmen, den Binnenkonsum in Deutschland anzukurbeln. Gleichzeitig muss sie dafür neue Schulden machen, die langfristig die jüngere Generation belastet. Allerdings kann die Bundesrepublik derzeit zu sehr günstigen Konditionen neue Kredite aufnehmen. Weil das für viele andere Länder der Welt nicht gilt, warnen Ökonomen vor einer Staatsschuldenkrise. Dies würde unvermeidlich zu einem erneuten Kurssturz an den Aktienmärkten führen. Anleger sollten sich daher überlegen, ihr Portfolio breiter und defensiver aufzustellen, zum Beispiel durch Gold oder ein Allwetterdepot. Bei letzterem sollte man allerdings genau darauf achten, welche Staatsanleihen man kauft.

Ökonomen sind sich immer noch uneinig, welche langfristigen Folgen die Corona-Krise für die Preisentwicklung hat. Manche glauben wegen der gigantischen Geldschwemme durch Regierungen und Notenbanken an eine Inflation, andere befürchten wegen des Nachfrageeinbruchs eher eine Deflation. Auch hier gilt: Die Pandemie ist eine nie dagewesene Situation, deren Auswirkungen sich schwer abschätzen lassen.

Die Aussichten

Die Welt wird sich noch auf absehbare Zeit mit der Corona-Pandemie herumschlagen müssen. Die Entwicklung eines Impfstoffs braucht Zeit, wahrscheinlich wird er erst 2021 auf den Markt kommen. Sofern die Forscher denn überhaupt einen finden. Unterdessen bleibt die Gefahr einer zweiten Infektionswelle bestehen. Die Folgen eines zweiten wirtschaftlichen Stillstandes wären verheerend. Umso wichtiger werden neue Hygiene- und Abstandsregeln sowie Tracing-Apps, mit denen die Gesundheitsämter die Infektionsketten noch schneller verfolgen und eindämmen können. In Deutschland soll die Corona-Warn-App in wenigen Tagen erscheinen.

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