Man könnte meinen, dass Nachhaltigkeit in Zeiten der Corona-Pandemie keine Rolle mehr spielt. Doch das stimmt nicht. Tatsächlich werden nachhaltige, grüne ETFs immer beliebter. Ein Überblick.

Die Aktivisten der Klimaschutzbewegung Fridays for Future um Greta Thunberg streiken nicht länger auf den Straßen der Großstädte. Die Finanzierung des Green Deals, mit welchem EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen Klimaneutralität in der Europäischen Union bis 2050 anstrebt, wird öffentlich angezweifelt.

Nachhaltigkeit ist ein Anlagetrend

Ist Umwelt- und Klimaschutz also schon wieder out? Von wegen! Immer mehr Anleger setzen auf eine nachhaltige Geldanlage. Wie eine Recherche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zeigt, verzeichneten passiv verwaltete Aktienfonds mit ökologischen und sozialen Investmentzielen im ersten Quartal weltweit Zuflüsse in Höhe von 6,9 Milliarden Euro. Sie erzielten dabei gleichzeitig eine um 1,76 Prozent höhere Rendite als nicht nachhaltige Alternativen.

Dass Nachhaltigkeit für Investoren immer wichtiger wird, wissen auch die Entscheider der Fondsgesellschaften. Larry Fink, Vorstandschef des weltgrößten Vermögenverwalters Blackrock, schrieb im März dieses Jahres in einem Brief an die Aktionäre: „Wir wollen in den nächsten Jahren die Zahl unserer nachhaltigen ETFs und Investmentfonds auf mehr als 150 erhöhen.“ Nachhaltige Portfolios schlügen sich zurzeit besser als Portfolios ohne einen solchen Fokus. Kleingeldhelden sollten deshalb nachhaltige ETFs im Blick behalten. Doch was ist darunter überhaupt genau zu verstehen?

Was sind nachhaltige ETFs?

Den meisten von euch dürften sie bekannt sein: ETFs (Exchange Traded Funds), die auch als Indexfonds bezeichnet werden. Solche Fonds bilden einen beliebigen Aktienindex wie den Dax ab. Das bringt Vorteile: Da ein Indexfond gewöhnlich alle im Index enthaltenen Aktien abbildet, ist er diversifiziert. Der Anleger minimiert das Risiko eines Verlusts. Weil ETFs ohne Fondsmanager auskommen, gibt es für den Anleger weniger Kosten. Er erhält vergleichsweise mehr Rendite. Zuerst angeboten wurden ETFs in den 1970er-Jahren vom legendären US-Investor John Bogle. Weil vor allem Laien an der Börse von Indexfonds profitieren, taufte die britische Wochenzeitung „The Economist“ Bogle nach dessen Tod im vergangenen Jahr zum „Heiligen des Kleinanlegers“.

Die ESG-Kriterien

Indexfonds sind dann vergleichsweise nachhaltig, wenn sie die sogenannten ESG-Kriterien erfüllen. ESG steht für Umwelt (Environmental), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Damit die ESG-Kriterien eingehalten werden, wenden Fondsgesellschaften oft das sogenannte Best-in-Class-Prinzip an: Nur Unternehmen, die innerhalb einer Branche am nachhaltigsten sind, werden für einen Fonds ausgewählt.

Angewendet wird das Best-in-Class-Prinzip beispielsweise von der Schweizer Großbank UBS für den Fonds UBS ETF (LU) MSCI EMU Socially Responsible UCITS ETF. „Damit soll sichergestellt werden, dass aus ESG-Sicht nur die besten Unternehmen vertreten sind“, heißt es in der Indexbeschreibung.

Auch schließen Fondsgesellschaften Aktien und Anleihen aus bestimmten Branchen aus, um ESG-Kriterien einzuhalten. Die Investmentgesellschaft Blackrock beispielsweise filtert beim iShares MSCI Europe SRI UCITS ETF Unternehmen heraus, die Landminen produzieren, Tabak herstellen und in der Glücksspielbranche tätig sind.


Die 5 nachhaltigen ETFs mit dem größten Fondsvolumen in Europa

FondsnameGröße in Mio. Euro
iShares MSCI Europe SRI UCITS ETF (Acc)1.188
UBS ETF (LU) MSCI EMU Socially Responsible UCITS ETF (EUR) A-dis796
BNP Paribas Easy Low Carbon 100 Europe UCITS ETF759
iShares MSCI EMU ESG Screened UCITS ETF EUR (Acc)614
Amundi Index MSCI Europe SRI UCITS ETF DR (C)509
Quelle: justETF, Stand: 23.04.2020

Einen Mindeststandard gibt es allerdings nicht. Nicht alle Indexfonds, die als nachhaltig gelten, verzichten beispielsweise auf Firmen der Branchen Atomkraft und fossile Brennstoffe. „Viele Anbieter rühren die Werbetrommel, aber Investoren müssen genau prüfen, was da zur Auswahl steht“, sagte André Härtel von Scope Analysis dem „Handelsblatt“. Auch das sogenannte Greenwashing, suggerierte Umweltfreundlichkeit, sei ein Problem. „Manchmal geben sich Unternehmen oder Finanzprodukte einen grünen Anstrich, der nicht der Wirklichkeit entspricht.“ Wer also guten Gewissens in wirklich nachhaltige ETFs investieren will, sollte bei seiner Wahl genau hinschauen.

Autor*in