Die Regierungen der Welt wollen die Corona-Rezession mit gigantischen Hilfspaketen und Rettungsschirmen lindern. Doch eine echte Erholung wird nur dann einsetzen, wenn der erzwungene Stillstand des öffentlichen Lebens endet. Ein Land in Ostasien könnte dafür als Vorbild dienen.

Wegen der Corona-Pandemie befindet sich Deutschland seit Wochen unter Quarantäne. Die Freiheit der Bürger ist massiv eingeschränkt, die Wirtschaft leidet unter den Zwangsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus. Schon jetzt steht fest, dass Deutschland 2020 ein massiver Wirtschaftsabschwung bevorsteht. Wie groß die Corona-Rezession sein wird, hängt davon ab, wie lange der Ausnahmezustand noch anhält. Das Ifo-Institut in München prognostiziert, dass jede weitere Woche des Shutdowns die Bundesrepublik mehr als 30 Milliarden Euro kostet. Im schlimmsten Fall könnte die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um bis zu 20 Prozent einbrechen. Es wäre ein Crash von nie dagewesenen Ausmaßen.

Wann der erzwungene Stillstand beendet sein wird, kann bisher niemand genau sagen. Die Bundesregierung will von der sogenannten Exit-Debatte bislang nichts wissen. „Wir reden jetzt bis zum 20. April nicht über irgendwelche Erleichterungen“, sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU). Alle Maßnahmen sollen mindestens bis Ostern bestehen bleiben, danach wolle man die Lage neu bewerten.

Billionen-Schutzschirme sollen Unternehmen retten

Um die Wirtschaft in der bevorstehenden Corona-Rezession zu unterstützen, haben Regierungen in aller Welt gigantische Hilfspakete erlassen. Alleine Deutschland will 156 Milliarden Euro neue Schulden für das Kurzarbeitergeld und Soforthilfen aufnehmen. Zudem spannt die Bundesregierung einen Rettungsschirm für Not leidende Unternehmen auf: 600 Milliarden Euro stellt der Bund für Kredite und Bürgschaften an Firmen und Selbstständige bereit, denen aufgrund von Liquiditätsproblemen nun das Aus droht. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) verglich das Hilfspaket mit einer wirtschaftspolitischen “Bazooka”, die die Bundesregierung gegen die Corona-Rezession auspackt.

Noch größere Geschütze fahren die USA auf: Dort will die Trump-Administration unfassbare 2,2 Billionen Dollar in die Wirtschaft pumpen, um die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu mildern und die Konjunktur anzukurbeln. Unter anderem sollen alle US-Amerikaner mit einem Jahresgehalt unter 75.000 Dollar einen Scheck über 1200 Dollar erhalten.

Während die Pandemie die größte US-Metropole New York City in diesen Tagen mit voller Wucht trifft, stimmt Präsident Donald Trump martialische Töne an: “Amerika führt weiterhin einen kompromisslosen Krieg, um das Virus zu besiegen”, sagte er vergangene Woche auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Das Virus werde “an jeder Front” angegriffen. Dabei hatte Trump das Risiko noch vor wenigen Wochen heruntergespielt und behauptet, dass die Lage unter Kontrolle sei.

Die Arbeitslosigkeit in den USA explodiert

Für Trump wird die Corona-Rezession noch aus einem weiteren Grund zum großen Problem. Im November stellt er sich der Wiederwahl. Wegen der starken wirtschaftlichen Entwicklung in den USA schätzten Experten seine Chancen auf einen erneuten Wahlsieg bislang hoch ein. Der Corona-Crash könnte Trump – der antrat, um Amerikas Wirtschaft wieder “great” zu machen – nun aber einen Strich durch die Rechnung machen. Denn in den USA explodiert die Zahl der Arbeitslosen. 6,6 Millionen Menschen meldeten sich in der letzten Märzwoche arbeitslos – ein historischer Negativrekord.

In Deutschland ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt wegen des Kurzarbeitergeldes bedeutend entspannter. Doch auch dieses Mittel ist irgendwann ausgeschöpft, falls der erzwungene Stillstand der Volkswirtschaft auf unbestimmte Zeit fortgesetzt wird. Die große Frage ist: Wie kommen wir da bloß wieder raus?

Vorbild Südkorea

Eine Antwort kann man in Südkorea finden. Noch im Februar war das ostasiatische Land die Nation mit den meisten Corona-Infizierten hinter China. Doch dann geschah etwas Unglaubliches. Im Gegensatz zu den europäischen Staaten und den USA gelang es der Regierung in Seoul, das Virus einzudämmen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen. Zwar gab es auch in Südkorea Schulschließungen und abgesagte Großveranstaltungen, doch die Restaurants, Geschäfte und Fabriken blieben zum großen Teil offen. Am 29. März meldeten die Behörden nur noch 105 neue Fälle, insgesamt sind es im 52-Millionen-Einwohner-Land damit um die 10 000. Zum Vergleich: in Deutschland werden wohl schon bald 100 000 Menschen infiziert sein. Wie hat Südkorea das nur geschafft?

Zum einen mit massenhaften Tests. Durch mobile Drive-in-Stationen konnten die Südkoreaner täglich Zehntausende Corona-Tests durchführen. Bis zum 30. März waren es fast 400 000. Auch Menschen, die keine Symptome zeigten, wurden getestet, um sie als Covid-19-Überträger auszuschließen. So gelang es, den Ausbruch frühzeitig zu kontrollieren.

Zum anderen setzt Südkorea digitale Hilfsmittel ein, um Corona-Infizierte zu isolieren, ohne das gesamte öffentliche Leben zum Stillstand zu bringen. So haben viele Bürger Tracking-Apps auf ihre Smartphones heruntergeladen, die den Behörden bei der Nachverfolgung der Infektionsketten helfen. Über die App bekommen die Nutzer Warnhinweise, wenn sie sich in der Nähe von Corona-Infizierten aufhalten. Zudem sehen die Gesundheitsbehörden genau, wer wann und wo mit einem Überträger in Kontakt kam.

Auch in Deutschland werden jetzt Corona-Apps entwickelt. Der Datenschutz kann eigentlich kein Argument dagegen sein, wie das Beispiel Südkorea zeigt: Dort teilten die Menschen ihre Informationen freiwillig mit, um einen Beitrag für das Gemeinwohl zu leisten.

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