Sie hat es so richtig getroffen. Die sogenannten Emerging Markets, also die Schwellenländer dieser Welt und ihre Börsen. Denn nicht nur Corona macht diesen Ländern zu schaffen, sondern einigen davon auch noch der Ölpreisschock. Sollten Anleger jetzt also noch auf die Emerging Markets setzen oder bedeutet das zu viel Risiko?

Darüber spricht Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank im Podcast Perspektiven to go.

Was sind die Emerging Markets?

Das Finanzunternehmen MSCI Inc. berechnet den MSCI Emerging Markets Index. In diesem Index sind 85 Prozent der Marktkapitalisierung der Schwellenländer vertreten. Insgesamt kommen 1404 Unternehmen aus 26 verschiedenen Schwellenländern (Stand 31.03.2020). Mit diesem Index können Anleger also an der Börsenentwicklung der größten Schwellenländer Aktien teilhaben. Aber aus welchen Ländern kommen die Unternehmen so?

40,7 Prozent des Index machen chinesische Werte aus. Dahinter folgen Taiwan mit 12,3 Prozent, Südkorea mit 11,9 Prozent, Indien mit 7,8 Prozent und Brasilien mit 4,9 Prozent. Alle anderen 21 Länder stehen nur für einen Anteil von 22,5 am Index. Der Index ist also stark auf China und vor allem auf den südostasiatischen Markt ausgerichtet.

Dabei stammen mehr als ein Fünftel der Aktien aus der Branche der Finanzdienstleistungen, 16,9 Prozent aus der IT, 15,4 Prozent aus Nicht-Basiskonsumgütern, 13,1 Prozent aus Kommunikationsunternehmen und der Rest verteilt sich auf zahlreiche weitere Branchen. Der Branchenmix scheint also weitaus ausgewogener zu sein, als der Ländermix. Aber wie schlugen sich die Emerging Markets nun in der Corona-Krise?

Emerging Markets und Corona

Nach einem Einbruch von 30,6 Prozent zu Beginn der Krise, vermochte sich der Index bereits wieder zu erholen. Stand Ende April 2020 liegt der MSCI Emerging Markets nur rund 18 Prozent unter seinem Stand zu Beginn der Krise. Zum Vergleich: Der MSCI World – quasi das Gegenstück zum MSCI Emerging Markets, aber mit den Aktien aus den Industrienationen – brach sogar um 33 Prozent ein und steht jetzt noch 17 Prozent niedriger.

Doch nun kommen noch weitere Probleme auf die Emerging Markets zu, wie der Chefanlagestratege der Deutschen Bank, Dr. Ulrich Stephan, erklärt: “Viele Investoren haben in dieser Krise gerade bis Mitte März Risiko reduziert. Und da gelten Emerging Marktes immer als Risikoinvestments. Da ist also viel Geld abgeflossen und das nicht nur bei Aktien, sondern auch bei Anleihen und Währungen.“ Denn neben Corona habe auch der Verfall des Ölpreises dafür gesorgt, dass einige Länder leiden mussten.

Schwierig sei jetzt die weitere Entwicklung der Krise. Denn in den Schwellenländern gäbe es nicht die sozialen Sicherungssysteme wie in der westlichen Welt. Wenn die Menschen keinen Job hätten, hätten sie auch kein Geld und damit kaum etwas, um sich zu versorgen. „Je reicher die Länder sind, desto gesünder sind die Bevölkerungen, desto ausgebauter ist das Gesundheitssystem. Man kann deswegen auch nicht alle Länder jetzt über einen Kamm scheren. Denn manche Länder haben mehr Mittel gegen die Krise und andere weniger. Es gilt, sehr stark zu differenzieren. Die ölimportierenden Länder haben sicherlich aktuell einen Vorteil. Die, die Öl exportieren haben einen Nachteil”, erklärt Dr. Ulrich Stephan weiter. Aber sollte man nun investieren oder sein Investment zurückschrauben?

Investment in Emerging Markets?

Die Emerging Markets werden ja oft als Investition neben dem MSCI World genannt. Um von der aufstrebenden Wirtschaft dieser Länder zu profitieren. Aktuell scheint es dort aber verschiedene Risikofaktoren zu geben. Dazu sagt der Chefanlagestratege der Deutschen Bank: „Wenn man sich der Risiken bewusst ist, gehören Schwellenländer-Aktien und -anleihen weiterhin ins Depot. Gerade auf der asiatischen Seite haben wir da gute Volkswirtschaften.”

Insgesamt müsse man aber aufpassen und sollte sich diejenigen Länder heraussuchen, die stabil sind und profitieren könnten. Welche Länder jetzt besonders betroffen sind und welche sogar aktuell zu den Gewinnern zählen könnten, verrät Dr. Ulrich Stephan im Podcast.

Fotoquelle: Photo by Renate Vanaga on Unsplash

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