Du hast dich also entschieden, dein Geld in ETFs zu investieren und machst deine ersten Schritte an der Börse? Dann kann dich das Angebot an unterschiedlichen ETFs schnell überfordern. Wir geben dir einen Überblick, auf was du bei der ETF-Auswahl achten solltest.

Du möchtest in ETFs investieren, hast vielleicht sogar schon ein Depot eröffnet und stehst nun vor der Frage, in welche Indizes du dein Geld investieren sollst. Die ETF-Auswahl hängt dabei maßgeblich von deinem Analgefokus ab, über den du dir im Voraus Gedanken machen solltest. Ähnlich wie bei klassischen Aktien kannst du auch bei ETFs mehr oder weniger Risiko fahren. So kannst du beispielsweise in den gesamten Aktienmarkt einer Region, den eines Landes oder den einer bestimmten Branche investieren – immer mit dem Risiko, dass bei enger gefassten ETFs der Absturz eines Unternehmens, einer Branche oder eines Landes dein Portfolio schwer belasten kann oder umgekehrt mit einer höheren Rendite belohnt.

Für den Anfang der ETF-Auswahl und als Basisinvestition ist es aber immer sinnvoll, sich einen sogenannten Welt-ETF anzuschauen. Der investiert in Aktien vieler global agierender Firmen. Ein solcher Index ist der MSCI-World, der in die größten Unternehmen aus 23 Industriestaaten investiert. Im Gegensatz zu einem DAX-ETF machst du dich hier nicht von der Entwicklung einer Volkswirtschaft abhängig. Im MSCI-World wären derzeit Microsoft und Apple die Unternehmen mit dem größten Anteil in deinem Portfolio, aber selbst die würden bei einem Absturz um 50 Prozent den gesamten Index nur minimal abstürzen lassen. Insgesamt umfasst der Index nämlich 1.600 der weltweit größten Unternehmen und der Anteil der zehn größten Firmen am Gesamtvolumen des ETF beträgt gerade einmal 12,5 Prozent. Beim DAX liegt der Anteil der zehn größten Unternehmen dagegen schon bei 65 Prozent. Der MSCI-World ist vergleichsweise krisenresistent und kann herbe Rückschläge wie den Brexit gut verkraften. Als erste Basisinvestition also in jedem Fall eine Überlegung wert. Auch hier kann man natürlich auch etwas mehr Risiko gehen und über eine Beimischung des MSCI Emerging Markets nachdenken. Der bildet 26 Schwellenländer ab, die natürlich eine größere Volatilität aufweisen als die Industriestaaten. Dafür verspricht der Index bei positiver Entwicklung mehr Rendite.

Auswahlkriterien für einen ETF

Okay, du hast dich für einen Index entschieden. Jetzt musst du aber noch den passenden ETF-Auswahl treffen und Anbieter dafür finden. Und dabei gibt es einige Punkte zu beachten:

Fondsvolumen

Wer plant, größere Summen über einen längeren Anlagehorizont zu investieren, der sollte das Fondsvolumen des ETFs im Blick behalten. Bei einem Volumen von 100 Millionen Euro gilt die Wirtschaftlichkeit meistens als gesichert. Darunter besteht immer eine größere Gefahr – gerade bei Nischen-ETFs – das die Fondsgesellschaft den ETF liquidiert, also auflöst, weil er zum Beispiel nicht erwartungsgemäß performt. Das investierte Vermögen ist dann natürlich nicht verloren, die Anteile müssen aber verkauft oder in einen neuen ETF investiert werden.

Total Expense Ratio (TER)

Obwohl ETFs im Vergleich zu anderen Anlageformen eine günstigere Alternative sein können, fallen auch hier Kosten an, die unter anderem mit der Total Expense Ratio (TER) beschrieben werden. Die Kosten umfassen dabei Betriebskosten, die beim Anbieter für die Indexnachbildung anfallen, Depotbankgebühren, die bei einigen Anbietern aber auch wegfallen oder Vertriebsgebühren für die Vermarktung. Die TER und die damit verbundenen laufenden Kosten sollte man dabei also immer im Auge behalten, um die Wirtschaftlichkeit des ETFs beurteilen zu können. Diese Gebühren werden meistens jährlich berechnet und in Prozent angegeben. Sollte zum Beispiel die TER 0,5 Prozent betragen, so wird der Gewinn des ETFs um 0,5 Prozentpunkte pro Jahr vermindert.

Fondsdomizil

Auch nicht außer Acht lassen sollte man die Herkunft des Fonds. Für Europa sind vor allem die UCITS-ETFs relevant. Die meisten dieser ETFs stammen aufgrund steuerrechtlicher Vorteile aus Irland und Luxemburg, natürlich gibt es aber auch in Deutschland aufgelegte ETFs.

Ertragsverwendung

Ist es dir lieber, wenn dein mit ETFs erwirtschafteter Gewinn direkt und zur freien Verwendung auf deinem Konto landet oder willst du die Rendite lieber gleich wieder im ETF anlegen? Die Entscheidung liegt bei dir und deinen persönlichen Präferenzen. Für beide Modelle gibt es am Markt aber bestimmte Arten von ETFs – einmal die ausschüttenden ETFs, die Geld auf’s Konto spülen und thesaurierende ETFs, die deinen Profit gleich weiter anlegen.

Ordergebühren

Wer in einen ETF investiert, muss Ordergebühren entrichten. Die Handelskosten unterscheiden sich dabei von Anbieter zu Anbieter. Viele Online-Broker bieten häufig ermäßigte Gebühren für den Kauf bestimmter Anbieter und versuchen sich so preislich zu unterbieten. Grundsätzlich gilt aber: Sind die Ordergebühren hoch, sollte man nicht ständig nachkaufen, sondern größere Beträge einmalig investieren – sonst rechnet sich die Investition trotz attraktiver Rendite nicht mehr.

Sparplanfähigkeit

Viele Anbieter bieten auch Sparpläne auf bestimmte ETFs an. So können auch Anleger, die nicht viel Geld zur Verfügung haben, mit beispielsweise 25 Euro im Monat in das ETF-Geschäft einsteigen. Viele Banken bieten über einen bestimmten Zeitraum auch ETFs an, die sich komplett kostenlos besparen lassen – mit der Option, den Sparbetrag jeden Monat auch zu erhöhen, wenn mal mehr Geld da ist. Ein guter Deal für Einsteiger.

Replikationsmethode

Es gibt unterschiedliche Arten der Index-Nachbildung, die die ETF-Auswahl beeinflussen. Bei der physischen beziehungsweise vollständigen Replikation investiert ein Anbieter die Gelder des Anlegers genau in der gleichen Gewichtung wie der Index. Im Fall eines DAX-ETF werden von deinem Geld also genau die Anteile an Unternehmen gekauft, wie sie auch im Index vertreten sind. Das ist nicht immer möglich. Im Fall des MSCI World ist eine vollständige Abbildung und der damit verbundene Anteilskauf von 1600 Unternehmen mit sehr hohen Transaktionskosten verbunden. Hier trifft man häufig auf die Sampling-Methode. Die zielt darauf, möglichst die gleiche Performance des ausgewählten Index abzubilden, ohne alle Unternehmen nachzukaufen. Unternehmen, die eh nur einen ganz geringen Anteil an der Gesamtperformance haben, werden weggelassen. Es wird also eine Art Index-Stichprobe gebildet. Schließlich gibt es noch die synthetische Replikationsmethode. Dabei schließt der Anbieter mit einem „Kontrahenten“ – meistens dem Mutterkonzern – ein Tauschgeschäft ab (Swap). Der Anbieter erhält vom Gegenspieler Rendite und Dividendenzahlungen des ausgewählten Index, der Mutterkonzern die aus einem ETF-Sicherheitsportfolio und eine Swap-Gebühr. Das Sicherheitsportfolio, in dem auch dein Geld liegt, muss sich nicht zwangsläufig aus Index-Werten zusammensetzen, sondern kann auch Rohstoffe enthalten.

Wer auf der sicheren Seite sein möchte, der nimmt lieber ETFs mit physisch replizierender Methode. Dies ist zwar meistens mit ein bisschen höheren Kosten verbunden, kann aber mehr Sicherheit bieten.

Beim ETF-Kauf gilt es also einiges zu beachten. Wichtig ist, sich gut über einen Anbieter und ETF-Produkt zu informieren, damit man sich mit der ETF-Auswahl auch wohlfühlt. Bei kleineren Online-Brokern steht meist eine größere Bank im Hintergrund, die eine Einlagensicherung garantiert. Solche Dinge muss man aber unter Umständen erst nachrecherchieren. Deshalb sollte man sich bei der Auswahl Zeit lassen. Wichtig ist nur, sich irgendwann zu entscheiden und mit dem Vermögensaufbau zu beginnen.

Fotoquelle: Photo by Brendan Church on Unsplash

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