Das Wort Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde. Sogar der Chef des größten Vermögensverwalters der Welt will Umwelt- und Klimaschutz künftig ganz nach vorne stellen. Aber was sind eigentlich die Kennzeichen für eine nachhaltige Bank, die diesen Namen auch verdient?

Ein Brief aus New York mischt die Finanzwelt auf

Es gibt nur wenige Menschen, die mehr Einfluss auf die Wirtschaftswelt haben als Laurence D. Fink. Der 67-jährige US-Amerikaner ist der Chef von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Das Unternehmen mit Sitz in New York City ist weltweit an mehr als 15 000 Unternehmen beteiligt und verwaltet eine unfassbare Summe von 7,4 Billionen Dollar, zum Beispiel durch seine bekannten iShares-ETFs. Zu behaupten, dass das Wort von Fink Gewicht hat, wäre also untertrieben. Und er sagt: “Ich bin überzeugt, dass wir vor einer fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt stehen”.

In einem Brandbrief an Topmanager in Vorständen und Aufsichtsräten drängte der Blackrock-Chef Unternehmen dazu, künftig deutlich mehr Wert auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu legen. Andernfalls werde der mächtige US-Investor “die Unternehmensführung zur Rechenschaft ziehen”, schrieb Fink. Boom. Es ist eine Mahnung, die die Wirtschaftsbosse dieser Welt kaum ignorieren können.

Die Zeitenwende betrifft nicht nur Stromversorger und Industriekonzerne, sondern auch die Banken. Es geht um die Frage, welche Unternehmen sie in Zukunft finanzieren wollen – und welche Rolle dabei die ökologischen und gesellschaflichen Folgen des Geschäftsmodells spielen.

Was eine nachhaltige Bank ausmacht

Immer mehr Kunden legen darauf Wert, dass Kreditinstitute nicht allein die Gewinnmaximierung, sondern auch Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen. Das Problem: der Begriff Nachhaltigkeit ist nicht eindeutig definiert und somit fehlen einheitliche Standards. Im folgenden möchten wir jedoch vier Merkmale aufführen, die aus unserer Sicht eine nachhaltige Bank auszeichnen können:

Ethische Standards:

In Deutschland gibt es laut der Verbraucherzentrale 14 Banken, die ihre Geschäfte nach besonders strengen ökologischen und ethischen Kriterien betreiben. Acht von ihnen sind kirchliche Banken. Sie schließen Unternehmen von der Finanzierung aus, die Arbeits- und Menschenrechte verletzen oder Kinderarbeit dulden.

Klimaschutz:

Immer mehr Banken begrenzen ihre Investitionen in fossile Energieträger oder schließen diese komplett aus. Der Trend hat längst die gesamte Finanzwelt erfasst. Der weltweit größte Staatsfonds aus Norwegen hat unlängst angekündigt, sein Geld aus Kohle- und Ölunternehmen abzuziehen. Viele Großbanken bewerten ihre Standards für Umwelt- und Sozialrisiken gerade völlig neu. Wer genau wissen will, in welche Energiekonzerne die Bank das Geld der Kunden investiert, sollte ihre Leitlinien lesen oder direkt beim Berater nachfragen.

Grüne Investments:

Im Sinne der Nachhaltigkeit geht es manch einem selbstredend nicht weit genug, lediglich umweltschädliche Investitionen zu vermeiden. Viel mehr kann eine Bank natürlich auch aktiv umweltfreundliche Unternehmen und Technologien finanziell unterstützen – von der Solaranlage auf dem Bauernhof bis hin zum Windpark vor der Stadt. Achten Sie darauf, ob die Bank nachhaltige ETFs und Anleihen (sogenannte “Green and Social Bonds”) emittiert.

Stakeholder Value:

Lange Zeit war in der Finanzwelt das sogenannte Shareholder Value sehr dominant. Grob zusammengefasst besagt dieser Ansatz , dass ein Unternehmen alles dafür tun muss, um seine Eigentümer (das heißt die Aktionäre) reich zu machen. Mittlerweile hat allerdings ein Umdenken eingesetzt: Viele Manager wollen nicht mehr nur die Aktionäre von Quartal von Quartal zufriedenstellen, sondern auch ihre Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer glücklich machen. Genau das ist mit “Stakeholder Value” gemeint. Auch Banken können diesen Ansatz verfolgen. Etwa, indem sie einen Wertekodex für Kundenzufriedenheit schaffen und umsetzen, Dialoge mit Interessensgruppen führen oder soziale Stiftungen unterstützten. In dieser Hinsicht sind die Nachhaltigkeitsberichte von Banken eine hilfreiche Informationsquelle. Wer ein komplettes Bild bekommen will, sollte jedoch auch die Medienberichterstattung über die Aktivitäten der Bank genauer verfolgen.

Mikrofinanzierung:

Vor allem in den weniger entwickelten Regionen der Welt in Afrika, Asien oder Südamerika gibt es kein funktionierendes Finanzsystem, das Gründer beim Aufbau eines Unternehmens unterstützt. Kleinstkredite, sogenannte Mikrokredite, sind eine Lösung dagegen. Sie sollen auch armen Menschen dabei helfen, eine eigene wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Der spätere Nobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesch gilt als Pionier der Mikrofinanzierung. Seit den 1980er-Jahren vergibt seine Grameen Bank Darlehen an Existenzgründer in Schwellenländern. Auch in Deutschland gibt es Vorreiter: So hat die Deutsche Bank seit 1997 etwa 1,6 Milliarden Dollar an Mikrokrediten vergeben.

Zum Abschluss möchten wir dich nach deiner Meinung fragen: Wie stellst du dir eine Wirtschaftswelt vor, die die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen sichert? Und was erwartest du von einer nachhaltigen Bank? Schreibt uns deinen Kommentar auf Facebook, Twitter oder Instagram.

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