Du gehst wie jede Woche in den Supermarkt und kaufst ein. Dabei fällt dir auf, dass du seit einiger Zeit immer weniger Geld im Portemonnaie hast, obwohl ständig die gleichen Lebensmittel im Wagen liegen. Aber wie kann das sein? Die Antwort auf diese Frage ist der negativ behaftete Begriff “Inflation”. Was genau das ist und wie du mit ein wenig Geschick sogar noch Profit aus dieser wirtschaftlich schwierigen Lage schlagen kannst, erklären wir dir jetzt.

Was ist Inflation?

Der Begriff Inflation fiel erstmals im Jahre 1929 und bedeutet übersetzt soviel wie “Aufblähen”. Ganz platt ausgedrückt wird damit eine Kaufkraftminderung durch eine kontinuierliche Steigerung des Preisniveaus beschrieben.

Da du während einer Inflation für die gleichen Güter und Dienstleistungen deutlich tiefer in die Tasche greifen musst, spricht man auch von einer Geldentwertung. Die Inflation findet dabei eigentlich ständig statt. Jedes Jahr steigen die Preise um etwa ein oder zwei Prozent. Schlimm ist das nicht – ganz im Gegenteil, es ist sogar gewollt. Doch zu sehr darf die Preissteigerung nicht zunehmen.

Wie entsteht Inflation?

Generell werden alle Preise durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Hinzu kommen einige Parameter, mit denen Volkswirte die Inflationsrate zuverlässig messen können:

Die Zentralbank z. B. ist für die Regulierung der Geldmenge auf dem Markt zuständig. Steht dem Staat deutlich mehr Kapital zur Verfügung, steigt die Inflationsrate. Denn mehr Geld bedeutet auch eine steigende Nachfrage. Das aber lässt gleichzeitig die Preise steigen, weil ein Angebotsüberhang entsteht.

Aber auch umgekehrt kann eine Inflation entstehen. Das heißt, wenn die Nachfrage deutlich größer ist als das Angebot. Wir können dir diese Entwicklung gut am Beispiel Heizöl erklären. Gerade in den Wintermonaten steigt die Nachfrage sprunghaft an, was sämtliche Lieferanten frühzeitig den Preis in die Höhe treiben lässt. Und das bedeutet für dich: Du bekommst viel weniger Öl für das gleiche Geld.

Volkswirte sprechen entweder von der Nachfrageinflation (die Nachfrage steigt, obwohl das Angebot auf dem Markt gleich bleibt), oder einer Angebotsinflation (hier ist das Angebot kleiner als die Nachfrage, da eine Unterproduktion von Gütern gegeben ist).

Gemessen wird eine Inflation übrigens mit Hilfe eines imaginären Warenkorbs, dem sogenannten Verbraucherpreisindex. Das heißt, man beobachtet über einen längeren Zeitraum die Preisentwicklung ähnlicher Produkte und Dienstleistungen, die ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht.

Wie viel Inflation ist gut?

Du kannst es dir schon denken: Eine extreme Inflation ist für eine Wirtschaft nicht gut. Daher ist es die Aufgabe der Europäischen Zentralbank (kurz EZB), eine gewisse Preisstabilität zu gewährleisten. Gut ist eine Inflationsrate von 1 bis 2%. Die EZB teilt jeden Monat zum 28. die aktuelle Inflationsrate mit.

Aber schon bei einer Inflationsrate von zwei Prozent jährlich, verlierst du ständig Kaufkraft. Das bedeutet: Wenn du nicht durch Lohnsteigerungen oder Nebeneinkünfte mehr Geld verdienst, so wirst du de facto ärmer. Ein Beispiel: Du verdienst 1500 Euro im Monat. Jedes Jahr liegt die Inflationsrate bei zwei Prozent. Wie viel Kaufkraft hast du wohl noch nach zehn Jahren?

Nach zehn Jahren sind deine 1500 Euro monatlich nur noch 1225 Euro wert. Du hast naürlich noch die 1500 Euro, kannst dir aber nur noch Waren im Wert von 1225 Euro im Vergleich zum Startjahr leisten. Und nach 20 Jahren sind es nur noch 1000 Euro. Und das bei einer ganze normalen Inflation.

Was sind Vor- und Nachteile einer Inflation?

Nachteile:

  • Du bekommst weniger Güter und Dienstleistungen für dein Geld.
  • Bei geringerer Nachfrage investieren die Unternehmen verhaltener. Die Preise müssen auf die Kunden umgelegt werden, um weiter rentabel produzieren zu können.
  • Du bekommst kaum noch Zinsen für Ersparnisse. Große Summen werden sogar mit Strafzinsen belegt.
  • Bei steigenden Preisen “blüht” meistens der Schwarzmarkt für bestimmte Güter.
  • Gerade für die Mittelschicht wird es immer schwieriger, Geld zu sparen.

Vorteile:

  • Nicht nur Erspartes wird entwertet, sondern auch Schulden. Das ist gerade für Kreditnehmer sehr vorteilhaft.
  • Man könnte auch sagen: Eine Inflation nutzt Schuldnern, aber schadet Gläubigern (der Wert der Forderungen sinkt).
  • Die größten Vorteile haben Banken, denn sie bekommen Geld zu sehr niedrigen Zinsen von der EZB.
  • Der Staat ist ebenfalls einer der Gewinner, da die Schulden stark an Wert verlieren.

Wie nutze ich die Inflation für mich?

Zunächst einmal solltest du Konten mit größeren Geldbeträgen auflösen, da du hierfür aktuell keine Zinsen mehr bekommst. Generell sind Sachwerte zur Zeit deutlich wertstabiler. Dazu zählen ganz besonders Immobilien. Hier kann die Inflation sogar dabei behilflich sein, deine Schulden abzutragen. Nehmen wir mal an, du nimmst dir für ein Haus einen Kredit in Höhe von 100.000 Euro auf und vermietest dein Eigentum anschließend. Durch diese regelmäßigen Geldzuflüsse in Kombination mit der Inflation ist es möglich, deine Schulden nach ca. 30 Jahren zu halbieren. Dieser Effekt ist übrigens umso größer, je geringer die Tilgungsrate ist. Außerdem bringt dir das steuerliche Vorteile ein.

Aber Achtung: Das gilt nicht für reine Konsumkredite. Diese musst du nämlich selbst in regelmäßigen Raten abtragen.

Unsere Tipps, wie du die Inflation optimal für dich nutzen kannst:

  • Spare keine unnötig großen Summen auf Tagesgeldkonten oder Sparbüchern. Maximal 3 Gehälter reichen aus!
  • Größere Geldbeträge solltest du direkt in Sachwerte investieren. Diese sind deutlich wertstabiler.

Hilft anlegen gegen Inflation?

In der Niedrigzinsphase ist es wenig sinnvoll, größere Geldbeträge auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten anzulegen. Du bekommst entweder nichts mehr für dein Geld, oder musst sogar noch Strafen bezahlen. Wenn du dich dennoch nicht davon abbringen lässt, sollte die jährliche Rendite deutlich über der Inflationsrate liegen. Das heißt, wenn diese bei 2% liegt, musst du mindestens 3% Zinsen bekommen, damit deine Geldanlage profitabel ist. Aber wo bekommst du das aktuell?

Relativ gute Anlagemöglichkeiten bieten derzeit inflationsgesicherte Anleihen an der Börse. Steigt die Rate, steigt auch deren Verzinsung und umgekehrt. Aber Achtung: Für Anfänger eignen sich die Anleihen nur sehr bedingt.

Am besten und einfachsten kannst du dich gegen die Inflation mit Aktien wehren. Wähle gute Fonds und ETFs aus, damit du nicht unter der Inflation leiden musst. Wie du deinen Vermögensaufbau mit Aktien und ETFs am besten startest, liest du hier.

Relativ unbekannt sind Crowdinvesting bzw. Crowdlending. Letztgenannte Methode ermöglicht dir die Investition in Kreditprojekte kleinerer Unternehmen. Du bekommst dafür neben deinen Tilgungszahlungen auch noch Zinsen.

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