Handelssteit, Seidenstraße, Alibaba, mehr als 1,3 Milliarden Menschen. Führend bei vielen Technologien und bald vermutlich das mächtigste Land der Welt. Doch es gibt auch Schattenseiten: Marktzugangsbeschränkungen, digitale Überwachung, sehr hohe Verschuldung. „In Europa sind viele chinesische Markten, abgesehen von Baidu, Tencent und Alibaba nicht bekannt“, erklärt Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank. Aber was macht China Aktie so besonders?

Sollten Anleger China Aktien kaufen?

Bis 2049 will China die mit Abstand unangefochtene Nummer 1 der Welt sein. Denn in diesem Jahr wird die Volksrepublik China genau 100 Jahre alt. Schon heute ist China sehr mächtig und einflussreich. Da liegt es nahe, über chinesische Aktien nachzudenken.

Aber: “„Die Lage in China am Aktienmarkt ist etwas undurchsichtig. Es gibt viele verschiedene Indizes und Währungen, große behäbige Staatsunternehmen und junge agile Unternehmen”, erklärt Dr. Ulrich Stephan. Dennoch sollten sich Anleger für chinesische Aktien interessieren und auch investieren. Aber er gibt zu bedenken, dass die Kultur dort einfach ganz anders ist. Ein Beispiel: „In China sind sehr viele Menschen privat investiert. Bei uns sind es vor allem institutionelle Investoren und in China halt Private. Außerdem: Negative Zahlen sind da grün, positive Zahlen rot. Das ist da alles ein bisschen anders und das muss man als Anleger einfach wissen”, sagt Dr. Ulrich Stephan.

Die neue Seidenstraße und Emerging Markets

Aktuell investiert China Milliarden Dollar weltweit, um eine neue Seidenstraße von China, über den Nahen Osten bis hin nach Afrika und Europa zu schaffen. Auch Südamerika soll per Schiff eingebunden werden, nur Nordamerika macht nicht mit. Ein Grund für den aktuellen Handelsstreit zwischen den USA und China?

Genau kann das niemand sagen. Aber China wird in der Wirtschaft immer wichtiger. Aktuell zählt es noch zu den Schwellenländern, also den aufstrebenden Nationen. China ist noch kein Industrieland. Deswegen rangiert das Reich der Mitte auch noch im wichtigen Index des MSCI Emerging Markets. Anleger können mit diesem ETF in China-Aktien investieren. Aktuell machen chinesische Aktien hier rund 15 Prozent aus. Bald sollen es aber 20 sein. „Die Chinesen haben mittlerweile einen sehr großen Aktienmarkt. Hinter USA und Japan und noch vor den europäischen Aktien”, konstatiert Dr. Ulrich Stephan. Aber wie können Anleger denn nun in China Aktien investieren?

Wie sollten Anleger in China Aktien investieren?

Dass Anleger ein paar China-Aktien im Depot haben sollten, steht für den Chefanlagestrategen der Deutschen Bank auf jeden Fall fest. Aber: „Bei ETFs bin ich bei diesen Ländern immer etwas vorsichtig. Es gibt da nämlich so viele verschiedene Unternehmen, auch kleine, große, hochverschuldete. Und bei einem ETF würde man die ja alle in einen Topf werden. Hier würde ich einfach eher aktiv investieren.“ Bedeutet, in Fonds, die asiatische Aktien und vor allem China-Aktien aus dem Reich der Mitte auswählen.

Und wie sehen die Chancen aus? „Der Handelsstreit liegt natürlich noch etwas über allem. Auf lange Sicht muss man aber schon einen Anteil von 10 Prozent plus seines Depots in China investieren. Man muss hier etwas mehr aufpassen, aber die Chancen sind auch etwas höher als woanders.“

Beginner investieren also erstmal in den MSCI Emerging Markets, wenn sie von China-Aktien profitieren möchten. Wer dann noch weiter auf den Markt in China setzen möchte, der sucht sich gezielt Fonds mit China-Aktien aus.

Mehr von Dr. Ulrich Stephan und von spannenden Marktthemen gibt es jede Woche bei Perspektiven to Go, dem Podcast der Deutschen Bank.

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