Die meisten Menschen in Deutschland wohnen zur Miete. Aber ist das wirklich immer sinnvoll? Was für das Mieten spricht – und was für den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses.

Deutschland ist eine Mieternation. Anstatt sich eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen, wohnen die meisten Deutschen lieber zur Miete. Die Wohneigentumsquote in Deutschland lag 2016 bei 45 Prozent. Damit ist Deutschland Schlusslicht in Europa, unter den OECD-Staaten ist der Anteil von Bürgern mit Wohneigentum nur in der Schweiz noch niedriger. Innerhalb Deutschlands ist die Eigentümerquote dabei im Saarland mit etwa 60 Prozent am höchsten und in Berlin mit etwa 14 Prozent am niedrigsten.

Warum entscheiden sich so viele Menschen hierzulande für die Miete? Und was solltest du tun, wenn du vor der Entscheidung zwischen Kaufen oder Mieten stehst? Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle: von den individuellen Lebensumständen und den finanziellen Möglichkeiten bis hin zum Wohnort und dem Zustand der Immobilie. Im Folgenden möchten wir daher die Argumente skizzieren, die grundsätzlich für die Miete oder das Wohneigentum sprechen.

Was fürs Mieten spricht

  • Hohe Flexibilität: Wer beruflich häufig in eine andere Stadt umziehen muss oder sich die Freiheit dafür bewahren will, sollte besser eine Wohnung mieten als kaufen. Der Mietvertrag lässt sich relativ schnell und unkompliziert auflösen. Der Weiterverkauf einer Wohnung nach kurzer Zeit ist dagegen zumeist ein Verlustgeschäft.
  • Keine Verschuldung: Viele Deutschen verzichten wohl gerade deshalb auf Wohneigentum, weil sie Schulden scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Schließlich ist für den Kauf einer Wohnung oder den Hausbau in der Regel ein Kredit im sechsstelligen Bereich erforderlich, der über viele Jahre hinweg abbezahlt werden muss. Viele wollen diese finanzielle Last nicht auf sich nehmen und bleiben lieber Mieter ohne Schulden.
  • Geringere Kosten: Gerade in den Großstädten sind die Immobilienpreise im Vergleich zu ländlichen Regionen sehr hoch. Oft ist die Miete daher die preiswertere Option für Arbeitnehmer und Studenten, die in der Nähe ihres Arbeitsplatzes leben möchten – zumindest war das in der Vergangenheit die Regel.
  • Keine unerwarteten Ausgaben: Als Eigentümer einer Wohnung muss man für Instandhaltung und Reparaturen aufkommen. Das ist nicht nur zeitaufwendig, sondern häufig auch teuer. Als Mieter muss man diese unangenehmen Überraschungen im Haushalt weniger fürchten, denn für sie ist der Vermieter zuständig.

Was fürs Kaufen spricht

  • Niedrige Bauzinsen: Es war noch nie günstiger, den Kauf einer Immobilie zu finanzieren. Die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen lagen laut interhyp im Oktober bei 0,65 Prozent – ein Allzeittief. Das heißt, dass man als Käufer einen sehr niedrigen Preis dafür zahlen muss, um Geld für den Kauf von Wohneigentum aufzunehmen. Wer die Chance hat, sollte jetzt zuschlagen und sich diese günstigen Konditionen sichern.
  • Steigende Mietpreise: Gerade in Großstädten wie München, Berlin und Hamburg werden die Mieten immer höher. Aber wenn die Miete am Ende teurer ist als die Hypothek auf einen Immobilienkredit, warum nicht gleich Eigentümer werden? Eine berechtigte Frage. Eine Wohnung im Stadtzentrum können sich gleichwohl die wenigsten leisten, aber auch ein Stückchen außerhalb lässt es sich in den eigenen Wänden gut und vielleicht sogar günstiger leben – gerade wenn man viel Platz für die Familie braucht. Im Vermögensvergleich von finanztip schneidet der Eigentümer langfristig besser ab als der Mieter, sofern er nicht zu teuer kauft und die Immobilienpreise weiter steigen oder zumindest stabil bleiben.
  • Vermögensanlage: Immobilien werden oft als “Betongold” bezeichnet. Nicht ohne Grund: Schließlich kann sich ihr Kauf in doppelter Hinsicht auszahlen. Erstens kann das Wohneigentum zusätzliche, kontinuierliche Einnahmenquellen generieren, indem man es vermietet. Wer sein Geld in ein Haus oder eine Wohnung steckt, darf wegen der steigenden Preise zweitens darauf hoffen, die Immobilie eines Tages mit Gewinn wieder zu verkaufen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Wegen der demografischen Entwicklung wird sich die Nachfrage nach Wohnraum vor allem auf die städtischen Zentren konzentrieren. Hier dürften die Immobilienpreise also wie gehabt steigen. Außerhalb der Städte, in schrumpfenden ländlichen Regionen nimmt die Nachfrage jedoch voraussichtlich ab – und dementsprechend der Preis, der sich mit Immobilien noch erzielen lässt.

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