Mutter zu sein, bringt viele neue Aufgaben und Pflichten mit sich. Leider fallen da oft andere Themen unter den Tisch, so auch häufig das Thema Finanzen. Damit auch Sie die Sicherheit und die Kenntnis über Ihre Finanzen bekommen, haben wir hier die besten Ratschläge für Ihre Finanzen – exklusiv für Mütter.

Das Risiko Altersarmut

Finanzen für Mütter klingt als Thema vielleicht für den ein oder anderen zunächst etwas abstrakt oder abgehoben. Doch wir meinen es ernst. Denn es ist ein wichtiges Thema. Natürlich betrifft das auch die Finanzen von Vätern. Doch leider erleben wir auch im Jahr 2019 noch allzu deutlich, dass gerade Frauen in Sachen Finanzen benachteiligt sind. Auch in Zeiten von Gleichberechtigung, Aufteilung der Elternzeit und dem Hashtag #workingmom, der auf den Social-Media-Plattformen zu florieren scheint, müssen gezielt Mütter in Sachen Finanzen große Lücken schließen und Hürden überwinden. Der Begriff „Female Finance“ prägt jedoch glücklicherweise immer mehr auch die gesamte Finanz-Szene. Er gewinnt an Wichtigkeit und Aufmerksamkeit hinzu. Ein Grund dafür ist Natascha Wegelein alias Madame Moneypenny, die gezielt Frauen dazu aufruft, darin bestärkt und unterstützt, sich um ihre Finanzen zu kümmern. Auch bei uns Kleingeldhelden hat dieser Bereich eine hohe Wichtigkeit.

Die bittere Wahrheit:

Zur besseren Einordnung der Wichtigkeit des Themas haben wir direkt drei harte Fakten am Start:

1. Jede dritte Frau wird in Altersarmut leben

Eine Prognose für das Jahr 2036 besagt, dass fast jede dritte Frau – also rund 30% der Rentnerinnen von Altersarmut betroffen sein werden.

2. Trotz gleicher Qualifikation arbeiten mehr Frauen in Teilzeit

Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums (aus dem Jahr 2016) hatten 82 Prozent der Frauen (30 bis 50 Jahre alt) die gleichen Schulabschlüsse und berufliche Qualifikation wie Männer im gleichen Alter. Trotzdem waren nur 39 Prozent der Frauen in Vollzeit beschäftigt. Im Vergleich dazu waren aber 88 Prozent der Männer in Vollzeit angestellt. Über ein eigenes Nettoeinkommen von mehr als 2000 Euro verfügten nur zehn Prozent der Frauen. Bei den Männern hingegen waren es 42 Prozent.

3. Frauen haben 140 Euro weniger Rente als Männer

Frauen haben im Alter 26 Prozent weniger Rente als Männer. Das geht aus einer aktuellen Studie der Universitäten Mannheim und Tilburg im Auftrag der Fondsgesellschaft Fidelity hervor. Das sind rund 140 Euro weniger im Monat.

Gründe für die Altersarmut bei Frauen

Als Gründe für das schlechte Gesamtbild der finanziellen Lage von Frauen im Alter werden immer wieder die Verdienstausfälle in der Erziehungszeit und der meist anschließenden Tätigkeit in Teilzeit genannt. Ebenso wird die Pflege von Angehörigen und der dadurch entstehende Verdienstausfall oder die Minimierung der Arbeit als Grund aufgeführt.  Leider gibt es auch selbstverschuldete Ursachen. Darunter fällt, dass Frauen sich – laut Umfragen – leider erst viel zu spät selbst um ihre Finanzen kümmern. Die Scheidungsquote liegt bei 40 Prozent und wenn dann die Sache mit dem Geld nicht geklärt ist, wird es richtig übel für Mütter.

Weitere Gründe, die der Studie der Universität Mannheim und Tilburg zu entnehmen sind: Frauen sind ungeschickter in Gehaltsverhandlungen. Frauen arbeiten eher in sozialen Bereichen, welche schlechter bezahlt werden.

Der Verdienstausfall auf Grund einer Geburt und anschließender Arbeit in Teilzeit hat übrigens schon einen ganz eigenen Begriff in Fachkreisen bekommen. Man spricht in diesem Fall von „Motherhood Penalty“, übersetzt „Mutterschafts-Sanktion“.

Selbstfürsorge = Selbstvorsorge

Finanzen stehen oft an letzter Stelle hinter unbeliebten Terminen wie der zahnärztlichen Vorsorge. Es steht einfach zu viel im Kalender oder der inneren To-Do-Liste. Vielleicht weiß man selbst auch gar nicht, wo man da anfangen sollte, oder hat das Gefühl, dass man sehr viel Zeit dazu benötigen würde. Wir kennen diese Gefühle und Ausreden.

Unser Apell lautet: Übernehmen Sie Ihre Finanzen selbst, kümmern Sie sich darum und überlassen nicht alles blind Ihrem Partner/Ihrer Partnerin. Denn Selbstvorsorge ist Selbstfürsorge und umgekehrt. Dazu gehört es, die eigenen Finanzen zu kennen und zu wissen, welchen finanziellen Spielraum man hat. Wo kann man Geld sparen? Kann man sich dies oder jenes aktuell leisten? Welche Ziele verfolgt man mit seinem Geld aktuell? Und welche in der Zukunft?

Finanzielle Sicherheit

Gerade mit Kind ist der Sicherheitsaspekt bei den Finanzen nochmals höher. Ein geregelter Geldeingang, sinnvoller Umgang und angemessene Rücklagenbildung sind die obersten Ziele von vielen Müttern.

Dabei sollte der Umgang mit den Finanzen in den Alltag integriert sein, um in jeder Lage auf dem aktuellsten Stand zu sein und auch frühzeitig agieren zu können. Nehmen Sie sich also regelmäßig Zeit, ein Haushaltsbuch zu führen, über Finanzen mit dem Partner/ der Partnerin zu sprechen und sich neue Spar-Ziele zu stecken.

Altersvorsorge für Mütter

Zwar ist Geld nicht Alles im Leben, doch ohne Geld kann das Leben ziemlich schwer sein. Den meisten Müttern wird es wohl ganz anders, wenn sie nach der Elternzeit wieder arbeiten gehen und dann einen Blick auf ihre Rentenpunkte bei der Deutschen Rentenversicherung erhalten.

Daher ist es wichtig, über so viele Wege wie möglich, das künftige Renteneinkommen zu erhöhen. Auch wenn man niemals genau berechnen kann, wie viel Geld man im Rentenalter zum Leben braucht – oder gar wie viel Rendite eine Anlagemöglichkeit wirklich bringt, so ist es dennoch wichtig, überhaupt vorzusorgen.

Dazu eignen sich drei wesentliche Strategien:

1. Betriebliche Altersversorgung:

Hierunter fallen finanzielle Leistungen, die der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer bieten kann. Damit hilft er bei der Altersvorsorge, der Versorgung von Hinterbliebenen im Todesfall und bei der Invaliditätsversorgung bei einer Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit. Beispiele für eine betriebliche Altersversorgung sind: Teilweise Übernahme von Rentenbeiträgen durch den Arbeitgeber, oder eine Entgeltumwandlung. Rede Sie am besten mit Ihrem Chef/ Ihrer Chefin darüber.

2. Altersvorsorge über Aktiendepots:

Eine spannende und lukrative Alternative neben Sparkonten, ist es, in Aktien zu investieren. Wichtig dabei ist, kein Geld zu investieren, welches in Zukunft gebraucht wird. Es sollte also ein Betrag sein, den man immer zahlen kann. Es ist immer sinnvoll, sich mit einem Vermögensberater zusammenzusetzen und Optionen durchzurechnen.

3. Investition in ETF:

Auch diese Art sein Geld zu vermehren ist sehr attraktiv für die Altersvorsorge. Ein ETF bildet einen bestimmten Indexfonds ab, in welchem bereits Top Aktien liegen. Was das genau ist und wie man bereits mit 25 Euro im Monat dort Geld anlegen kann, verraten wir in unserer 25-Euro-Challenge.

Rentenberatung einholen

Unabhängige Beratung bei der Deutschen Vermögensberatung, oder bei vielen verschiedenen Banken vergleichsweise ist das A und O für eine gute Geldanlage fürs Alter. Machen Sie daher immer einen oder mehrere Termine mit dem Berater Ihres Vertrauens aus und vergleichen Produkte und Konditionen. Wer sich als Frau unsicher ist oder falsch beraten fühlt, sollte lieber einmal mehr den Mut aufbringen und nachfragen. Alternativ dazu kann man direkt nach einer Beraterin fragen, die vielleicht auch Mutter ist.

Wann, wie und wo? – Rentenberatung

Eine Rentenberatung sollte nicht erst dann gemacht werden, wenn man kurz vor der Rente selbst ist. Klar, wer bis dato noch nie eine Beratung hatte, der sollte sie nachholen. Doch ratsam ist es, sich ab dem Zeitpunkt, zu dem man ein geregeltes Einkommen hat, sich mit einem Berater zusammensetzen. Zudem sollten immer dann, wenn sich etwas im Leben verändert, wie etwa ein Kind bekommen, nicht mehr arbeiten, wieder arbeiten, sich scheiden lassen, umziehen und ähnliche Lebenssituationen, ein erneuter Termin vereinbart werden, um zu prüfen, ob die Strategien für die Altersversorgung noch aufgehen. Manchmal ergeben sich sogar neue Möglichkeiten der Rentenvorsorge. Also: Immer am Ball bleiben!

Anlagemöglichkeiten und Sparen für Mütter

Nicht nur für die Altersvorsorge, sondern auch für ein Auto, einen Urlaub,sowie für eine Auszeit, Kleidung, oder einem Austauschsemester der Kinder möchte man Geld mal auf der hohen Kante haben. Daher darf man nicht vergessen, auch für das Hier-und-Jetzt Geld anzusparen.

Eine tolle Möglichkeit, sein Geld zu investieren und im Jahr im Schnitt mindestens fünf Prozent Gewinn zu erhalten, ist in einen ETF zu investieren. In unserer 25-Euro-Challenge erklären wir, wie man sein erstes Depot eröffnet und monatlich Geld in einen ETF anlegt. Außerdem gibt es tolle Tipps zum Geldanlegen und der Strukturierung der eigenen Finanzen im Buch „Kleingeldhelden – Wie wir mit wenig Geld viel erreichen können“ von Marian Kopocz. Am 13.05.2020 erscheint die Fortsetzung davon, in welcher es tiefer in die Materie geht: „Kleingeldhelden – Auf dem Weg zum großen Vermögen“.

Nachhaltig Geld anlegen & Sparen

Wer über eine nachhaltige Möglichkeit sein Geld anzulegen, nachgedacht hat, der findet auch nachhaltige ETFs. Aber Vorsicht, nicht alles wo nachhaltig draufsteht, ist auch nachhaltig. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Beitrag „Nachhaltig investieren – So verdienst du grünes Geld“.

Immer wichtig: Geld zur Seite legen. Im Schnitt sparen wir Deutschen zwischen 100 und 200 Euro monatlich auf unser Sparkonto. Doch damit nicht genug: Wir raten dazu, sich einen Notgroschen anzusparen. Dieser sollte im Idealfall drei Netto-Monats-Gehälter umfassen. Das wäre als oberstes Ziel nach und nach anzusparen. Dieser Notgroschen sichert Sie ab. Es ist eine wichtige Rücklage bei Verdienstausfall oder anderen unvorhersehbaren Lebensereignissen und damit unerlässlich.

Gemeinschaftlich die Finanzen meistern für Eltern

Wer sich als Mutter, Vater oder Elternteil noch nicht mit dem Begriff „Motherhood Penalty“ auseinandergesetzt hat, sollte das nachholen. Listen Sie einmal auf, wie viel Geld Sie dadurch weniger an Haushaltseinkommen haben und wie viel Geld Sie in der Zeit nicht sparen beziehungsweise nicht investieren können. Überlegen Sie doch einmal gemeinsam mit Ihrem Partner, ob und in welcher Form für die Mutter – oder den Partner, der den höheren Verdienstausfall hat, ein finanzieller Ausgleich geschaffen werden kann. Wichtig ist, dass eine gerechte Aufteilung der Altersvorsorge gewährleistet wird. Zwar schafft es nicht jede Familie sofort dafür Geld zu investieren oder zur Seite zu legen, dennoch kann man sich Ziele setzen.

Diese 5 Finanz-Fragen sollten Sie in Ihrer Partnerschaft klären:

1. Wer hat welches Konto? Ein Gemeinschaftskonto oder doch lieber getrennte Konten, oder eine Mischform?

2. Wer zahlt was, oder wie viel Geld in eine Haushaltskasse?

3. Wer legt für wen Geld zurück? Gerade in der Erziehungszeit gilt es zu klären: Wer arbeitet wann und wie viel und wie lange?

4. Welche gemeinschaftlichen Anlageformen wollen Sie nutzen?

5. Wie wird im Falle einer Trennung mit dem Geld, den Investitionen und den gemeinschaftlichen Wertgegenständen umgegangen?              

In 5 Schritten Herrin über die eigenen Finanzen werden

1. Kenne dein Zeug

Unterlagen beisammenhalten ist für manch einen, eine kleine Herausforderung. Aber es ist nun einmal sehr wichtig. Sortieren Sie die Unterlagen wie Verträge, Post oder Kontoauszüge direkt ein. Alternativ nehmen Sie sich in regelmäßigen Abständen Zeit, wieder Ordnung in Ihr Papier-System oder die digitale Ablage zu bringen. Wer seine Unterlagen beisammen hat, spart beispielsweise Zeit bei der Steuererklärung. Zudem erkennt man schneller, wo Sparpotential vorhanden ist, oder welche Verträge sogar gekündigt werden können.

2. Wissen ist Macht

Bilden Sie sich stets fort und belesen Sie sich zu aktuellen Geschehnissen in der Wirtschaftspolitik. Suchen Sie sich Vorbilder und Wissensverbreiter auch im eigenen Freundeskreis und sprechen Sie miteinander über Geld. Informieren Sie sich und lernen Sie selbst, wie alles funktioniert und aus welchem Grund es so funktioniert. Dadurch können Sie Ihre eigenen Finanzen nicht nur in den Griff bekommen, sondern auch Ihr Geld erfolgreich anlegen.

3. Hilfe ist erlaubt

Hilfe ist nicht nur erlaubt, sie ist wichtig und notwendig. Nur mit Hilfe können Sie Ihren Horizont erweitern, neue Anlagemöglichkeiten kennenlernen und somit auch Ihren Handlungsspielraum erweitern. Suchen Sie sich eine unabhängige Beratungsstelle, wo Sie mit Ihren Finanz-Fragen anlaufen können.

4. Planen und kalkulieren

Lassen Sie sich mit Entscheidungsfragen zu Anlagemöglichkeiten Zeit. Planen Sie Ihre Finanz-Ziele ebenso wie Ihre täglichen Ausgaben. Ein Haushaltsbuch – auch in digitaler Form, kann hierbei sehr hilfreich sein. Kalkulieren Sie, wie viel Budget Sie monatlich für welche Posten zur Verfügung haben und auch wie viel sie ausgeben möchten.

5. Mutig sein

Trauen Sie sich auch etwas. Seien Sie mutig! Sprechen Sie Fragen offen aus, gehen Sie zu Beratungsterminen und wagen Sie den Schritt, Geld zu investieren.

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