Eigene vier Wände und trotzdem sparen – das klingt zunächst sehr paradox, müssen wir zugeben. Möglich machen das aber sogenannte Wohnungsbaugenossenschaften. Was genau das ist und wie das Modell funktioniert, erklären wir im nachfolgenden Beitrag.

Warum kann man mit einer Wohnungsbaugenossenschaft sparen?

Eine Wohnungsbaugenossenschaft basiert auf dem Gedanken, seinen Mitgliedern möglichst günstige Unterkünfte anzubieten. Das heißt, die monatlichen Kosten liegen weit unter dem ortsüblichen Mietpreisspiegel. Hinzu kommt, dass eine Wohnungsbaugenossenschaft keine Gewinne erwirtschaftet. Vielmehr geht es darum, Überschüsse direkt zu reinvestieren in Erneuerungen, Sanierungen, Pflege von Grünanlagen oder Erweiterungen. Jeder Eigenheimbesitzer weiß, wie teuer sowas werden kann.

Einige wenige Wohnungsbaugenossenschaften bieten außerdem spezielle Sparmodelle an, die in bestimmten Intervallen Dividenden an ihre Mitglieder auszahlen.

Was ist eine Wohnungsbaugenossenschaft?

Sie wurden vor rund 150 Jahren mit einem sozialen Hintergrund ins Leben gerufen. Ziel war schon damals, den Mitgliedern möglichst günstige Wohnungen zu stellen. Und dieser Grundgedanke trägt sich bis heute. Von den bundesweit rund 1.800 aktiven Wohnungsbaugenossenschaften finden sich besonders viele in den großen Ballungsgebieten wie Berlin oder Leipzig. Der Grund: Hier ist die Chance auf eine bezahlbare Unterkunft ohne Hilfe verschwindend gering.

Die Vereinigungen leben von ihren Mitgliedern, die sich durch den Erwerb ihrer Anteile quasi “einkaufen”. Dabei zielt eine Wohnungsbaugenossenschaft aber nicht auf Gewinne ab, sondern vielmehr auf Reinvestition der Überschüsse.

Außerdem dürfen keinerlei Kredite an Privatpersonen vergeben oder gar spekulative Geschäfte abgewickelt werden. Das schafft Seriosität und Sicherheit.

Vereinfacht ausgedrückt bist du Anteilseigner und somit Miteigentümer. Wenn diese ersten Kriterien erfüllt sind, musst du für die gewünschte Unterkunft in Abhängigkeit von Wohnlage und Größe noch einmal zahlen. Der Betrag wird durch die jeweilige Satzung bestimmt und kann von wenigen hundert bis hin zu 5-stelligen Summen reichen.
Je nach Wohnungsbaugenossenschaft werden deine Anteile sogar verzinst. Das heißt, du bekommst unter Umständen eine kleine Dividende ausgezahlt.

Ist die Miete oder der Kauf für mich günstiger?

Die Unterkünfte gehören grundsätzlich der Wohnungsbaugenossenschaft. Dabei spricht man auch nicht von einer Miete im klassischen Sinne, sondern vielmehr von einer Nutzungsgebühr. Wenn du dich für den Beitritt entscheidest, genießt du den Vorteil von verhältnismäßig günstigem Wohnraum. Gerade in großen Städten sind eigene vier Wände sonst kaum bezahlbar. Hinzu kommt, dass du kaum Ausgaben hast für Reparaturen. Diese werden nämlich ebenfalls gemeinschaftlich in Form von Reinvestitionen getragen. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Mietswohnung sparst du viel Geld.

Aber wie sieht es aus, wenn du eine Wohnung kaufen möchtest? Auch das ist durchaus möglich. Allerdings lohnt sich vorab ein Blick in die jeweilige Satzung. Nicht überall ist der Erwerb von Eigentum möglich. Oft bekommen auch nur langjährige Genossen diese Chance. Daneben gibt es ganz entscheidende Nachteile: Die Wohnungen sind meistens fester Bestandteil komplexer Anlagen. Du wirst kaum ein einzelnes Häuschen im Grünen finden. Außerdem hast du zwar ähnliche Rechte wie ein “herkömmlicher” Eigenheimbesitzer, allerdings in deutlich “abgespeckter” Form. Die Mehrheit in den Versammlungen gehört weiterhin der Genossenschaft.

Komme ich aus einer Wohnungsbaugenossenschaft heraus?

Du kannst den Vertrag unter Einhaltung einer bestimmten Kündigungsfrist beenden. Es wird aber empfohlen, auch nach Auszug weiterhin Genosse zu bleiben. Das hat den Vorteil, dass du bei Bedarf eventuell später bessere Chancen auf eine Wohnung hast.

Laut §65 des Genossenschaftsgesetzes ist eine Kündigung immer zum Abschluss eines Geschäftsjahres und mindestens 3 Monate vor dessen Ablauf in schriftlicher Form möglich. Kann dir eine weitere Mitgliedschaft aus wichtigen Gründen nicht mehr zugemutet werden, ist eine außerordentliche Kündigung auch schon nach einem Jahr möglich.

Die Rückzahlung deiner Anteile erfolgt dann meistens innerhalb von zwei Jahren.

Was sind Vorteile und was sind Nachteile?

Ein paar Gründe sprechen für und ein paar gegen Wohnungsbaugenossenschaften. Hier listen wir einige für dich auf.

Vorteile:

  • Günstiger Wohnraum zu Kosten, die unter dem ortsüblichen Mietpreisspiegel liegen;
  • Mitbestimmungsrecht in den Versammlungen der Wohnungsbaugenossenschaft;
  • Möglichkeit des lebenslangen Wohnrechts;
  • Kosten für Instandhaltungen etc. sind minimal

Nachteile:

  • Risiko des Totalverlusts bei Insolvenz;
  • mitunter vorgeschriebene Mindestanlagezeiten für die Einlagen (du solltest auf dieses Geld verzichten können);
  • die Rückzahlung der Einlagen im Falle einer Kündigung dauert meist sehr lange

Was sagt die Verbraucherzentrale dazu?

Vor Eintritt in eine Wohnungsbaugesellschaft solltest du dich genau über die jeweilige Satzung informieren. Dazu gehört auch ein Kostenvergleich. Manche Genossenschaften verlangen neben den Anteilen auch sogenannte Eintrittsgelder.
Auch Kündigungsfristen, Rechte und Pflichten sind wichtige Kriterien, die es im Vorfeld zu beachten gilt.

Die Verbraucherzentrale warnt auch vor unseriösen Anbietern. Diese lassen sich leicht erkennen, wenn du auf Folgendes achtest:

  • Es werden sehr hohe Renditen versprochen und die Geldanlage steht im Vordergrund.
  • Offensive Marketingstrategien von Callcentern kommen zum Einsatz.
  • Die Relation von Wohnungen zu Genossen ist widersprüchlich.

Falls dir von den oben genannten Punkten etwas auffällig erscheint, kannst du dich jederzeit an die Verbraucherzentrale wenden und um Hilfe bitten.

Wie komme ich in eine Wohnungsbaugenossenschaft?

  1. Informiere dich im Vorfeld, welche Genossenschaften in der gewünschten Wohngegend in Frage kommen. Dabei empfiehlt die Verbraucherzentrale, sich auf etablierte Institutionen zu beschränken. Diese haben meistens einen größeren Bestand an Immobilien und die Anteile sind deutlich günstiger. Falls du noch mehr Details erfahren möchtest, kannst du außerdem die aktuellen Bewohner befragen. So bekommst du auch einen ersten Eindruck deiner zukünftigen Mitmenschen.
  2. Wenn du dich ausreichend informiert hast, findest du auf der Website der meisten Wohnungsbaugenossenschaften online-Formulare, mit denen du dich bewerben kannst. Das Wort “Bewerbung” ist dabei sehr zutreffend. Denn du musst neben persönlichen Angaben auch deine Schuldverhältnisse sowie die gewünschte Wohnsituation angeben. Meistens sind dann noch Beitrittserklärung sowie Antrag auf Dauernutzung deiner zukünftigen Wohnung notwendig.
  3. Ob du als potentielles Mitglied in Frage kommst, entscheidet der Vorstand der jeweiligen Wohnungsbaugenossenschaft. Das kann je nach Verfügbarkeit der Wohnungen durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen.
  4. Wenn man sich für dich entschieden hast, musst du erste Anteile erwerben. Nur so kannst du überhaupt ein Mitglied werden. Je nach gewünschter Wohnung wirst du weitere Einlagen leisten müssen. In welcher Höhe, entscheidet die jeweilige Satzung.

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