Zehn Jahre lang brummte die Konjunktur in Deutschland. Doch diese Zeit neigt sich dem Ende zu. Genau das ist der Grund, warum Kurzarbeit 2020 bei vielen deutschen Unternehmen wieder notwendig sein könnte. Was das für dich und dein Gehalt bedeutet.

In Zeiten der schwächelnden Konjunktur, wenn die Auftragsbücher leer sind und es schlicht nicht mehr genug Arbeit für alle Beschäftigten zu verrichten gibt, hat ein Unternehmen manchmal nur noch zwei Optionen: es kann Mitarbeiter entlassen oder ihre Arbeitszeit verkürzen. Letzteres ist als Kurzarbeit bekannt.

Für die Arbeitnehmer ist die Kurzarbeit natürlich mit Lohneinbüßen verbunden. Weil das aber immer noch besser als der Jobverlust ist, unterstützt der Staat die konjunkturbedingte Arbeitszeitverringerung. Er zahlt das sogenannte Kurzarbeitergeld. Das bedeutet, dass die Arbeitsagentur einen Teil des Lohnausfalls übernimmt. Stand heute sind das 60 Prozent des Nettolohns, der dem Beschäftigten durch die Kurzarbeit entgangen ist. Bei Mitarbeiter mit Kindern sind es 67 Prozent.

Ein Beispiel: Eine Firma schickt einen Mitarbeiter in Kurzarbeit und streicht ihm Arbeitsstunden. Er bekommt dadurch netto nur noch 1000 Euro statt 1500 Euro, also 500 Euro weniger im Monat. Der Staat legt dann 60 Prozent des entgangenen Nettolohns drauf, also 300 Euro. Durch das Kurzarbeitergeld verdient der Beschäftigte also nur noch 200 Euro weniger als üblich, nämlich 1300 Euro.

Das Kurzarbeitergeld kann maximal zwölf Monate lang bezogen werden und wird durch den Arbeitgeber beantragt. Das Ziel des staatlichen Zuschusses ist klar: die Arbeitsplätze sollen so lange erhalten werden, bis es wirtschaftlich bergauf geht und der Betrieb wieder normal läuft . In der Regel betrifft das vor allem Beschäftigte in der Industrie, weil sie besonders stark von weltweiten Konjunkturschwankungen abhängig ist. So ist Kurzarbeit vor allem in der Automobilbranche sowie in der Textil- und Metallindustrie verbreitet.

Momentan nimmt die Kurzarbeit in Deutschland wieder zu. Im Juli 2019 waren nach den aktuellen Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit 35.327 Beschäftigte in Kurzarbeit. Ein Jahr zuvor waren es noch 13,954. Laut einer Umfrage des ifo-Instituts rechnet jeder dritte Textilhersteller in den nächsten Monaten mit Kurzarbeit, bei den Fahrzeugbauern sind es 28 Prozent.

Kurzarbeit ist ein bewährtes Kriseninstrument

Im Vergleich zum Jahr 2009 sind die Zahlen jedoch immer noch sehr gering. Damals arbeiteten 1,5 Millionen Menschen (!) in Kurzarbeit. Die Bundesregierung hatte das Kurzarbeitergeld zuvor deutlich von 12 auf 24 Monate ausgeweitet, um den Arbeitsmarkt in der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise zu stützten. Die Maßnahme war erfolgreich. Trotz der Krise kam es in der deutschen Wirtschaft nicht zu Massenentlassungen, die Arbeitslosigkeit stieg kaum an. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet damit, dass durch die Kurzarbeit damals 300 000 Jobs gerettet wurden. Das Kriseninstrument funktionierte.

Zehn Jahre später könnte die Kurzarbeit nun vor eine neue Bewährungsprobe gestellt werden. Der Konjunkturabschwung zeichnet sich immer deutlicher ab: Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2019 geschrumpft. Die Exporte gehen zurück. Besonders hart trifft es die Autozulieferer, die bereits Entlassungen und Kurzarbeit angekündigt haben. Es ist ein Warnsignal für die gesamte deutsche Industrie. Ihr Auftragsbestand ist zwar zuletzt wieder gewachsen. Doch die Angst ist groß, dass sich die Entwicklung schnell wieder ins Negative umkehren könnte – zumal der Brexit vor der Tür steht und Donald Trump immer noch mit aller Welt um den Handel streitet.

Kurzarbeit 2020: Staatlicher Zuschuss soll ausgeweitet werden

Kommt die Kurzarbeit 2020 deshalb wieder groß auf? Was passiert, wenn wieder Hunderttausende Beschäftigte kürzer arbeiten müssen? Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) trifft bereits Vorbereitungen. Sein „Arbeit-von-morgen-Gesetz” (so heißt es wirklich) soll Unternehmen den Zugang zum Kurzarbeitergeld erleichtern. Außerdem soll der Staat auch die Sozialversicherungsbeiträge von Beschäftigten übernehmen, die sich in der Zeit ihrer Kurzarbeit beruflich weiterbilden. Der Arbeitsminister will das Gesetz im Herbst im Bundeskabinett vorlegen. Je früher, desto besser, möchte man angesichts der Nachrichtenlage sagen.

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