Heute wagen wir mit euch ein verrücktes Gedankenspiel: Wir stellen unser Aktiendepot wie eine Fußballmannschaft auf. Gesucht sind: eine bombensichere Abwehr, kreative Mittelfeldspieler und treffsichere Angreifer. Wie wir mit der Fußball-Strategie Aktien kaufen.

“Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen einem erfolgreichen Fußballspiel und einer rentablen Geldanlage”, sagt der Finanzberater Andreas Kissel aus Mainz. Klingt erstmal komisch. Wenn man aber genauer darüber nachdenkt, ist wirklich etwas an der Sache dran. Man erinnere sich nur an das WM-Finale 2014. Argentinien hatte damals Messi, aber Deutschland eine Mannschaft. Am Ende setzte sich das bessere Team durch, nicht der bessere Einzelspieler. Bei der Geldanlage gilt das genauso.

“Spielsystem, Taktik, Strategie, Aufstellung, Mentalität und Stimmung sind nur einige der entscheidenden Faktoren für ein positives Ergebnis”, sagt Kissel. Er nennt das die Geldanlage nach der “Fußball-Strategie”. Wir wollen es ausprobieren. Dazu betrachten wir unser Aktiendepot einmal aus den Augen eines Fußballtrainers, der eine erfolgreiche Elf aufstellen muss. Wir schlüpfen sozusagen in die Rolle eines Börsen-Jogi. Schwierige Entscheidungen stehen jetzt für uns an. Es kommt einerseits auf das passende System, andererseits aber auch auf die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Spieler an.

Mit der Fußball-Strategie Aktien kaufen

In der Systemfrage entscheiden wir uns für ein klassisches holländisches 4-3-3. Die Aufstellung besteht aus einer Viererkette in der Abwehr, einem dichten, ballsicheren Mittelfeldzentrum und schnellen Außenstürmern in der Offensive. Genau so wollen wir unser Depot aufstellen. Mit sicheren Aktien hinten und ein paar risikofreudigen Ausnahmekönnern vorne. Jetzt gilt es nur noch, die richtigen Spieler zu finden. Das heißt, nach unserer Fußball-Strategie Aktien zu kaufen, die sich für uns lohnen.

DISCLAIMER: Wir halten es normalerweise so, dass wir keine Einzelaktien zum Kauf empfehlen. In diesem Fall machen wir allerdings eine Ausnahme, um euch das Prinzip der Fußball-Strategie erklären zu können. Das Konzept lässt sich übrigens problemlos auf festverzinste Konten, Renten- und Aktienfonds sowie Anleihen übertragen.

Der Torwart

Auf dieser wichtigen Position braucht es eine Aktie mit den Eigenschaften eines Manuel Neuer: Stabil, verlässlich und unberührt von äußeren Einflüssen sollte sie beständig über die gesamte Saison performen. Ein sicherer Rückhalt für das Depot wird gesucht. In Frage kommen dafür sogenannte defensive Aktien. Das sind Papiere von Unternehmen, die selbst in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs gut laufen. Darunter fallen vor allem die klassischen Konsumgüter: Lebensmittel, Telekommunikation, Energie. Logisch, schließlich brauchen die Menschen diese Produkte auch in Krisenzeiten.

Ein Musterbeispiel für ein relativ konjunkturunabhängiges Wertpapier ist Nestlé. Der Schweizer Lebensmittelriese produziert unter anderem Wasser, Schokolade und Kaffee. Seit dem Börsengang kennt die Aktie eigentlich nur eine Richtung: sie steigt ohne nennenswerte Ausschläge kontinuierlich nach oben. Zuletzt knackte der Kurs erstmals die 100-Euro-Marke, was vor allem am Wachstum im Bereich von vegetarischen Produkten liegt. Gleichzeitig gehört die Schweizer zu den absoluten Divididenden-Champions auf dem Aktienmarkt: seit nunmehr 23 Jahren in Folge erhöht das Unternehmen seine Ausschüttungen an die Aktionäre. Aus diesen Gründen ist Nestlé prädestiniert für die Nummer 1 in unserem Depot.

Auf der Ersatzbank: Procter & Gamble (Konsumgüter, USA), Waste Management (Müllentsorgung, USA)

Unser Depot-Tor lassen wir von einem Schweizer hüten

Die Abwehr

Das Anforderungsprofil für die Abwehr unterscheidet sich gar nicht so sehr von der Torwartposition, um mit der Fußball-Strategie Aktien zu kaufen. Defensiv stabil und relativ krisensicher sollten die Wertpapiere in unserer Viererkette sein. Neben Lebensmitteln und Konsumgütern kommen daher auch Unternehmen aus der Versicherungs- sowie der Pharmabranche für die engere Auswahl in Frage. In der Innenverteidigung setzen wir auf zwei Riesen aus den USA: der Getränkehersteller Coca Cola spielt neben dem Pharmakonzern Johnson & Johnson. Beide haben ihren Börsenwert in den letzten zehn Jahren verdreifacht.

Auf den Außenverteidigerpositionen laufen der deutsche Versicherer Allianz sowie der britische Konsumgüter-Konzern Unilever auf. Hier überzeugt uns die hohe und stabile Dividendenrendite von 3 bis 6 Prozent. Auf Energiekonzerne verzichten wir hingegen ganz bewusst. Hier ist die künftige Entwicklung wegen der Folgen der Energiewende einfach zu schwer kalkulierbar.

Auf der Ersatzbank: Münchener Rück (Versicherung, Deutschland), Colgate-Palmolive (Konsumgüter, USA), Church & Dwight (Konsumgüter, USA), Fielmann (Optiker, Deutschland)

In der Verteidigung setzen wir auf stabile Wachstumsraten und Dividenden

Das Mittelfeld

Auf der strategisch wichtigen 6er-Position suchen wir eine defensiv orientierte, zweikampfstarke Aktie, die unseren Depot-Freigeistern den Rücken freihält. Unsere Wahl fällt auf den Nivea-Produzenten Beiersdorf. Der Konsumgüterkonzern aus Hamburg performt seit Jahren konstant an der Börse und hat trotz eines für Branchenverhältnisse überdurchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 28,4 immer noch Potenzial nach oben.

Etwas mehr Kreativität brauchen wir auf den zwei verbliebenen Achter-Positionen in unserem Mittelfeldblock. Eine gute Übersicht, aber auch Ideen nach vorne sind hier gefragt. In dieses Anforderungsprofil passt Puma perfekt. Nach einigen schwierien Jahren hat sich der kleine Adidas-Bruder aus Herzogenaurach wieder gefangen und seine Position als drittgrößter Sportartikelhersteller der Welt gefestigt. Zuletzt landete Puma als neuer Trikotsponsor von Manchester City einen Coup. Sollte der Guardiola-Club mit der schwarzen Raubkatze auf der Brust erstmals die Champions League gewinnen, würde das sicher auch die Aktie pushen.

Neben Puma ist Airbus als Mittelfeldmotor gesetzt. Der Aktienkurs des europäischen Luftfahrtkonzerns hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. Der Trend zeigt weiter nach oben. Die Geschäfte in der Luftfahrtbranche laufen weiterhin hervorragend; außerdem profitieren die Europäer von den Problemen beim US-Konkurrenten Boeing. Alles deutet darauf hin, dass Airbus die Amerikaner in diesem Jahr als weltgrößter Flugzeughersteller ablösen wird.

Eigentlich könnte man im Mittelfeld getrost auch die deutschen Automobilkonzerne VW, Daimler oder BMW einsetzen. Wegen der großen Herausforderungen durch die Wende zur Elektromobilität gilt es bei ihnen aber abzuwarten, ob sich eine Nominierung wirklich lohnt.

Auf der Ersatzbank: Merck (Chemie, Deutschland), Berkshire Hathaway (Holding, USA), Linde (Industriegas, Großbritannien)

In der Mittelfeldzentrale kommt es auf eine gute Balance zwischen Defensive und Offensive an

Der Sturm

In der Depot-Offensive lassen wir es risikofreudig und verspielt angehen. Denn hier suchen wir nach disruptiven Technologieunternehmen und Zukunftstrends. Über die Außenbahn läuft eine erfahrene, aber treffsichere Nummer 9 auf. Microsoft ist unter Satya Nadella eine phänomenale Neuerfindung gelungen. Der Windows-Konzern wächst durch das zukunftsträchtige Cloud-Geschäft stark. Kürzlich überholte Microsoft sogar Apple als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt. Dafür ist das KGV (26,2) lächerlich niedrig.

Rechtsaußen spielt ein talentierter Nachwuchskicker, der sich aber erst noch auf großer Bühne beweisen muss. Aurora ist ein kanadischer Cannabis-Hersteller, der mittlerweile in 24 Ländern aktiv ist. Weil immer mehr Länder den Konsum der Droge legalisieren, wächst die Nachfrage nach dem Produkt. Zwar macht das Unternehmen immer noch Verluste, doch der Umsatz hat sich im vergangenen Jahr bereits vervierfacht. Hier schlummert großes Potenzial.

Im Sturmzentrum nominieren wir einen Exoten mit vielversprechender Perspektive. BYD (kurz für Build Your Dreams) ist ein chinesischer E-Auto-Hersteller. Vielen ist vielleicht gar nicht bewusst, dass dieses Unternehmen heute schon mehr batteriebetriebene Fahrzeuge als Tesla verkauft. Das Risiko ist allerdings groß, vor allem wegen des schwelenden Handelsstreits zwischen den USA und China. Gelingt die weltweite Expansion, könnte BYD auf dem Zukunftsmarkt Elektromobilität jedoch ein Volltreffer werden.

Auf der Ersatzbank: Salesforce.com (Cloud Computing/KI, USA), Amazon (E-Commerce, USA), Tencent (Technologie, China)

Unsere Top-Elf wird durch risikofreudige, aber vielversprechende Stürmer komplettiert

Das ist sie also, unsere perfekte Aktien-Fußballmanschaft. So würden wir mit der Fußball-Strategie Aktien kaufen. Wir hoffen, dass ihr beim Herumtüfteln an unserer Fußball-Strategie für die Börse genau so viel Spaß hattet wie wir. Ist unser Team titelverdächtig? Wie würdet ihr euer optimales Aktien-Depot auftstellen? Noch defensiver, oder sogar etwas risikofreudiger? Lasst es uns auf Social Media wissen und teilt eure Wunschaufstellung mit uns auf Facebook, Twitter oder Instagram!

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