Mark Zuckerberg plant eine Revolution: mit seiner Kryptowährung Libra will der Facebook-Gründer die Finanzwelt neu ordnen und sogar die Armut in vielen Teilen der Welt bekämpfen. Doch vor allem beim Datenschutz gibt es ernsthafte Bedenken gegen die Facebook Coin.

Mark Zuckberberg hat mit einer Idee bereits einmal die Welt verändert. 2004 gründete der Student Facebook, eine Website, auf der sich Menschen digital vernetzen konnten. Der Rest ist Geschichte. Facebook wurde zum größten sozialen Netzwerk der Erde und gehört heute zu den weltweit wertvollsten Unternehmen. Jetzt hat Mr. Zuckerberg eine neue revolutionäre Idee. Kann er es wieder tun?

Facebook plant die digitale Welt-Währung

Ende Mai stellte Facebook Pläne für eine neue Kryptowährung namens Libra vor. Sie soll ähnlich wie die Bitcoin auf der Blockchain basieren. Die Vision: Irgendwann sollst du auf der ganzen Welt deinen Kaffee oder das U-Bahn-Ticket mit Libra bezahlen können – du musst dafür einfach nur das Smartphone anstatt der EC-Karte zücken. Facebook verspricht, dass der Austausch von Libra über das Smartphone “so einfach wie der Versand einer Textnachricht” sein soll.

Zuckerberg hat sich sogar auf die Fahnen geschrieben, mit seiner Facebook Coin eine bessere Welt zu schaffen. „Die Mission von Libra ist es, eine einfache globale Währungs- und Finanzinfrastruktur zu ermöglichen, die Milliarden von Menschen mehr Möglichkeiten verleiht”, heißt es im Whitepaper für Libra. Mehr als 1,7 Milliarden Menschen auf der Welt besitzen aktuell kein Bankkonto. Das betrifft vor allem Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern und hemmt den wirtschaftlichen Fortschritt in diesen Ländern. Durch Libra sollen diese Menschen erstmals Zugang zum Geldsystem bekommen.

Libra soll dabei an offizielle Währungen wie den Euro oder den US-Dollar gekoppelt werden. Auch eine Bindung an Staatsanleihen ist im Gespräch. Dadurch soll Facebooks Kryptowährung im Gegensatz zum stark schwankenden Bitcoin relativ stabil bleiben.

Gerade deshalb trauen Experten der Facebook Coin den Durchbruch zu. “Die große Chance ist, dass man eine wertstabile Kryptowährung schafft, diezum Zahlungssystem für Hunderte Millionen Menschen wird”, sagt Dr. Philipp Sandner, Blockchain-Experte an der Frankfurt School of Finance & Management. “Es ist ein beeindruckendes Projekt, das den Finanzsektor verändern wird”

Die Facebook Coin ist eher Oligarchie als Demokratie

Facebook will seine Kryptowärhung nicht alleine , sondern in einem Verbund mit 99 Partnern erschaffen. Spotify, Uber und MasterCard sind schon dabei. Die Libra Association, eine Non-Profit-Stiftung, wird ihren Hauptsitz in Genf in der Schweiz haben.

Spannend ist aus technischer Sicht, dass es sich bei Libra um eine sogenannte „Permissioned Blockchain“ handelt. Das heißt: Wer die Facebook Coin nutzen will, braucht die Erlaubnis der Libra-Gruppe. Sie muss jede Transaktion absegnen. Anders als beim Bitcoin. Hier darf jeder mitmachen, der einen Computer mit entsprechender Rechenleistung besitzt. Ursprünglich waren Kryptowährungen ja eben dafür angedacht, zentrale Instanzen wie die Banken überflüssig zu machen. Die Macht sollte beim Kollektiv liegen. Nicht so bei Libra. Hier behalten 100 internationale Unternehmen und Organisationen die Kontrolle.

Libra soll zum Standard für bargeldloses Bezahlen werden

Natürlich bringt Facebook Libra nicht bloß aus altruistischen Motiven auf den Markt. Am Ende geht es für den US-Digitalriesen ums Geschäft – genauso wie für die Konkurrenten Google, Apple oder PayPal. Mit Libra will Facebook den Fuß in die Tür beim bargeldlosen Bezahlen kriegen. Mehr noch: Zuckerberg will den weltweiten Standard setzen.

Das passt zu seiner Strategie, das soziale Netzwerk nach dem Vorbild der chinesischen App WeChat zum Allzweckwerkzeug zu entwickeln. Mit Facebook soll man in Zukunft nicht nur alte Freunden wiederfinden und mit ihnen chatten, sondern auch einkaufen können. Je unersetzlicher das soziale Netzwerk im Alltag für die Verbraucher wird, desto besser kann sein Geschäftsmodell auch in Zukunft florieren. Facebook verkauft den Zugang zu den Nutzerdaten an Werbetreibende.

Zur Nutzung der Facebook Coin wird eine neue App namens “Calibra” benötigt. Sie soll 2020 erscheinen. Foto: Facebook

So ist es nicht verwunderlich, dass man zum Einsatz von Libra eine neue App braucht, die in Facebook oder WhatsApp integriert wird. Sie heißt Calibra und stellt das Wallet bereit – ein digitales Portemonnaie, in der die Libras aufbewahrt sind. Die App soll in der ersten Jahreshälfte 2020 starten. Facebook verspricht geringe und transparente Gebühren, ohne bisher näher ins Details zu gehen.

Die Politik beäugt Libra skeptisch

Obwohl es die Facebook Coin noch gar nicht gibt, ist Libra jetzt schon ein Politikum. Unter den Finanzministern der sieben größten Volkswirtschaften der Welt (G7), gibt es “schwere Bedenken” gegen Facebooks Krypotwährung. Es dürfe nicht sein, dass eine neue zusätzliche Währung etabliert werde, “die nicht der demokratischen Kontrolle unterliegt”, sagte der deutsche Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Er und seine Amtskollegen aus aller Welt fürchten, dass Libra für Geldwäsche und Terrorfinanzierung missbraucht werden könnte.

Auch die Notenbanken melden noch ihre Zweifel an der Facebook Coin an. “Die Bundesbank ist offen für Innovationen. Was Libra angeht, haben wir zum jetzigen Zeitpunkt allerdings mehr Fragen als Antworten. (…) Wie sicher ist es technologisch? Wie kann man ein solch globales System bewerten und beaufsichtigen?”, sagte Bundesbank-Vorstand Burkard Balz im Interview mit der Börsen-Zeitung. Die Aufsichtsbehörden, betonte Balz, müssten sich das Modell von Libra sehr genau anschauen.

Bedenken beim Datenschutz bleiben

Klar ist jedenfalls schon heute, dass Facebook mit Libra noch mehr sensible Daten über seine Nutzer sammeln wird. Dass das ein Problem sein kann, zeigt der Datenmissbrauch durch Cambridge Analytica, für den Facebook nun eine Strafe in Höhe von 5 Milliarden US-Dollar behalten soll. Laut dem US-Konzern soll Calibra keine Kontoinformationen oder Finanzdaten ohne Zustimmung des Kunden mit Facebook oder anderen Drittparteien teilen – mit “mit wenigen Ausnahmen“, um Gesetze einzuhalten und den Nutzern “grundlegende Funktionen” zur Verfügung zu stellen. Das ist bis jetzt noch sehr vage.

Die Skepsis gegenüber Libra ist gerade wegen des Datenschutzes groß: In den USA haben Verbraucherschützer den Kongress und die Aufsichtsbehörden aufgefordert, das Projekt zu stoppen, bis Facebook wichtige Fragen zum Datenschutz aufklärt. Der Druck dürfte in den kommenden Monaten nicht nachlassen. Mark Zuckerberg braucht nicht nur eine gute Idee, sondern auch eine vertrauenswürdige Umsetzung, damit die Facebook Coin tatsächlich zum Erfolg wird.

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