Was hält die Zukunft für uns bereit? Und was können wir aus unserer Vergangenheit für die Zukunft lernen? Auch im Bereich Geld, Finanzen und Investieren ergeben sich hieraus spannende Erkenntnisse. Claudio Rimmele, Gründer vom innovativen Blog qiio.de erzählt uns, wie wir unsere Zukunft bestimmen können.

Kleingeldhelden: Claudio, in eurem Magazin Qiio betrachtest du gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen damals, gestern, heute, morgen und irgendwann. Wie war denn Claudios Leben damals und gestern, wie ist es heute und wie wird es morgen und irgendwann sein?

Claudio Rimmele: Hahaha! Tatsächlich habe ich mein Leben noch nie unter diesem Gesichtspunkt betrachtet. Ich bin in Italien geboren und mit sechs Jahren, kurz nach der Wende, nach Dresden gezogen. Beziehungsweise meine Eltern sind dahingezogen und ich musste praktisch mit. In Berlin habe ich dann Psychologie studiert und dachte, ich werde irgendwann diesen Beruf ausüben. Es kam allerdings alles anders, als ich anfing zu bloggen. Heute arbeite ich für mehrere Magazine und liebe es, mir kreative Herangehensweisen für gesamtgesellschaftliche Probleme zu überlegen. Ich glaube, dass ich in Zukunft viel mehr in diese Richtung arbeiten werde; mit Qiio sind wir ständig am Puls der Zeit. Ich sehe, wie unser Team bald das angesammelte Wissen für innovative Zukunftsberatung implementiert.

Qiio entsteht zusammen mit der Deutschen Bank. Worum geht es dir bei Qiio genau und wie sieht die Zusammenarbeit mit so einem großen Unternehmen aus?

Qiio funktioniert wie ein Zukunftskompass. Wir zeigen Wege auf und möchten mit unseren Lesern über Lösungen diskutieren. Das ist auch der Beratungsansatz der Deutschen Bank, die ihren Kunden Wissen an die Hand geben will, um sich in der Wirtschafts- und Finanzwelt zu orientieren. Die Zusammenarbeit ist wirklich für beide Seiten fruchtbar, weil wir trotz unterschiedlicher Herangehensweisen an den gleichen Themen arbeiten.

“Das macht mich fast high.”

Qiio ist schon dein zweites großes Projekt. Du hast bereits iHeartBerlin.de gegründet. Was treibt dich an?

Tatsächlich ist für mich jede Kreativ-Challenge wie ein Puzzle, das ich lösen MUSS. Für eine komplexe Frage eine schlaue Lösung zu finden, macht mich fast high. Ich habe früher viel Theater gespielt und Musik gemacht und bei beiden Disziplinen habe ich das Improvisieren am meisten geliebt. Da weiß man nie, was gleich kommt, muss aber mit allen Sinnen bereit sein, eine Lösung zu fühlen. Das kann ich auch gut in die Wirtschaftswelt übertragen. Daher finde ich es Quatsch, dass in unserem Bildungssystem die Kreativ-Fächer gegenüber Mint-Fächern als weniger wichtig angesehen werden. Rechnen können die Maschinen wirklich besser und schneller als wir. Aber wir Menschen sind Improvisationstalente. Diese Fähigkeit muss aber so diszipliniert trainiert werden als wäre es Rhythmische Sportgymnastik.

Was würdest du Kreativen für ihr Studium und ihren Berufsweg raten?

Am wichtigsten war für meine Berufslaufbahn immer das Netzwerk, was ich über Jahre hinweg in Berlin aufgebaut habe. Ich finde das Wort Networking eigentlich schlimm, weil das für eine Mentalität von „was bringt mir dieser Mensch“ steht. Ich bin aber tatsächlich in erster Linie wahnsinnig neugierig und finde Menschen, die interessante Sachen machen, toll. Da ist es mir egal, ob sie mir was bringen oder nicht.

“Ich investiere in mich.”

In den Kompendien beschäftigt ihr euch viel mit Gesellschaft und Wirtschaft. Wie sparst du Geld? Und investierst du auch?

Ich habe einen sehr guten Überblick über meine Finanzen. Das ist das A & O. Ich spare nicht aktiv, mag aber Dinge, die einfach nicht so viel kosten. Meine Möbel sind fast alle vom Flohmarkt, weil ich absonderliche Raritäten mehr mag als exklusives Design. Der ganze Investment-Bereich finde ich sehr spannend. Derzeit investiere ich aber eher mein Geld in mich und mein Wissen. Das bedeutet, dass ich mein Geld gezielt in Fortbildungen, Kulturreisen oder Workshops investiere. Ich finde, die eigenen Fähigkeiten sind ein unterschätztes Kapital.

Die Geldanlage heute ist ja für viele Leute einfacher als früher. Alles geht am Rechner und am Smartphone. Was denkst du, wie die Geldanlage morgen und irgendwann aussehen kann?

Automatisierung spielt im Bereich Finanzen eine immer wichtigere Rolle. Ein Bot, der für mich entscheidet, wann es sich lohnt, eine Aktie zu verkaufen, ist natürlich ein absoluter Traum. Ich weiß aber auch, dass sich Geldanlegen für viele, trotz Smartphone und Laptop, eher lästig anfühlt. Mehr Spielprinzipien wären eine gute Motivation für Finanz-Laien. Außerdem finde ich das Thema Bildung und Finanzen sehr wichtig für morgen und irgendwann. Wir müssen zukünftige Generationen finanzmündig erziehen. Nur so haben sie die Chance auf Teilhabe an gesamtgesellschaftlichen Prozessen.

Früher war es die Tulpenblase, dann die Dotcom-Blase und heute der Bitcoin. Was hältst du von Kryptowährungen?

Ich finde den Gedanken spannend, dass wir in Zukunft mehr Aspekte als Währung begreifen als nur „Geld“. Wir bezahlen ja heute bereits mit Daten oder mit Zeit. Ich glaube, dass in einer globalisierten Welt dezentrale Systeme immer wichtiger werden. Für mich stellt sich gar nicht die Frage, ob Kryptowährungen die Zukunft sind, sondern wie sie unser Leben und unser Verständnis von Finanzen verändern werden.

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