“Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht”, sagte mein Opa immer und meinte damit: Wir Menschen halten uns gerne an das, was uns bekannt ist. Und das sieht man auch am Aktienmarkt. Denn die meisten Menschen setzen oft auf die Aktien aus ihrem Heimatland. Das ist die sogenannte Home Bias. Wir zeigen, warum das so schlecht ist, und wie du dein Depot verbesserst.

Was ist Home Bias?

Dafür sprachen wir mit Dr. Ulrich Stephan, dem Chefanlagestrategen der Deutschen Bank, über das Phänomen. Und seine Antwort dazu lautet: „Ich glaube, die Deutschen lieben es Deutsch. Viele beschäftigen sich sehr mit den Aktien aus ihrem Heimatland. Das ist dann das sogenannte Home Bias.“ Home Bias bezeichnet also das Phänomen, dass Anleger vor allem Aktien aus ihrem Heimatland kaufen und ins Depot legen. Und das hat folgende Gründe:

  • Man meint die Aktien aus dem eigenen Land besonders gut zu kennen
  • Man denkt, dass ausländische Aktien unsicherer sind, weil sie örtlich und gedanklich weiter entfernt scheinen
  • Heimische Unternehmen handeln angeblich seriöser
  • Wenn mal was passiert, kann man schneller handeln, weil die Aktien ja scheinbar gedanklich und örtlich näher liegen

„Wenn man normal arbeitet und sich nicht nur mit Aktien beschäftigt, so hat man das Gefühl, deutsche Unternehmen sind mir näher, die kenne ich besser. Sie stehen immer in der Zeitung und im Fernsehen”, führt Dr. Stephan aus und ergänzt: „Doch das ist oft ein Trugschluss. Man kennt den Namen, aber nicht, was hinter dem Unternehmen steckt.“

Diese Überzeugungen sind also meistens falsch. Aber dennoch kaufen sehr viele Deutsche vor allem deutsche Aktien und den Dax und gewichten andere Länder unter. Denn anhand der weltweiten Marktkapitalisierung dürften Deutsche Anleger nur rund 2 bis 4 Prozent ihrer Aktien aus Deutschland beziehen. Schau doch mal in dein Depot: Ich bin mir sicher, dass dort viel mehr Aktien aus Deutschland stimmen.

Ist Home Bias schlecht?

Das kommt drauf an. Es ist nicht per se schlecht, denn wenn dein heimischer Aktienmarkt gut läuft, so verdienst du gut. Nur gilt das halt im Umkehrschluss auch: Sollte dein Heimatmarkt ordentlich Federn lassen, hängst du richtig mit drin und verlierst Geld.

Deswegen plädieren Finanzexperten dazu, sein Depot ausgewogen zu gestalten. Mit Aktien aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Branchen.

Kleines Beispiel: Der Dax schaffte in den vergangenen 5 Jahren zwischen 2014 und 2019 ganze 29,1 Prozent Gewinn. Dabei sind die Dividenden schon eingerechnet, weil der Dax ein Performance-Index ist. Der große amerikanische Index S&P500 auf der anderen Seite erreiche 51,8 Prozent ohne Dividenden! Wer jetzt zu stark auf deutsche Aktien setzte, verpasste eine ordentliche Rendite.

Wie vermeide ich Home Bias?

Für Dr. Stephan steht fest, dass Anleger diversifizieren sollten: “Man kann ja heute sein Risiko weit streuen auf der ganzen Welt. Die USA, Asien, das gehört auch in ein gutes Depot.“ Dafür würden sich vor allem Fonds und ETFs anbieten. Denn diese Märkte könne man “nicht immer beobachten”, erklärt der Chefanlagestratege der Deutschen Bank.

Ein weiteres Mittel ist, sich einfach auszurechnen, welchen Anteil deutsche Aktien am Portfolio aufweisen. Grundsätzlich machen deutsche Aktien rund zwei bis drei Prozent an den weltweiten Aktien aus. Geht man nicht nach dem Marktwert, sondern nach dem BIP, so kommt Deutschland auf einen Wert von drei bis vier Prozent.

Bedeutet: Das Portfolio sollte höchstens rund vier Prozent deutscher Aktien aufweisen. Wenn man ganz streng ist. Grundsätzlich ist es in Ordnung, ein paar mehr deutsche Aktien im Depot zu haben. Mehr als zehn bis 15 Prozent sollten es dann aber tatsächlich nicht sein. Und so vermeidest du Home Bias:

  • Findest du ein gutes deutsches Unternehmen, so schaue, welche internationalen Konkurrenten es gibt. Gibt es eine bessere ausländische Firma, so investiere in sie
  • Streue weltweit in große ETFs wie den MSCI World oder den MSCI Emerging Markets
  • Frage dich, ob du die Aktie nur kaufen willst, weil sie aus Deutschland kommt oder weil sie dich vollkommen überzeugt.

So kannst du Home Bias vermeiden und dennoch lukrativ anlegen. Wenn du mehr über Börsenthemen von Dr. Ulrich Stephan erfahren willst, dann gelangst du hier zu seinem Podcast.

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