Du hast einen guten Job, aber es dürfte ruhig etwas mehr Geld sein? Dann geht es dir wie rund jedem zweiten Arbeitnehmer in Deutschland. Leider kommen aber nur die wenigsten Arbeitgeber von allein auf die Idee, ihren Angestellten regelmäßig mehr zu bezahlen. Warum auch? Immerhin sind Löhne und Gehälter ein sehr großer Kostenfaktor für ein Unternehmen. Wir zeigen dir, wie du eine faire Gehaltsverhandlung und dadurch mehr Geld bekommst.

Was kann ich von einer Gehaltsverhandlung erwarten?

Wenn du es richtig anstellst, sind laut Statistiken bis zu 11% mehr Geld drin. Neben dem monetären Vorteil machst du außerdem auf dich aufmerksam und stärkst dein Ansehen in der Führungsebene. Nur die wenigsten Arbeitnehmer haben das nötige Selbstbewusstsein, überhaupt nach einer Gehaltsverhandlung zu fragen.

Dabei ist es aber ganz wichtig, deinen Chef aktiv nach dieser Chance zu fragen. Denn wer nicht fragt, der bekommt meistens auch nichts. Experten sagen sogar, dass du jedes Jahr ein Mal auf deinen Chef zugehen sollst. Selbst wenn du nicht jedes Jahr eine Erhöhung bekommst, so baust du positiven Druck auf. Irgendwann gibt es dann die Gehaltsverhandlung inklusive mehr Geld.

Wie bekomme ich eine Gehaltsverhandlung?

In den meisten Unternehmen ist es üblich, nach ca. 1,5 – 2 Jahren Betriebszugehörigkeit, nach Ende der Probezeit oder einer Befristung Gehaltsverhandlungen zu führen. In Firmen, die an einen Tarifvertrag gebunden sind, finden sie ohnehin regelmäßig statt. Daneben gilt: Wer fragt, dem wird geholfen! Sei selbstbewusst und fordere nach angemessener Zeit selbst eine Gehaltsverhandlung!

Gehe einfach zu deinem Vorgesetzten oder Chef und spreche ihn in einem guten Moment darauf an. Achte darauf, dass das Umfeld passt. Ging gerade ein großer Auftrag verloren oder hat der Vorgesetzte sichtlich schlechte Laune, dann warte einen besseren Moment ab. Hast du gerade einen guten Erfolg für dein Unternehmen verbucht, so nutze diese Chance für ein Gespräch.

Wie viel mehr Geld kann ich fordern?

Das hängt davon ab, wie lange du bereits dort tätig bist, von der Branche sowie der Größe des Unternehmens. Wichtig ist, dass deine Gehaltsforderung weder zu niedrig, noch zu hoch ist. Beides kann sehr unseriös wirken und das Gegenteil bewirken.

Konkret geben Unternehmen meisten drei bis fünf Prozent mehr Lohn. Rund zehn Prozent sind oft das Maximum. Aber natürlich gibt es Ausnahmen! Überlege dir also, was du auf jeden Fall haben möchtest und was der Optimalfall für dich wäre. Schlage dann etwa zwei bis drei Prozentpunkte drauf, um dem Chef auch etwas entgegenkommen zu können.

Berufsgruppen, die meistens besonders erfolgreich sind in Sachen Gehaltsverhandlung sind z. B. Akademiker (bis zu 70% mehr nach relativ kurzer Zeit) oder Bankberater (50 – 60%). Mit deutlich weniger Geld müssen sich hingegen Berufe wie Friseur, Kellner und Berufskraftfahrer zufrieden geben.

Welche Tipps und Tricks gibt es bei einer Gehaltsverhandlung?

  • Vorbereitung ist alles! Im Internet gibt es zahlreiche Gehaltsrechner, die dir eine grobe Richtung vorgeben können.
  • Besondere Erfolge aufschreiben: Was hast du in welchem Zeitraum geschafft und welchen Mehrwert hat das Unternehmen dadurch?
  • Sich auf negative Argumente vorbereiten! Auch hierzu bietet das Internet zahlreiche Anregungen. Du solltest auf möglichst jede Reaktion deines Gegenübers möglichst souverän reagieren können.
  • Gib` deinem Chef den Vortritt! Er soll dir sagen, wie er deine Leistung beurteilt.
  • Du kennst deinen Chef gut und weißt genau, wie er tickt? Das ist gut! Wenn du weißt, dass er schlecht zahlt, direkt höher ansetzen! Mit etwas Verhandlungsgeschick trefft ihr euch dann in der Mitte. Dein Chef pokert gerne? Dann lohnt sich vielleicht folgender Kompromiss: Dein Gehalt wird in einer festgelegten Zeit sukzessive erhöht.
  • Die Gehaltsverhandlung war erfolgreich? Herzlichen Glückwunsch! Allerdings kann man sich auf einen Handschlag heutzutage nur noch sehr selten verlassen. Besser ist es daher, die neuen Konditionen direkt schriftlich zu fixieren. Ansonsten hast du keinerlei rechtliche Grundlage!

Und wende psychologische Tricks an! Studien zeigen, dass diese Tricks wirklich bei einer Gehaltsverhandlung funktionieren. Hier liest du, wie du diese Tricks richtig anwendest und Erfolg hast.

Was sind No-Gos bei Gehaltsverhandlungen?

Vielleicht bist du nicht im ersten Anlauf so erfolgreich, wie gewünscht. Wenn der Chef sich während der Gehaltsverhandlung auf keinerlei Kompromisse einlässt, musst du dir unbedingt ein paar Dinge verkneifen, um nicht unangenehm aufzufallen. Trotziges Verhalten oder gar Drohungen sind nicht nur ein absolutes No-Go, sondern mitunter sogar strafrechtlich relevant.

Aber auch wenn du anfängst, andere Gehälter als Argument anzuführen, wirkst du sofort unseriös. Was der Boss auch nicht hören will: Du hast dir gerade für private Zwecke Kredite aufgenommen. Das ist ganz allein dein privates Problem und hat in einer Gehaltsverhandlung keinen Platz! Viele Arbeitnehmer fangen anschließend auch an, die Arbeitsleistung zu “bremsen”. Auch das ist der völlig falsche Weg! Stattdessen solltest du versuchen, dem Chef zu zeigen, welches Potential in dir steckt.

Welche Argumente sollte ich bei einer Gehaltsverhandlung bringen?

Du musst dir deine Arbeitskraft wie eine Dienstleistung vorstellen, die bezahlt wird. Ein unschlagbares Argument sind daher Erfolge, die der Firma einen echten Mehrwert bringen. Hast du vielleicht Arbeitsabläufe verbessert oder mit innovativen Ideen geglänzt? Damit kannst du ganz sicher jeden Chef überzeugen!
Aber auch Weiterbildungen zeigen von Interesse und Eigeninitiative. Vielleicht gehörst du im Unternehmen aber auch ganz einfach schon zum Inventar und deshalb ist mal wieder eine Gehaltsverhandlung nötig? Wichtig ist, dass du möglichst gut vorbereitet bist. Eine gute Möglichkeit ist, sich Notizen zu machen. Diese kannst du auch mit in das Gespräch nehmen.

Ob du zuerst das stärkste oder das schwächste deiner Argumente anführen willst, spielt im Grunde keine große Rolle. Sie müssen in Summe alle zusammen von dir überzeugen.

Wie können Berufseinsteiger verhandeln?

Gerade Berufseinsteiger verdienen am Anfang oft nur sehr wenig. Was nicht heißt, dass du nicht auch einen gewissen Spielraum ausschöpfen kannst. Besteht während der Gehaltsverhandlung wenig Erfolg auf mehr Geld, lohnen sich evtl. folgende Kompromisse:

  • Du bietest an, bestimmte Weiterbildungen zu besuchen, die dich in deinem Arbeitsbereich sicherer werden lassen.
  • Ihr vereinbart, dass dein Gehalt in den nächsten Jahren bis auf ein bestimmtes Niveau angehoben wird.
  • Erkundige dich nach zusätzlichen Leistungen wie Fahrgeld, Tankgutscheine etc. Auch hierbei gibt es viele Möglichkeiten, dir einen Mehrwert zu schaffen.

Lohnt sich eine Gehaltsverhandlung bei Tarifverträgen?

Es kursiert immer noch hartnäckig das Märchen, dass Tarifverträge nicht verhandelbar sind. Dabei ist das völlig falsch! Ein gewisser Spielraum ist definitiv gegeben! Unternehmen mit Tarifverträgen gruppieren ihre Mitarbeiter je nach Qualifikation oder Betriebszugehörigkeit ein. Je höher die Stufe, desto besser das Gehalt. Das heißt: Mit Weiterbildungen kannst du oft schon eine bessere Eingruppierung erreichen. Daneben solltest du dich genau mit den Konditionen beschäftigen. Denn in fast allen Tarifverträgen finden sich Klauseln zu den Sonderzahlungen, die möglich sind. Aber auch hier gilt: Der Arbeitnehmer hat eine Holschuld!

Was tun, wenn eine Gehaltsverhandlung nicht gut lief?

Wir haben es weiter oben schon angerissen: Souveränität heißt das Zauberwort! Bleibe gelassen und warte einfach die nächste Gehaltsverhandlung ab. Wenn dein Chef Kritik geübt hat, versuche dich selbst zu reflektieren. War es vielleicht gerechtfertigt? Wenn deine Arbeitsleistung dann bis zur nächsten Gehaltsverhandlung konstant gut ist, wird das dein Chef auch honorieren!

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