Es ist schwer vorstellbar, wird aber wohl schon bald Realität: Wir werden in wenigen Jahren gar keine Zinsen mehr haben und sie vermutlich auch nie wieder bekommen. Warum? Weil die Zentralbanken keine andere Wahl haben. Aber noch viel wichtiger: Was kann man dagegen tun? Vor allem, da es vermutlich auch noch ein Bargeldverbot geben wird?

Warum gibt es nie wieder Zinsen?

Die einfache Antwort ist: Weil die Zentralbanken gar nicht anders können. Die komplizierte Antwort lautet: Weil die westliche Welt wachstumslahm, gesättigt und überaltert ist. Zinsen werden ja von den Banken an die Kunden bezahlt, damit sie mit dem Geld lukrativ wirtschaften können. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit gab es bis zu zehn Prozent Zinsen. Klar, damals war die Inflation auch höher. Doch wer fleißig sparte, konnte ein ordentliches Vermögen aufbauen. Heute geht das nicht mehr. Der Zins ist bei null. Und er wird weiter sinken.

Die Ursachen sind vielfältig. Aber einfach heruntergebrochen brauchen die Banken seit der Finanzkrise 2008 unser Geld schlicht nicht mehr. Die Zentralbanken drucken so schnell und fleißig Geld und schütten es über den Geschäftsbanken aus, dass sie das Geld der Kunden nicht mehr brauchen. Deswegen gibt es auch keine Zinsen mehr. Außerdem verlangsamen Zinsen das Wirtschaftswachstum. Und da die Bevölkerung in den Industriestaaten kaum oder gar nicht mehr wächst, gibt es ohnehin wenig Wachstum. Also lautet die vermeintliche Lösung, dass das Geld ordentlich zirkulieren muss, damit die Wirtschaft weiter brummt. Wer sein Geld spart, behindert die Wirtschaft. So könnte man es vereinfacht zusammenfassen. Aber dennoch sollte jeder das Recht darauf haben, zu sparen.

Werden die Zinsen unter 0 sinken?

Ja. Denn die Zinsen sinken weltweit seit 1985. Das ist bei der amerikanischen Zentralbank FED einsehbar. Und sie waren nach jeder größeren Abwärtsbewegung niemals wieder höher als davor. Weil Die Zinsen in den USA bei etwa 2,25 Prozent Zinsen sind und in Europa eher bei 0 Prozent, werden sie bald in der westlichen Welt unter null sein. Bedeutet: Wer sein Geld auf dem Konto liegen lässt, der bekommt jedes Quartal Geld von der Bank abgebucht! Angenommen, die Zinsen liegen dann bei minus ein Prozent und es liegen 10.000 Euro auf der Bank. Dann würde die Bank jedes Jahr 100 Euro abbuchen. Das ist Quatsch? Nein, denn die Schweizer Bank UBS macht es bereits so: Die UBS belegt Konten ab 500.000 Euro mit einem negativ Zins. Noch trifft es nur die Wohlhabenderen. Doch schon bald werden alle davon betroffen sein.

Wenn man jetzt denkt: Ha, na dann hebe ich das Geld halt ab und lagere es zuhause!, dann ist das der Grund, warum es in den nächsten Jahren ein Bargelverbot geben wird. Denn die Zentralbanken müssen verhindern, dass die Menschen den Banken das Geld entziehen und trotzdem weiter sparen. Negativzinsen hätten kaum einen Sinn, wenn die Menschen dann einfach in Bargeld umschichten. Dazu muss man wissen: Es existieren nur rund sieben bis zehn Prozent des weltweiten Geldes wirklich in Scheinen und Münzen. Der Rest ist einfach digital. Deswegen können gar nicht alle Menschen ihr Geld von der Bank abheben!

Und das Bargeldverbot wird schrittweise erfolgen. Die EZB löste ja bereits den 500-Euro-Schein auf. Zudem kursieren Ideen, dass es einen E-Euro geben soll. Wer digital mit dem E-Euro bezahlt, der zahlt weniger, als wenn er in bar bezahlt. So soll das Bargeld schleichend entwertet und uns madig gemacht werden. Aber ist das alles so schlimm?

Wie schütze ich mich?

Klar hat das einige Nachteile. Denn die Freiheit des Einzelnen wird beschnitten. Es gilt also abzuwägen: Möchte ich in einer schwachen Wirtschaft frei sein, aber mir womöglich nicht mehr so viel leisten können? Oder will ich etwas unfreier sein, dafür aber einen höheren Lebensstandard haben? Eine schwierige Frage.

Doch jeder kann etwas gegen Nullzinsen tun. Und zwar anlegen! Das predigen Experten schon seit Jahren, doch die wenigsten Menschen tun es. Klar, es ist jedem selbst überlassen. Doch vermutlich wird jeder, der in Zukunft nicht anlegt, Geld verlieren. Das passiert schon heute durch die Inflation. Und in Zukunft wird zu der Inflation dann auch noch der Negativzins kommen. Einfaches Rechenbeispiel: Man erbt 50.000 Euro. Die Inflation beträgt im Schnitt 2 Prozent und die Negativzinsen 1 Prozent. Dann ist nach 10 Jahren nur noch eine Kaufkraft von 37.000 Euro vorhanden. Man braucht also in diesem Beispiel schon einen jährlichen Gewinn von drei Prozent, um nicht ärmer zu werden!

Nur wer sein Geld anlegt und somit vermehrt, wird wirklich reicher werden. Und das geht ganz einfach. Gute Aktien und ETFs lassen sich schnell finden. Auch Kryptowährungen in geringem Ausmaße können zu einer Wertsteigerung beitragen.

Konkrete Schritte gegen Negativzinsen

Gegen die Zinsen an sich können wir nicht viel tun können. Doch jeder kanns etwas gegen den Wertverfall deines Geldes tun:

  • Etwa drei Netto-Monatsgehälter sollten auf dem Girokonto für Notfälle liegen
  • 1/3 des restlichen Geldes sollten in einen ETF auf den MSCI World fließen
  • Ein weiteres Drittel des Geldes sollten in einen guten Dividenden-ETF oder Dividenden-Fonds angelegt sein. Durch die Dividenden gibt es einen Ersatzzins
  • Die restlichen 1/3 verbleiben auf dem Tagesgeldkonto. Je nach Risikoneigung kann man mit dem Geld in weitere Aktien oder ETFs investieren. Auch Kryptowährungen, Immobilien und Co können sich je nach Kenntnis der Märkte eignen. Wer nicht mehr investieren möchte, der spart hier einfach sein Geld. Das restliche angelegte Kapital sollte die Strafzinsen und die Inflation mindestens decken.

Anlegen bleibt also das Maß aller Dinge. In Zukunft wird Vermögen nicht mehr nur von der Bildung und vom Geschäftsgeschick abhängen, sondern, ob man sein Geld anlegt oder nicht. Wer heute damit startet, der muss sich kaum Sorgen machen. Denn der MSCI World schafft langfristig rund sieben Prozent Rendite pro Jahr. Selbst bei einer normalen Inflation und niedrigen Negativzinsen, wird man dadurch reicher werden.

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