Mark Zuckerberg will mit dem beliebtesten Messenger der Welt endlich mehr Geld verdienen: ab 2020 gibt es auf WhatsApp Werbung. Was bedeutet das für dich als Nutzer? Und schießt die Facebook-Aktie bald in neue Höhen?

Erinnerst du dich noch an die gute alte Zeit, als deine Freunde Bilder von der letzten WG-Party noch auf Facebook teilten? Nicht? Schon okay, es ist auch eine ganze Weile her. Mittlerweile ist der Feed mit Werbeanzeigen und Marktplatz-Angeboten nur so überschwemmt. Wer sich persönlich mit anderen Menschen austauschen möchte, der tut das online heute viel eher auf WhatsApp. Bislang ging das ganz ohne Werbung. Doch damit ist es bald vorbei. Ab dem nächsten Jahr wird es auch auf WhatsApp Werbung geben. Das kündigte Facebook auf seiner diesjährigen Marketing-Konferenz in Rotterdam an.

Wie die Whats App Werbung aussehen wird

Virbiert in Zukunft also ständig das Smartphone in deiner Hosentasche, weil dir eine Firma Werbung für ihre neuen Sneaker schickt? Fürs Erste ist das nicht zu befürchten. Denn das Herzstück von WhatsApp, der Chat, bleibt unberührt.

Stattdessen sollen Werbeanzeigen auf die Status-Inhalte beschränkt bleiben. Das sind Fotos und kurze Clips von Leuten aus deiner Kontaktliste, die nach 24 Stunden wieder gelöscht werden. Und zwischen diesen Beiträgen sollen Unternehmen ähnlich wie bei Instagram-Stories künftig Anzeigen schalten dürfen. Dabei verspricht WhatsApp, dass die Nutzer die Werbung auch abschalten können. Ob das wirklich möglich sein wird, bleibt abzuwarten.

Zwischen die Nachrichten deiner Freunde soll sich demnach zum Glück keine Werbung mischen – vorerst. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass WhatsApp die Werbefunktionen in Zukunft ausweitet.

Warum braucht Whats App Werbung?

WhatsApp wurde vor fünf Jahren durch Facebook übernomen. Satte 19 Milliarden US-Dollar ließ sich Mark Zuckerberg das kosten. Und das aus gutem Grund: WhatsApp dominiert den Messenger-Markt. Allein in Deutschland nutzen täglich mehr als 40 Millionen Menschen die App. Und doch verdiente Facebook mit der Gratis-App bislang kein Geld.

Das will Zuckerberg nun ändern. Personalisierte Online-Werbung hat Facebook zu einem der größten Digitalkonzerne der Welt gemacht – und den 35-jährigen US-Amerikaner zu einem reichen Mann. Das soll jetzt auch auf WhatsApp funktionieren.

Für den Messenger ist das ein Paradigmenwechsel. Denn die Erfinder der App, Brian Acton und Jan Koum, stellten sich stets vehement gegen Werbung auf ihrer Plattform. Koum bezeichnete Werbung 2012 in einem Blogbeitrag als “Beleidigung deiner Intelligenz und Unterbrechung deiner Gedankengänge”. Er schied 2018 aus dem Facebook-Konzern aus. Schon ein Jahr zuvor ging Mitgründer Brian Acton. Jetzt haben andere das Sagen bei WhatsApp – und sie möchten den Messenger stärker monetarisieren als zuvor.

Was WhatsApp Werbung für die Facebook-Aktie bedeutet

Eigentlich war 2018 ein katastrophales Jahr für Facebook. Das Image litt unter mehreren Datenskandalen, gleichzeitig verlor das soziale Netzwerk in den USA und in Europa viele Nutzer.

Doch ein Blick auf die nackten Zahlen erzählt eine andere Geschichte: Facebook machte 2018 mehr Umsatz (55 Milliarden US-Dollar) und mehr Gewinn (22 Milliarden US-Dollar) als je zuvor. Das Geschäft läuft für den Gesamtkonzern also blendend.

Das liegt vor allem an den Umsätzen , die das Unternehmen mit Anzeigen auf Facebook und Instagram verdient. Durch WhatsApp Werbung könnte in Zukunft eine weitere große Einnahmequelle entstehen. Klar, für die Werbeindustrie ist der Zugang zu 1,5 Milliarden weltweiten Nutzer verlockend.

Gleichzeitig hat Mark Zuckerberg die Vision, Facebook, Instagram und WhatsApp stärker zusammenzuführen. Datenschützer und Kartellwächter sehen diese Entwicklung sehr kritisch – aus geschäftlicher Sicht ist sie für Facebook aber sinnvoll. Denn mit einem immer größeren Topf von Nutzerdaten wächst die Aussicht auf höhere Werbeerlöse.

Für die Facebook-Aktie ist die Strategie vielversprechend. Nach einem Einbruch zum Jahresende kletterte der Aktienkurs in den letzten sechs Monaten um fast 25 Prozent nach oben. Derzeit steht das Papier bei 177 US-Dollar. Die Analysten der Deutschen Bank haben das Kursziel für Facebook nach den letzten Quartalszahlen im April 2019 von 205 auf 220 US-Dollar angehoben und sprechen eine Kaufempfehlung aus.

Das Fazit: Für Verbraucher mag die WhatsApp Werbung ein Ärgernis sein. Für Facebook und seine Aktionäre verspricht sie allerdings ein lukratives Geschäft zu werden – so lange die Nutzer mitspielen und den Messenger weiterhin nutzen. Weil es an populären Alternativen mangelt, werden viele von ihnen die Werbung wahrscheinlich notgedrungen akzeptieren.

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