9/11, die Lehman-Pleite oder auch der Schwarze Montag – alles das waren Schwarze Schwäne. Sie rissen die Börse in den Abgrund – eröffneten manchem Anleger aber auch die Möglichkeit zu Reichtum. Was ein Schwarzer Schwan genau ist und wie du dich wappnest.

Was ist ein Schwarzer Schwan?

Früher dachten die Menschen auf der ganzen Welt, Schwäne seien immer weiß. Geschichten von schwarzen Schwänen, die Reisende oder Fremde erzählten, wurden für Lügen gehalten. Die Erzähler oftmals bestraft oder verbannt. Doch schwarze Schwäne existieren. Eigentlich sollten sie das nicht, aber sie tun es.

Solche Schwarze Schwäne gibt es auch an der Börse. Hier ist ein Schwarzer Schwan ein unvorhergesehenes und meistens schlimmes Ereignis. Niemand, auch nicht die Profis, hatten dieses Ereignis auf dem Schirm. Eigentlich sollte es einen Schwarzen Schwan von der Wahrscheinlichkeit her nicht geben. Und doch tut es das. Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank erzählt von seinen Erlebnissen und wie sich Anleger gegen enorme Wertverluste schützen können.

Welche Schwarzen Schwäne gab es schon?

Dazu sagt Dr. Ulrich Stephan: „Oh, in meiner Karriere gab es einige Überraschungen. Etwa die Dotcom-Blase. Oder Lehman Brothers war auch eine große Überraschung.“ Damit meint der Chefanlagestratege, die Überbewertung der Internetaktien um das Jahr 2000 herum, welches in der Dotcom-Blase endete. Damals verlor selbst Amazon 96 Prozent an Wert.

„Die kamen dann einfach aus dem Off. Da rechnest du überhaupt nicht mit. Ebenso wie beim 11. September. Damit rechnet man ja morgens beim Aufstehen nicht.“ Und genau das macht einen Schwarzen Schwan an der Börse aus. Kaum jemand ahnt, dass da etwas kommt. Gut, die Dotcom Blase konnte man vielleicht etwas eher vorhersehen, als die Anschläge vom 11. September.

„Es gibt auch ein paar Events, da kann man sich drauf vorbereiten. Wenn man weiß, okay, da steht eine Entscheidung an. Wie Brexit oder die Wahl von Donald Trump. Aber bei Schwarzen Schwänen kann man gar nicht damit rechnen. Und dann reagieren die Börsen auch sehr heftig. Viele verkaufen erst und gucken dann mal: ja, was ist denn überhaupt passiert?“

Dabei ist eine sehr wichtige Frage, wie sich Anleger gegen einen Schwarzer Schwan Moment wehren können.

Was können Anleger gegen einen Schwarzen Schwan tun?

Leider lautet die Antwort, dass man grundsätzlich erstmal nichts dagegen tun kann. Wenn du an der Börse anlegst, wird auch dich dieses Phänomen mal treffen. Doch das ist gar nicht so schlimm. Klar, in dem Moment, in welchem es passiert, ist es ärgerlich. Doch weil alle Menschen hektisch werden und nicht richtig nachdenken, kannst du günstig weitere Aktien einkaufen. Denn die Kurse sinken durch einen Schwarzen Schwan in der Regel. Also kommst du günstig in gute Aktien rein.

Und Dr. Stephan hat noch weitere Tipps: „Diversifikation sollte jeder Anleger anwenden. Es gibt keine Risikoprämie für jemanden, der nicht diversifiziert. Und laut der Statistik verliert man auch keine Rendite, wenn man diversifiziert.“ Damit meint der Chefanlagestratege der Deutschen Bank, du sollst in verschiedenen Ländern und dort in verschiedene Unternehmen und Branchen investieren. Beispielsweise mit ETFs funktioniert das ganz einfach. Wer einen ETF auf den MSCI World, den MSCI Emerging Markets und den Stoxx Europe 600 hat, der verteilt sein Geld schon ziemlich gut auf der Welt. Wie du richtig diversifizierst, erfährst du hier.

Stopp Loss gegen Schwarzen Schwan?

Ein Stopp Loss kann gegen einen starken Kursverfall wirken. Er ist aber nicht risikolos. Dabei ist ein Stopp Loss ein Auftrag, den man bei seiner Bank stellt. Damit sagst du, sollte der Kurs einer Aktie oder eines ETFs unter einen gewissen Wert fallen, dann soll die Bank verkaufen. Aber: “Privatanleger können das machen. Man muss nur beachten, dass die Schwelle, die man nennt, nicht der Verkaufskurs ist, sondern der Auslöser. Gibt man also 10 Euro an, dann versucht die Bank zu verkaufen, nachdem der Kurs unter 10 Euro gefallen ist. Das kann 9,99 Euro sein, das kann aber auch erst 9 Euro sein. Also es kann sich lohnen, ist aber nicht risikolos”, erklärt Dr. Stephan.

Zudem erholen sich die Indizes von einem Schwarzen Schwan in der Regel nach einigen Jahren wieder. Es gibt dabei aber stärkere Einbrüche und weniger erhebliche. Somit können Stopp Losses vernünftig sein, wenn man bereits viel Geld investiert hat.

Mehr zum Phänomen Schwarzer Schwan erfährst du hier.

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