Unsinnig? Oder doch sinnvoll? Aktien Prognosen und Wirtschaftsprognosen gibt es zuhauf. Mitunter unterscheiden sie sich sehr. Was kannst du davon halten und wie liest du Prognosen richtig? Wir verraten es dir.

Was sind Prognosen?

Prognosen sind Vorhersagen für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung. Da reden wir dann oft von Konjunkturprognosen. Also wie wird sich das BIP von Deutschland entwickeln. Oder auch von Europa. Diese Kennzahl ist wichtig, um abschätzen zu können, ob es zu einer Rezession kommt oder nicht.

Dann gibt es auch noch genaue Aktienmarkt-Vorhersage. Zum Beispiel geben Experten hier an, welchen Stand sie für den Dax bis zum Jahresende erwarten. Hier reicht die Range aber oft weit und viele irren sich.

Zudem gibt es auch Prognosen für die Unternehmensgewinne. Diese Gewinne sind ja an der Börse sehr wichtig, weil sie zeigen, ob ein Unternehmen erfolgreich ist oder nicht. In der Regel steigen die Kurse von Unternehmen mit mehr Gewinnen. Machen Konzerne Verlust, sinken die Aktien. Aber wie kann man diese Prognosen nun deuten? Und braucht man sie überhaupt? Ein Experte verrät es uns.

Brauchen Anleger solche Prognosen?

Wir haben mit Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privatkunden der Deutschen Bank, gesprochen. Und er sagt: „Das Problem ist, dass wir Prognosen nur aufstellen können mit den Infos, die wir gerade haben. Wenn die sich natürlich kurz darauf ändern, dann muss eine Prognose korrigiert werden.“

Aktuell seien solche Vorhersagen besonders schwierig, aufgrund der komplizierten politischen Lage. Man weiß ja nie, was Donald Trump nachts wieder so twittert. Und Dr. Stephan geht noch weiter: „Selbst Isaac Newton hat gesagt, er kann die Bewegung von Himmelskörpern berechnen, aber nicht das menschliche Verhalten.“

Sind solche Vorhersagen seiner Meinung nach also hinfällig? Nein, so ist es nicht. Dr. Stephan meint damit, dass Prognosen eine Richtung vorgeben, aber selten eine Punktlandung sind. Doch sie würden Anlegern zeigen, ob es bergauf oder bergab geht. Und wie stark diese Bewegungen sein könnten. Und sollten Anleger nun solche Prognosen nutzen? „Auf gar keinen Fall am genauen Wert kleben. Man sollte sich die Annahmen der Prognosen angucken und dann auch seine eigenen Schlüsse ziehen. Was könnte noch alles interessantes passieren. Nicht von Prognosen abhängig machen, sondern davon, wie viel Risiko man eingehen will.“ Und welche Vorhersagen gibt es nun für das Jahr 2019?

Prognosen 2019

„Wir erwarten für die Eurozone dieses Jahr 0,9 Prozent Wirtschaftswachstum.“ „Bei Deutschland rechnen wir nur mit 0,5 Prozent. Denn die Deutsche Wirtschaft ist sehr abhängig von den Automobilkonzernen und vom Exporthandel”, erklärt Dr. Stephan.

Für den Dax ist er vorsichtig optimistisch. So soll der deutsche Leitindex bis zum Ende des Jahres 2019 bei 12.300 Punkten stehen. Viel Luft nach oben ist da nicht mehr. Grundsätzlich geben viele Banken und Investmenthäuser ihre Prognosen aus. Beim Dax schwanken sie dieses Jahr zwischen 10.000 und 12.500 Punkten. Der Mittelwert liegt bei genau 12.171 Punkten.

Für langfristige Anleger sind solche Vorhersagen erstmal nicht so wichtig. Wenn du jahrelang anlegen willst, dann hast du ohnehin einen langen Zeithorizont. Wenn du aber mal über gezielte Zukäufe oder Verkäufe nachdenkst, kannst du durch solche Prognosen einen ungefähren Zeitrahmen dafür bekommen. Denn sie zeigen oft die Richtung, in die die Märkte gehen können. Allerdings auch nicht immer. Aber wie macht Dr. Stephan so eine Prognose?

Wie erstellt man Prognosen?

Dr. Ulrich Stephan verrät, wie er eine Vorhersage erstellt. “Es kommt immer auf die Annahmen an. Ich habe normalerweise drei Komponenten, um so etwas zu analysieren. Ich habe die Gewinnschätzungen. Und diese kann ich entweder top down nehmen, also aus einer volkswirtschaftlichen Analyse heraus. Oder bottom up, also von den Unternehmen her. Dann komme ich zu einer Gewinnschätzung. Hierauf legen wir jetzt einen Multiplikator. Also eine Zahl, mit der ich die Gewinne multipliziere. Grundsätzlich kann das ein KGV sein. Und nun passen wir das nochmal mit einem politischen Faktor an. Da gibt es nämlich auch Indizes für politische Unsicherheiten. Deswegen kommen dann auch verschiedene Ergebnisse heraus, je nachdem, was wir hineinreichnen und was nicht.”

Wenn du mehr von Dr. Ulrich Stephan hören willst, dann hör dir den Podcast “Perspektiven to Go” an.

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