Netflix ist der Platzhirsch unter den Streaming-Diensten – bis jetzt. Denn mit Disney und Apple drängen mächtige Mitbewerber auf den Markt. Was das für die Performance der Netflix Aktie bedeutet und ob sich ein Investment noch lohnt, lest ihr hier.

Als Reed Hastings und Ted Sarandos 1997 Netflix gegründeten, ahnten sie vermutlich nicht, dass sie eines Tages das Fernsehen revolutionieren würden. Anfangs bot Netflix (eine Wortschöpfung aus den umgangssprachlichen englischen Begriffen “Net” für Internet und “Flicks” für Filme) auf seiner Website Spilefilme zum Ausleihen an. Die DVDs schickte die Firma mit der Post an ihre Kunden. Bis zum Börsengang 2002 machte das Unternehmen Verluste.

Den Schlüssel zum großen Erfolg fanden Hastings und Sarandos erst 2007. In diesem Jahr stieg Netflix ins Video-on-Demand-Geschäft ein. Der Rest ist Geschichte. Der Siegeszug des Streamings begann. Serien wie “House of Cards”, “Daredevil” oder “Stranger Things” wurden zu Riesenhits. Und das pausenlose Seriengucken (“Bingen”) ein kulturelles Phänomen auf der ganzen Welt. So viel ist sicher: Dank Netflix ist der Film- und Seriengenuss heute digitaler, mobiler und individueller als je zuvor. Und das ist ein Riesengeschäft.

Das Geschäftsmodell von Netflix

Gegen ein monatliches Abonnement verkauft Netflix den Zugang zu einer riesigen Bibliothek an Serien und Filmen an seine Nutzer. Sie können schauen, so viel sie möchten, wann sie möchten und auf welchem Gerät sie möchten. Besonders beliebt ist Netflix auch deshalb, weil sich mehrere Freunde ein Abo teilen können.

Das Modell ist ein Erfolg. Mehr als 150 Millionen Kunden welweit hat Netflix schon gewonnen – mehr als jeder andere reine Streaming-Dienst. Im vergangenen Jahr stand ein Rekordumsatz von fast 16 Milliarden US-Dollar zu Buche. Der Gewinn betrug 1,2 Milliarden Dollar. Mit einem Börsenwert von 150 Milliarden US-Dollar gehört die kalifornische Firma zu den wertvollsten Tech-Unternehmen der Welt. Klingt alles super. Doch tatsächlich muss Netflix um seine starke Stellung bangen. Denn die Konkurrenz auf dem Streaming-Markt wird immer größer.

Der Streaming-Markt ist umkämpft

Der Marktführer Netflix gerät durch die neuen Mitbewerber unter Druck.. Im November startet Disney in den USA seinen eigenen Dienst “Disney+”. Der US-Mediengigant wird Nutzer mit den größten Filmfranchises aller Zeiten auf seine Plattform locken, darunter “Star Wars” und die “Avengers”.

Doch damit nicht genug. Apple wird im Herbst “Apple TV+” auf den Markt bringen, einen Streaming-Kanal für eigens produzierte Filmen und Serien. Regisseur-Legende Steven Spielberg (“Jurassic Park”), J.J. Abrams (“Star Wars: The Force Awakens”) und Talkerin Oprah Winfrey arbeiten schon an Stoff für Apple. Und dann wäre da noch “Prime Video”, die Online-Videothek des weltweit größten E-Commerce-Konzerns Amazon. Dort können Kunden nicht nur wie bei Netflix Filme und Serien streamen, sondern auch Fußballspiele live sehen.

Die neuen Mitbewerber haben viel Geld in der Portokasse. Und sie sind entschlossen, dem bisherigen Platzhirschen seine Marktanteile stretig machen. Es wird also richtig ungemütlich für Netflix. Das hat auch Reed Hastings erkannt. “Der Wettbewerb ist hart, und es ist aufgrund der Konkurrenz deutlich teurer geworden, die besten Leute der Branche zu verpflichten”, sagte der 58-jährige Netflix-Chef der “Süddeutschen Zeitung” in einem Interview im April 2019. Hastings zeigt sich öffentlich trotz der neuen Konkurrenz zuversichtlich. Er glaubt, dass der Streaming-Markt groß genug für alle Anbieter ist. In einem Brief an die Netflix-Aktionäre schrieb er: “Wir glauben, dass wir alle weiterwachsen werden, da wir mehr in Inhalte investieren und unsere Services verbessern.”

Gibt es bald Werbung auf Netflix?

Langfristig wird Netflix seine starke Marktposition nur dann halten können, wenn es potenziellen Abonnenten exklusive Inhalte mit hoher Qualität bietet. Das kostet Geld. Um die hohen Investitionen zu stemmen, hat Netflix kürzlich die Preise erhöht. Das monatliche Standard-Abo auf zwei Geräten kostet jetzt 11,99 Euro im Monat (vorher 10,99). Der Preis für das Premium-Abo auf vier Geräten wurde um zwei Euro im Monat auf 15,99 Euro erhöht.

Gleichzeitig wird darüber spekuliert, dass Netflix bald erstmals Werbung einführen könnte. Obwohl Netflix beteuert, dass es niemals traditionelle Anzeigen zulassen wird, gehen manche Branchenkenner laut CNBC davon aus, dass das Unternehmen in Zukunft keine andere Wahl haben wird. Es brauche im harten Wettbewerb mit Disney & Co. zusätzliche Einnahmen.

Viele Nutzer dürfte das jedoch abschrecken. Schließlich bezahlen sie für ihr Abonnement und wollen ihre Lieblingsserien eigentlich ungestört genießen. Ein möglicher Ausweg für Netflix wäre es, den Kunden eine Wahl zu lassen: Die teureren Premium-Abos könnten werbefrei bleiben, während es in der Basisversion Anzeigen gibt. Ob es dazu kommt, ist aber völlig offen.

Lohnt sich die Netflix Aktie?

Derzeit steht der Kurs der Netflix Aktie bei 350 US-Dollar. In den letzten zwölf Monaten stagnierte das Papier nach einem jahrelangen Boom. Finanzexperten zeigen sich jedoch optimistisch, dass es bald weiter nach oben geht. Sie trauen es Netflix zu, sich erfolgreich gegen Disney und Apple zu behaupten.

Laut Marketwatch liegt das durchschnittliche Kursziel von 30 US-Analysten für die Netflix Aktie bei etwa 410 US-Dollar. Die große Mehrheit spricht eine Kaufempfehlung für Anleger aus. Imperial Capital stuft die Netflix Aktie als “Outperformer”. Das heißt, dass sich das Papier nach Meinung der Analysten besser als der Gesamtmarkt entwickelt. In dem Fall handelt es sich um den Index der 500 größten US-Unternehmen (S&P 500).

Mit einem KGV von 99,92 (2019) ist die Netflix Aktie nicht günstig. Das macht sie aber nicht automatisch überbewertet. Schließlich steigen die Gewinne des Tech-Unternehmens von Jahr zu Jahr. Eine Dividende hat Netflix seinen Aktionären bisher nicht ausbezahlt. Das Geld wird in neue Produktionen gesteckt. Und die braucht Netflix ganz sicher, damit es im Krieg um die Bildschirme bestehen kann.

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