Twitter begeisterte Anleger kürzlich mit wachsenden Umsatz- und Gewinnzahlen. Gründer Jack Dorsey hat bewiesen, dass er mit seinem Online-Kurznachrichtendienst Geld verdienen kann. Wie hoch hinaus geht es für die Twitter Aktie noch?

Der erste Tweet von Jack Dorsey klang nicht gerade wie der Beginn einer großen Erfolgsgeschichte. „just setting up my twttr” tippte der US-Amerikaner am 21. März 2006 auf Twitter ein. Heute, 13 Jahre später, ist sein Kurznachrichtendienst eines der wichtigsten sozialen Netzwerke der Welt – und sogar ein profitables Unternehmen. Zuletzt hat Twitter seinen Gewinn auf 191 Millionen US-Dollar verdreifacht.

Dabei sah es für Twitter lange Zeit gar nicht so rosig aus: Nach der Gründung 2006 schrieb das Start-Up aus San Francisco Jahr für Jahr rote Zahlen. Trotzdem ging die Twitter Aktie 2013 an die Börse. Erst 2017 schaffte Gründer & CEO Jack Dorsey den Turnaround: Im vierten Quartal stand der erste Gewinn der Firmengeschichte zu Buche.

Warum Musk und Trump für Twitter so wichtig sind

Seinen Erfolg dürfte Dorsey vor allem zweien seiner 330 Millionen Nutzer zu verdanken haben. Zum einen Elon Musk. Der Tesla-Gründer ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der US-Techszene. Musk nutzt Twitter als konstanten Bewusstseinsstrom für kühne Gedanken, Erfindungen und Wutausbrüche. Seine 26 Millionen Follower freut‘s. Die US-Börsenaufsicht SEC eher nicht. Nachdem Musk in einem Tweet im vergangenen Jahr andeutete, Tesla von der Börse nehmen zu wollen, verklagte ihn die SEC wegen Marktmanipulation. Schließlich einigten sich beide Seiten auf einen Kompromiss: Musk darf über Twitter keine Informationen mehr verbreiten, die Teslas Aktienkurs beeinflussen könnten. Der exzentrische Unternehmer twittert heute also unter Auflagen.

Zum anderen wäre da Donald Trump. Der Online-Kurznachrichtendienst ist der präferierte Kommunikationskanal des US-Präsidenten. Hier attackiert er die “Fake News”-Medien, seine demokratischen Kontrahenten (“Sleepy Joe”) und ausländische Staatschefs wie den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un (“Little Rocket Man”). Trump polarisiert mit seinen Tweets wie kein anderer Politiker. Doch das verschafft ihm eine Menge Aufmerksamkeit. Mehr als 60 Millionen Nutzer folgen seinem Account mittlerweile. Manche Beobachter glauben sogar, dass es Trump ohne Twitter nie ins Weiße Haus geschafft hätte. Kein Wunder, dass der US-Präsident Jack Dorsey kürzlich ins Weiße Haus einlud, um mit ihm über die Diskussionskultur auf seinem Lieblingsmedium zu sprechen. “Ein großartiges Meeting”, twitterte Trump später.

Twitter on his mind: 60 Millionen Nutzer folgen US-Präsident Donald Trump

Was geht bei der Twitter Aktie?

Die Rechnung ist einfach: Persönlichkeiten wie Musk und Trump ziehen Nutzer auf die Plattform. Und Twitter gelingt es immer besser, mit dieser Nutzerbasis auch Geld zu verdienen. Fast 700 Millionen US-Dollar und damit den größten Teil des Umsatzes hat Twitter im vergangenen Jahr mit Anzeigen umgesetzt. Der Werbemarkt soll weiter wachsen. Außerdem will Dorsey den Kurznachrichtendienst in Zukunft stärker auf Live-Events, zum Beispiel Sportereignisse, ausrichten. “Wir glauben, dass es genauso einfach sein muss, einem Event oder einem Thema zu folgen, wie man jetzt einer Person folgen kann”, sagt er.

Für den Börsenkurs des Unternehmens verheißt die geschäftliche Entwicklung Gutes. Derzeit steht der Kurs der Twitter Aktie bei 34 US-Dollar. Das Investmenthaus Oppenheimer hat das Kursziel kürzlich auf 44 US-Dollar angehoben. Die Analysten erwarten, dass sich der Kurs damit sogar besser als der Gesamtmarkt entwickelt. Die Twitter Aktie gehört zum US-Börsenindex S&P 500, der die 500 größten US-amerikanischen Unternehmen umfasst. Mit einem KGV von 38 ist die Twitter Aktie nicht günstig, aber für ein Tech-Unternehmen ist der Wert noch okay. Eine Dividende zahlt Jack Dorsey bislang nicht. Aber auch das kann noch kommen. Eine Gefahr für die Aktie wären sicherlich ein sich abschwächender Werbemarkt und wenn Trump nicht mehr Präsident ist. Das dürfte den Hype tatsächlich etwas senken, auch wenn The Donald auch nach einer Präsidentschaft sicherlich noch fleißig in die Tasten hauen dürfte. Dennoch ist es ein Faktor.

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