Gerade für Studenten ist er bei der Steuererklärung unverzichtbar: der Verlustvortrag. Warum sich der Verlustvortrag für dich lohnt und wie du ihn nutzt, um deine Studienkosten zurückzuholen, erfährst du hier.

Was ist der Verlustvortrag?

Beim Verlustvortrag geht es um das deutsche Steuerrecht. Wie wir wissen, ist das eine komplizierte Sache. Um das Thema etwas anschaulicher zu erklären, möchten wir dir einen fiktionalen Charakter namens Michael vorstellen.

Michael ist 25 Jahre alt, wohnt in Hamburg und studiert im Masterstudium BWL. Er bekommt ein Taschengeld von seinen Eltern und jobbt nebenbei für 400 Euro im Monat als Kellner in einer Bar. Das reicht gerade so, um die WG-Miete zu bezahlen und die Kosten für die Lebenshaltung zu decken. Übers ganze Jahr gesehen liegen Michaels Ausgaben jedoch deutlich über seinen Einnahmen. Michael ist beileibe kein Einzelfall. In einer ähnlichen  finanziellen Situation wie er befinden sich Hunderttausende Studenten in Deutschland.

Steuerrechtlich gesehen haben Studenten wie Michael ein Problem: Sie verdienen meistens weniger als den Steuerfreibetrag von 9168 Euro im Jahr. Sie müssen daher noch überhaupt keine Einkommenssteuer bezahlen, von der der Staat sie entlasten könnte. Das heißt aber nicht, dass Michael auf seinen hohen Studienkosten sitzen bleibt.  Wenn er sich clever anstellt, winkt ihm mit Hilfe des Verlustvortrags irgendwann eine Steuererstattung in Höhe von mehreren Tausend Euro. Im Prinzip ist der Verlustvortrag also nichts anderes als eine Steuergutschrift durch das Finanzamt. Wir zeigen dir in sieben Schritten, wie auch du sie bekommst.

1. Kann ich den Verlustvortrag als Student nutzen?

Absolut. Nicht nur für Unternehmen und Selbstständige, sondern gerade für Studenten ist der Verlustvortrag eine sinnvolle Option, um die Steuerlast zu senken.  Wir empfehlen daher grundsätzlich jedem Studierenden, freiwillig eine Steuererklärung abzugeben.

Allerdings hat bislang nicht jeder Student einen Anspruch auf den Verlustvortrag. Das deutsche Steuerrecht unterscheidet zwischen Studenten im Erst- und Zweitstudium. So dürfen Bachelor-Studenten ihre Studienkosten nur als Sonderausgaben (bis zu 6000 Euro) in der Steuererklärung angeben und diese nicht in die Zukunft verschieben.

Wer dagegen ein Master-Studium oder ein duales Studium durchläuft, kommt für den Verlustvortrag in Frage. Für dein Zweitstudium kannst du  sogenannte Werbungskosten steuerlich geltend machen und den Steuerbonus mit Hilfe des Verlustvortrags auf Folgejahre übertragen.

Diese unterschiedliche – Kritiker sagen ungerechte – steuerrechtliche Behandlung von Studenten steht jedoch vor dem Bundesverfassungsgericht auf dem Prüfstand. Die Entscheidung in Karlsruhe steht noch aus. Womöglich werden die Richter die bestehende Regelung kippen. Damit hätten künftig auch Bachelor-Studenten ein Recht auf den Verlustvortrag.

2. Wo finde ich den Verlustvortrag in der Steuererklärung?

Als ersten Schritt empfehlen wir zum Ausfüllen der Steuererklärung ELSTER, den digitalen Service der Steuerverwaltungen in Deutschland. Dort findest du die vorgefertigten Formulare für die Steuererklärung. Du kannst sie dann ganz ohne Papierchaos online einreichen.

Vorab noch ein wichtiger Hinweis zur Abgabefrist: Wenn du deine Steuererklärung für das Jahr 2018 selbst machst, musst du sie bis zum 31. Juli 2019 abgeben. Kümmert sich ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein darum, läuft die Frist bis zum 28. Februar 2020 weiter.

Für den Verlustvortrag in der Steuererklärung entscheidend sind nun der Hauptvordruck (HV) sowie die Anlage N. Um einen Verlustvortrag beim Finanzamt anzumelden, musst du im HV unter “Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags” ein Kreuz setzen.

Weiter geht es mit Anlage N. Du findest sie unter der Überschrift “Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit”. Wichtig ist hier der Unterpunkt “Werbungskosten”. Hier teilst du dem Finanzamt die Ausgaben für dein Studium mit.

3. Welche Kosten kann ich durch den Verlustvortrag absetzen?

Als Student profitierst du von der sogenannten Arbeitnehmer-Pauschale: Das heißt, dass dir das Finanzamt ganz automatisch jährlich 1000 Euro als Werbungskosten anerkennt. In diesem Rahmen, aber auch darüber hinaus sind eine ganze Reihe von Studienausgaben steuerlich absetzbar.

    • Semesterbeiträge

Um sich für ein neues Semester einzuschreiben und ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr zu bekommen, zahlen Studenten in Deutschland zwei Mal im Jahr eine Gebühr an die Universität. Sie kann in manchen Städten mehr als 200 Euro kosten. Diese Semesterbeiträge solltest du in der Steuererklärung unbedingt angeben.

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    • Arbeitsmittel

Alle Hilfsmittel, die du speziell für dein Studium besorgst, sind steuerlich absetzbar. Das kann das Tablet sein, auf dem du dir während der Vorlesung Notizen machst. Der Schreibtisch, auf dem du deine Hausarbeiten schreibst. Oder das Regal im WG-Zimmer, in dem du die vielen Fachbücher verstaust. Neben den Anschaffungskosten kannst du auch Reparatur und Wartung von Arbeitsmaterialien in der Steuererklärung geltend machen.

Wenn das Arbeitsmittel nachweislich nicht mehr als 952 Euro gekostet hat, kannst du den Kauf in der Steuererklärung in voller Höhe absetzen. Viele Finanzämter gestatten dir ohne Belege einen jährlichen Pauschbetrag von 110 Euro für Arbeitsmittel. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es allerdings nicht.

    • Abschlussarbeiten und Bewerbungen

Abschlussarbeiten kosten Zeit – und Geld. Die Ausgaben für das Drucken und Binden deiner Masterarbeit etwa werden dir vollumfänglich vom Fiskus zurückerstattet.

Auch Kosten bei der Jobsuche werden steuerlich berücksichtigt: Für den Kauf von Mappen gibt es pro Bewerbung 8,50 Euro vom Finanzamt. Dabei spielt es keine Rolle, ob du den Job bekommen hast oder nicht.

    • Praktikum

Wenn du für ein Berufspraktikum in eine andere Stadt umziehst, ersttatet dir der Staat eine Verpflegungspauschale von 48 Euro pro Tag.

    • Auslandssemester

Für einen Studienaufenthalt oder ein Praktikum im Ausland gibt es Geld vom Finanzamt zurück: Darunter fallen Unterkunftskosten bis zu 1000 Euro pro Monat, Reisekosten für die Anfahrt sowie Ausgaben für Sprachtests. Auch hier gilt eine tägliche Verpflegungspauschale von 48 Euro. Sie ist allerdings auf drei Monate begrenzt.

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    • Fahrtkosten

Für die Fahrten zwischen Uni und Wohnung können Studenten die Pendlerpauschale in Anspruch nehmen. Sie beträgt 30 Cent pro Kilometer – ganz egal, ob du mit dem eigenen Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bist.

    • Telefon- und Internetkosten

Ein Studium ohne Smartphone ist heute nur noch schwer vorstellbar. Gruppenarbeiten werden digital organisiert, Umfragen für die Abschlussarbeit online durchgeführt. Das Finanzamt erkennt deshalb Ausgaben für die Telefon- und Internetnutzung von bis zu 20 Euro monatlich ohne Belege als Werbungskosten an.

    • Kontoführungsgebühren

Wenn du ein Girokonto bei einer Bank hat, solltest du dies in der Steuererklärung nicht vergessen. Dafür stehen dir pauschal ohne Beleg 16 Euro pro Jahr zu.

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    • Umzug

Wenn du für dein Studium umgezogen bist, zahlt sich das für dich steuerlich aus. Das Finanzamt schreibt dir eine einmalige  Pauschale von 764 Euro gut. Allerdings nur dann, wenn dein Wohnort dadurch näher an der Universität liegt als zuvor.

4. Welche Belege brauche ich für den Verlustvortrag?

Obwohl das Finanzamt viele Ausgaben pauschal anerkennt,  solltest du Belege für deine Studienkosten auf jeden Fall sammeln und bereithalten. Im Zweifel bist du als Steuerpflichtiger in der Nachweispflicht. Sie helfen dir beim Ausfüllen der Steuererklärung. Außerdem kann es zu Rückfragen durch das Finanzamt kommen – gerade dann, wenn du den Pauschbetrag übersteigst.

Insbesondere solltest du folgende Dokumente aufbewahren:

  • Studium: die Immatrikulationsbescheinigung der Universität
  • Fahrtkosten: die Meldebescheinigung deines Wohnorts
  • Studiengebühren: Kontoauszüge
  • Arbeitsmaterialen: Quittungen oder Kontoauszüge für den Kauf von elektronischen Geräten oder Möbeln
  • Praktikum: Bescheinigung des Arbeitgebers und Mietvertrag
  • Auslandssemester: Reisekostenbelege (Tickets, Tankquittungen) und Mietvertrag
  • Sprachtests: Rechnungen für TOEFL oder IELTS

5. Was, wenn das Finanzamt den Verlustvortrag ablehnt?

Es ist mögllich, dass das Finanzamt deinen Verlustvortrag nicht anerkennt, weil du dich noch im Erststudium befindest. Doch wie bereits unter Punkt 1 beschrieben, ist der steuerrechtliche Rahmen des Verlustvortrags in der Schwebe.

Falls du ein Bachelor-Studium absolvierst, raten wir dir dringend, den Steuerbescheid anzufechten. Dazu musst du einen Brief an das zuständige Finanzamt schicken. Verweise darin auf das ausstehende Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht und lege Einspruch gegen den Steuerbescheid ein. Der Einspruch muss spätestens 30 Tage nach der Zustellung des Steuerbescheids beim Finanzamt eintreffen.

6. Wie lange gilt der Verlustvortrag?

Der Verlustvortrag gilt rückwirkend für bis zu sieben Jahre. Das heißt: Wenn du in diesem Jahr deinen ersten Job antrittst und erstmals Steuern zahlst, kannst du deine Studienkosten bis ins Jahr 2012 zurück geltend machen.

7. Wie viel Geld bringt mir der Verlustvortrag?

Kommen wir noch einmal auf Michael aus Hamburg zurück. Sein BWL-Studium schließt er nach zweieinhalb Jahren erfolgreich ab und tritt kurze Zeit später seinen ersten festen Job in einer Agentur an. Statt 400 Euro verdient er fortan 2000 Euro im Monat. Damit liegt er über dem Steuerfreibetrag. Er muss nun Einkommenssteuer bezahlen. Zum Glück hat Michael unsere Anleitung befolgt und den Verlustvortrag in der Steuererklärung angemeldet.

Nach dem ersten Berufsjahr werden ihm nicht nur seine Studienkosten von der Steuer abgezogen. Er bekommt sehr wahrscheinlich sogar Geld vom Staat zurück. Jeder Student erhält durch den Verlustvortrag durchschnittlich rund 3.000 Euro zurück. Eine schöne Summe für künftige Urlaube, den ersten Autokauf oder den Einstieg in die Geldanlage.

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