Vor einem Jahr waren wir uns sicher: die Zinswende kommt. Von wegen! Die EZB hält den Leitzins weiterhin bei null Prozent. Sparer und Anleger müssen sich darauf einstellen, dass das so bleibt. Warum kommt keine Zinswende 2019?

Im März 2018 schrieben wir in einem Blogbeitrag über die Zinswende: „Noch hält die EZB an ihrer Nullzinspolitik fest. Doch das Finanzsystem kann nicht ewig mit diesen niedrigen Zinsen leben. Mario Draghi weiß das. Und deshalb wird die Zinswende 2018 kommen. In einem ersten Schritt könnte die EZB ihre Staatsanleihenankäufe im Herbst 2018 beenden und den Leitzins daraufhin moderat anheben.“ Ein Jahr ist seitdem vergangen. Zumindest in einem Punkt haben wir recht behalten: die Europäische Zentralbank hat die Anleihenkäufe beendet. Doch der Leitzins in der Eurozone bleibt weiter bei null Prozent. Und das wird wohl für eine Weile noch so bleiben. 

Eine Zinswende 2019 ist unwahrscheinlich

Der Hauptgrund dafür ist die Wirtschaftsflaute. Mit einem Wachstum von 0,02 Prozent im vierten Quartal 2018 ist Deutschland nur knapp einer waschechten Rezession entgangen. Im gesamten Euro-Raum sieht es mit einem Plus von nur 0,2 Prozent kaum besser aus. Der Konjunkturhimmel trübt sich nach einem jahrelangen Aufschwung deutlich ein. Das liegt auch an unberechenbaren politischen Entwicklungen, die die Weltwirtschaft schwer belasten können. Voraussichtlich am 29. März 2019 wird Großbritannien unter noch ungeklärten Bedingungen aus der EU ausscheiden. Zudem könnte sich der Handelskrieg zwischen den USA und China negativ auf den Welthandel auswirken.

In dieser Lage ist eine Leitzinserhöhung nur schwer vorstellbar. Die Zinswende 2019 ist endgültig abgesagt. Schließlich will die EZB mit den niedrigen Zinsen die Wirtschaft in Europa ankurbeln. In diesem Sinne ist EZB-Präsident Mario Draghi ein Gefangener seiner eigenen Entscheidungen. In Folge der Euro-Krise setzte er auf billiges Zentralbankgeld, um wirtschaftlich schwächelnden Ländern wie Griechenland, Spanien oder Italien auf die Beine zu helfen. Er beendete die Nullzinspolitik aber selbst dann nicht, als sich die Wirtschaft im Euro-Raum wieder erholte. Deshalb fehlt ihm jetzt das wichtige Instrument der Zinssenkung – es geht schlicht nicht weiter runter.

Sparer müssen geduldig bleiben

Für Sparer bedeutet das Ausbleiben der Zinswende, dass ihre Sparbücher und Festgeldkonten weiterhin kaum Rendite abwerfen. Wer sein Geld auf dem Konto belässt, muss also mit einer schleichenden Entwertung rechnen, obgleich die Inflationsrate in den vergangenen Monaten deutlich gesunken ist. Für die Geldanlage im Nullzinsumfeld bleiben Aktien auf mittelfristige Sicht die attraktivste Option.

Und wie lange dauert es nun wirklich bis zur lange erwarteten Zinswende? Nun, die Amtszeit von Mario Draghi als EZB-Präsident endet im Oktober 2019. Wahrscheinlich wird erst sein Nachfolger eine Rückkehr zur geldpolitischen Normalität einleiten.

Foto: European Central Bank / Flickr / CC BY-NC-ND 2.0

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