Du hörst Riester-Rente und denkst dabei eher an deinen Vater als an dich? Dann ist dieser Artikel sicher genau das Richtige für dich. Wie du Riester-Rente abschließt und ob sie sich für dich lohnt – Wir beantworten dir die wichtigsten Fragen.

Vor einigen Wochen habe ich mich endlich zu meiner privaten Altersvorsorge beraten lassen. Da ich seit einiger Zeit nicht mehr in einem Angestellten-Verhältnis bin und noch dazu Nachwuchs erwarte, stand das Thema natürlich ganz oben auf meiner To-Do-Liste. Schließlich gibt es da doch einiges, was man so als Frau ausgleichen muss. Nicht nur der Verdienstausfall, sondern auch die Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse geht mit so einer Schwangerschaft erstmal flöten. Dann der Mutterschutz und die Elternzeit und dann das Abwägen, wie viel kann und will ich arbeiten. Noch dazu kommt, dass Mütter auch nach der Schwangerschaft noch 61% weniger Gehalt beziehen als Väter. Vielleicht kennt ihr den Artikel von Edition F schon dazu? Nun aus eben diesen Gründen zogen mein Mann und ich los zu unserem Berater. Und soll ich euch was sagen: Ich riestere jetzt. Aber Achtung: Das heißt noch lange nicht, dass es sich für dich auch lohnt!

Was ist Riester-Rente?

Die Riester-Rente ist eine privat finanzierte Rente in Deutschland, welche durch staatliche Zulagen und Sonderausgabenabzug gefördert wird. Das bedeutet für dich, wenn du Riester-Rente beziehen möchtest im Alter, dann zahlst du, wenn du noch jung bist, einen Anteil jährlich in die Riester-Rente ein. Du bekommst aber dafür auch noch hier und da etwas oben drauf. Somit bekommst du später mehr ausgezahlt, als du selbst reingesteckt hast.

Seit 2002 gibt es die Riester-Rente in Deutschland. Sie wurde im Rahmen einer Reform der gesetzlichen Rentenversicherung eingeführt. Das Ziel hinter dieser Reform der Rente war es, dass die Rentenversicherung auch noch für jüngere Generationen bezahlbar bleibt. Dazu wurde das Rentenniveau abgesenkt. Versorgungslücken und zusätzliche Leistungen für mehr Rente müssen also durch eine private oder betriebliche (von deinem Arbeitgeber bezuschusste) Altersvorsorge ausgeglichen werden.

Der Staat unterstützt dich dabei, wenn du vorsorglich selbst sparen willst über die Riester-Rente mit zwei verschiedenen Methoden. Einmal mit Zulagen und zum zweiten mit Steuervorteilen.

 

So funktioniert die Riester Rente

Am besten ist es, sich im individuellen Fall immer zur Riester-Rente beraten zu lassen. Wir stellen dir hier nun aber alle Optionen vor, die diese Form der privaten Altersvorsorge dir bietet.

Das Tolle an der Riester-Rente ist, dass es drei verschiedene Formen von sogenannten Zulagen gibt. Diese musst du jährlich bei deiner Zulagenstelle für Altersvorsorge beantragen, oder du gibst deinem Anbieter bzw. Berater die Vollmacht dazu, dass er für dich einen Daueranlagenantrag ausfüllt. Dann hast du selbst weniger zu tun.

Das Negative ist: Du erhälst die Zulagen nicht in voller Höhe, wenn du nicht 4 % seines Bruttojahreseinkommens in die Riester-Rente packst! Gerade deshalb ist es wichtig, seine Verträge zu kennen und auch regelmäßig nach Aktualität und der jeweiligen Lebenslage zu beurteilen. Zudem gibt es verschiedene Formen der Riester-Rente und dann noch unterschiedliche Verträge. Das macht das ganze Konstrukt eher undurchsichtig.

 

Die drei Arten von Zulagen:

Grundzulage: Jeder bekommt grundsätzlich 175 Euro on Top.

Berufseinsteigerbonus: Du bist noch keine 25 Jahre und hast deine Ausbildung beendet? Glückwunsch, dann bekommst du einmalig 200 Euro.

Kinderzulage: Hier gibt es für Eltern eine jährliche Zulage – je nach Geburtsjahr des Kindes.  Für Kindern, die bis Ende 2007 geboren wurden, gibt es 185 Euro und für Kinder die ab 2008 geboren wurden, gibt es 300 Euro Zulage.

 

 

Wie hoch muss der Beitrag in die Riester-Rente sein?

Mindestens musst du 60 Euro im Jahr einzahlen. Die Höhe der Förderung durch die Riester-Rente setzt sich dann daraus zusammen, wie viel du eingezahlt hast, wie hoch dein Vorjahresbruttoeinkommen war und welche Zulagen du so erhältst. Was sich für dich lohnt, kannst du auch vor deinem Beratungstermin mal mit dem Riester-Rechner kalkulieren.

 

Wer kann riestern?

Wenn du dir Zulagen so ansiehst, wird es dir vielleicht schon aufgefallen sein: Die Riester-Rente eignet sich grundsätzlich für jeden. So ist es ja auch gedacht. Aber lohnt sie sich auch für jeden? Dazu liest du am Ende dieses Artikels noch mehr. Von der Riester-Rente ausgeschlossen sind die Menschen, die keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Insbesondere Geringverdiener können mit dieser privaten Rentenvorsorge ein gutes Polster aufbauen. Vor allem Familien mit Kindern profitieren von der Riester-Rente und sollten darauf achten, dass sie jedes Jahr die Zulage kassieren. Auch für Alleinerziehende ist es ideal zu riestern. Für Gutverdiener gibt es noch Steuervorteile – eine weitere Förderung des Staates.

Förderberechtigt für die Riester-Rente sind:

  • Studenten mit Minijob, Auszubildende, Bundesfreiwilligendienstleistende
  • Arbeitnehmer
  • Pflichtversicherte Selbstständige (hierunter fallen z.B. Hebammen, Künstler, Lehrer, Küstenfischer)
  • Beamte, Soldaten, Richter
  • Menschen, die Arbeitslosengeld I (ALG I) oder ALG II oder Krankengeld beziehen
  • Dienstunfähige, erwerbsgeminderte und -unfähige Menschen
  • Ehepartner, so lange einer von ihnen zur Riester-Rente zugelassen ist

Was du wissen musst: Es gibt nicht die perfekte Riester-Rente für Jedermann. Es ist wichtig, sich immer individuell dazu beraten zu lassen.

 

Welche Riester-Formen gibt es?

Da du dich in jedem Fall beraten lassen solltest, wollen wir dir hier nur im Kurzen erzählen, welche Formen es von der Riester-Rente gibt. Ganz klassisch kann man die Riester-Rente über einen Vertrag abschließen. Der Vorteil: du erfährst schon bei Vertragsabschluss wie hoch deine garantierte Rente sein wird. Nachteil: Dein Geld kann kaum in Anlagen investiert werden, die viel Gewinn abwerfen. Eine andere Möglichkeit sind Riester-Fondssparpläne. Hierbei gibt es zwar nur wenige Anbieter, du musst ein Depot eröffnen und es fallen Kosten an. Allerdings kann dein Geld strategisch angelegt werden und so ggf. höhere Gewinne erzielen. Ähnlich ist die fondsgebundene Rentenversicherung. Je nach Vertrag wird dir garantiert, dass das, was du eingezahlt hast, auf jeden Fall wieder ausgezahlt wird. Du hast auch hier die Chance durch eine freiere Anlagestrategie ideale Fonds für dein Investment auszuwählen. Keine Bange, dein Berater steht dir zur Seite und empfiehlt dir etwas. Diese beiden Varianten können für dich interessant sein, wenn du noch deutlich mehr als zwanzig Jahre bis zur Rente hast. Dann gibt es noch den Wohn-Riester, wenn du vor hast ein Eigentum zu kaufen und Riester-Banksparpläne.

Welche Gebühren gibt es bei der Riester-Rente?

Die Gebühren und Kosten deiner Riester-Rente schmälern deinen Gewinn. So fallen vor allem in den ersten Jahren nach Vertragsabschluss höhere Kosten an. Zuerst gibt es die Abschlusskosten, die von Anbieter zu Anbieter schwanken, aber für den Vertrieb und die Provision etwa drei bis sechs Prozent der Sparsumme betragen. Danach gibt es Kosten für die Fondsverwaltung, sollte eine fondsgebundene Variante gewählt werden. Diese Kosten schlagen mit 0,5 Prozent bis zwei Prozent pro Jahr zubuche. Zusätzlich gibt es Verwaltungskosten in Höhe von 1,5 Prozent bis drei Prozent pro Jahr.

Diese Gebühren bei der Riester-Rente musst du mit den Zuzahlungen des Staates bei der Riester-Rente gegenrechnen und dann schauen, ob es sich für dich lohnt. Das kann es, in gewissen Fällen. Manchmal aber auch nicht. Ob sie sich lohnt, erfährst du im letzten Abschnitt.

Lohnt sich die Riester-Rente?

Die Antwort darauf ist schwierig, weil sie von deiner Lebenssituation, deinem Einkommen und vielem mehr abhängt. Für Menschen, die es anderweitig nicht schaffen, sich ein Polster fürs Alter aufzubauen, lohnt sich die Riester schon. Denn was ist besser: Keine Riester-Rente abzuschließen, weil sie Gebühren kostet und dann im Alter kein Geld auf der Seite zu haben? Oder eine Riester-Rente abzuschließen, Gebühren zu bezahlen und dafür ein Auskommen im Alter zu haben? Die Antwort ist, glaube ich, klar.

Wer es selbst schafft, für sein Alter vorzusorgen, etwa mit Aktien, Fonds und ETFs, der kann vielleicht auf die Riester-Rente und weitere Angebote von Versicherungen verzichten. Doch eine Selfmade-Rente ist nicht einfach und nur die wenigsten Menschen schaffen das. Wer also mit den Gebühren bei der Riester-Rente leben kann und diese Absicherung im Alter möchte, der kann sich beraten lassen.

 

 

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