Die Rente ist sicher”, sagte Bundesarbeitsminister Norbert Blüm im Jahr 1997 in einem Satz für die Ewigkeit. Doch sein Versprechen gerät ins Wanken. Der Politik fehlt der Mut zu neuen Ideen wie der Deutschland-Rente, um die Probleme der Altersvorsorge nachhaltig zu lösen. Ein Kommentar.

Untätigkeit kann man der Bundesregierung in Sachen Rentenpolitik nicht vorwerfen. Schauen wir uns nur die Reformen und Vorschläge der vergangenen Wochen an:

  • Im September 2018 einigt sich die Große Koalition darauf, das Rentenniveau bis 2025 auf 48 Prozent festzuschreiben
  • Am 1. Januar 2019 tritt eine Reform der Mütterrente in Kraft. Eltern, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, sollen dadurch mehr Geld im Alter erhalten. Kosten: 6,7 Milliarden Euro jährlich
  • Im Februar 2019 stellt Arbeitminister Hubertus Heil (SPD) seinen Vorschlag für die Grundrente vor: Demnach sollen die Renten von Geringverdienern kräftig aufgestockt werden. Die Kosten liegen laut Heil jährlich im “mittleren einstelligen Milliardenbetrag”

Die Botschaft aus Berlin ist klar: Wir kümmern uns um die Rente. Doch in Wahrheit doktort die Politik lediglich an Symptomen herum. Das wirkliche Problem liegt aber im deutschen Rentensystem. Die zentrale Säule der Altersvorsorge hierzulande ist die gesetzliche Rentenversicherung. Sie funktioniert umlagefinanziert. Das heißt, dass Beiträge der heutigen Arbeitnehmer in einen Topf fließen, um die laufenden Renten zu bezahlen.

Ein Flickenteppich an Zuschüssen löst das Problem nicht

Das kann nicht mehr lange gut gehen: Im Moment kommen auf 100 Beitragszahler 60 Rentner. Schon 2030 wird dieses Verhältnis etwa bei 1 zu 1 liegen. Danach droht ein  Ungleichgewicht. Laut dem Statistischen Bundesamt wird im Jahr 2040 knapp jeder dritte Deutsche 65 Jahre oder älter sein. Und weil die Lebenserwartung der Deutschen steigt, wird die Rente in Zukunft auch noch deutlich länger ausgezahlt als früher.

Im derzeitigen System bleiben der Politik letztlich nur zwei Auswege: Entweder sie erhöht die Rentenbeiträge. Oder sie stockt die Rente durch das Geld der Steuerzahler auf. Das ist ein Teufelskreis. Denn dieses Geld fehlt den Bürgern letztlich in der Tasche, um privat vorzusorgen. Dass die private Altersvorsorge wichtig ist, hat zwar auch die Politik längst erkannt. Doch die Riester– und Rürup-Rente greifen zu kurz.

Die Idee einer Deutschland-Rente

2016 brachten die hessischen Landesminister Thomas Schäfer (CDU), Stefan Grüttner (CDU) und Tarek Al-Wazir (Grüne) das Modell der Deutschland-Rente ins Spiel. Sie schlugen vor, einen staatlich verwalteten Anlagefonds zu schaffen, in den jeder Arbeitnehmer einen Teil seines Gehalts einzahlen soll . Das Geld wird dann in Aktien und Unternehmensanleihen angelegt, um es kontinuierlich am Finanzmarkt zu vermehren und letztlich als Rente auszuzahlen. Doch der Aufschlag aus Hessen für diese große Rentenreform versandete.

Vorbild für die Deutschland-Rente: Norwegen finanziert die Pensionen seiner Bürger durch einen investierenden Staatsfonds

Ein Staatsfonds, der die Altersvorsorge der Bürger an die weltweite Wertschöpfung koppelt? Die Idee hinter der Deutschland-Rente ist nicht abwegig, denn Norwegen hat genau dies vorgemacht. 1996 baute die Regierung in Oslo aus ihren Öl- und Gaseinnahmen einen Staatsfonds auf, um die Pensionen der Bürger renditeträchtig in Aktienfonds und Unternehmensanleihen anzulegen. Seitdem ist er mit einer jährlichen Rendite von etwa fünf Prozent auf rund eine Billionen Euro gewachsen.

Das innovative Modell der Deutschland-Rente könnte die Rente zukunftsfest machen und jedem Beitragszahler eine auskömmliche Altersvorsorge ermöglichen. Der Vermögensverwalter HQ Trust hat berechnet, wie viel Geld ein Durchschnittsverdiener (Jahreseinkommen: 35.000 Euro brutto) sammeln würde, wenn er seinen Rentenbeitrag in einen weltweit anlegenden passiven Aktienfonds investiert. Das Ergebnis: Nach 45 Jahren hätte er ein Vermögen von mehr als zwei Millionen Euro aufgebaut. Seine Altersvorsorge wäre damit sicher.

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