Nur jeder sechste Deutsche besitzt Aktien oder Aktienfonds, obwohl sie große Chancen für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge bieten. Wie eine neue Studie zeigt, liegt das häufig an Missverständnissen.

Das Deutsche Aktieninstitut und die Börse Stuttgart haben in einer repräsentativen Umfrage die Haltung der Bundesbürger zu Aktien untersucht. Besonders interessant ist dabei aus unserer Sicht die Frage, warum die Menschen nicht in Aktien investieren wollen. Das sind die häufigsten vier Gründe:

1.”Das Risiko ist mir zu hoch”

65 Prozent der Nicht-Aktienbesitzer in Deutschland sehen Aktien für sich als zu riskant an. Wer könnte es ihnen verübeln? Die weltweiten Kursstürze an den Börsen nach der großen Finanzkrise ab 2008 sind vielen Menschen noch immer in schmerzhafter Erinnerungen. Und ohnehin ist Deutschland eine Hochburg des klassischen Sparens.

Doch tatsächlich ist eine Geldanlage in Aktien und Aktienfonds eine recht sichere Sache – – eine kluge Strategie vorausgesetzt. Von hohen Investitionen in Einzelaktien ist gerade für Einsteiger sicherlich abzuraten. Der Erfolg oder Misserfolg einzelner Unternehmen ist dafür schlicht und einfach zu unberechenbar. Ganz anders sieht es jedoch bei Aktienfonds aus. Schauen wir uns als Beispiel nur den DAX an: Der Leitindex der 30 größten deutschen Unternehmen stand im Jahr seiner Gründung 1988 bei 1000 Punkten. Heute ist er 11 000 Punkte wert. Das ist eine Steigerung um 1000 Prozent. Wer sich mit einem DAX-Aktienfonds an dieser Entwicklung beteiligte, erzielte eine jährliche Rendite von mehr als acht Prozent. Das zeigt, dass das Fondssparen auf lange Sicht eine sehr verlässliche Anlage ist. Und wer sie breit streut, verringert das Risiko zusätzlich.

2. “Ich muss ein Finanzprofi sein”

Viele Menschen schreckt mangelndes Wissen von einer Geldanlage ab. Laut der Studie sagen ganze 64 Prozent der Nicht-Aktienbesitzer in Deutschland: “Ich weiß zu wenig über Aktien oder Aktienfonds”. Das Problem fängt schon in der Schule an. Dabei braucht es für eine erfolgreiche Geldanlage zum Vermögensaufbau oder zur Altersvorsorge – gerade für junge Menschen ein enorm wichtiges Thema – keineswegs eine jahrelange Finanzexpertise, sondern an erster Stelle einmal ein grundsätzliches Interesse an der Materie. Zudem sind immer mehr Informationen und Erfahrungsberichte für dich online zugänglich, was die Chancen und Risiken von Anlageformen transparenter als je zuvor macht.

3. “Ich habe nicht genug Geld übrig”

61 Prozent der Nicht-Aktienbesitzer geben an, derzeit kein Geld für die Aktienanlage zu haben. Selbstverständlich ist es für viele Menschen mit geringen Einkommen nicht möglich, etwas zurückzulegen. Das wollen wir hier überhaupt nicht bestreiten. In manchen Fällen dürfte das Ergebnis jedoch auf einer Fehleinschätzung beruhen. Die da lautet: Nur “Reiche” können sich Aktien oder Aktienfonds leisten. Das stimmt nicht. Denn schon mit 25 Euro im Monat kann jedermann in einen ETF-Aktienfonds investieren.

4. “Aktien sind mir zu umständlich”

Fast jeder zweite Aktienmuffel findet, dass die Geldanlage zu umständlich ist. Dabei ist es heute  tatsächlich recht einfach, selbst einen Fondssparplan aufzusetzen. Es reichen einige Klicks am heimischen Computer und ein Brief an die Bank, um dein eigenes Depot einzurichten. Wie das klappt, kannst du hier nachlesen. Mit geringem Aufwand kannst du damit etwa jeden Monat automatisch einen kleinen Betrag in einen ETF investieren.

Übrigens wurden in der Studie auch Aktienbesitzer nach ihrer Meinung gefragt. Ein spannendes Detail: 71 Prozent von ihnen haben die Erfahrung, dass Aktien und Aktienfonds langfristig mehr Rendite als andere Anlageformen einbringen. Was wir daraus lernen: Wer die ersten Hürden und Missverständnisse bei der Geldanlage überwindet, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bereuen.

 

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