Immer mehr Bürger sind überschuldet. Jedes Jahr veröffentlicht die Auskunftei Creditreform den Schuldneratlas. Seit fünf Jahren steigt die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland. Im Jahr 2018 nun die Nachricht: Jeder zehnte Deutsche ist überschuldet – krass, oder? Wir fragen uns: Wie vermeide ich Schulden?

Was steht im Schuldneratlas 2018?

Der Schuldneratlas 2018 gibt Auskunft über die Anzahl der verschuldeten Personen, aber auch welche Altersgruppe es prozentual mehr trifft, wo diese Menschen wohnen und welchen Bildung sie genossen haben. Fakt ist: In den vergangenen 12 Monaten haben sich 19.000 Menschen mehr als im Vorjahr überschuldet. Somit sind es nun offiziell  6,93 Millionen Fälle. Wir übersetzen das mal kurz etwas bildhafter: Jeder zehnte Deutsche hat Schulden. Jetzt können wir einmal bei unseren Freunden, der Familie oder Kollegen durchzählen und sicherlich finden wir eine Person, die überschuldet ist. Naja gut, das muss natürlich auch so nicht sein. Überschuldet bedeutet hier, dass man seine Rechnungen langfristig nicht bezahlen kann und jeden Monat mehr ausgibt, als einnimmt.

Wer ist in der Schuldenfalle?

Der Schuldneratlas 2018 sagt aus, dass es insbesondere die Alterklasse der 30 bis 39-Jährigen trifft. Hier sind im Jahr 2018 bereits 18,57% der Menschen in der Schuldenfalle. Doch – und das ist etwas wunderlich – trifft es immerhin 13,47% der unter 30-Jährigen. Das ist damit die zweit größte Altersgruppe.
Weiterhin kann man im Schuldneratlas 2018 lesen, dass vor allem Menschen mit keiner Schulbildung oder Hauptschulabschluss überschuldet sind. Mit Blick auf die Landkarte fällt auf, dass insbesondere Menschen aus den Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt in der Schuldenfalle stecken.

Wie kann ich Schulden vermeiden?

Neben den Hauptgründen: Arbeitslosigkeit, Schicksalsschlag, Unfall, Süchte, oder gescheiterte Selbstständigkeit, führt eine unwirtschaftliche Haushaltsführung immerhin zu 13% aller Überschuldungen. Hier kannst du selbst aktiv werden und Schulden vermeiden.

1. Habe deine Finanzen im Blick mit einem Haushaltsbuch

Damit du nicht aus Versehen mehr Geld ausgibst, als du eigentlich besitzt und du auch lernst, dich bei bestimmten Konsumgütern in deinem finanziellen Rahmen zu bewegen, ist es super hilfreich ein Haushaltsbuch zu führen.

2. Kontrolliere regelmäßig deine Ausgaben

Versuche, wenn möglich immer Bar zu zahlen, so hast du deine Ausgaben besser im Blick und entwickelst ein Gefühl für die Höhe deiner Einkäufe. Wenn du lieber mit Karte zahlst, dann solltest du wirklich zwei Mal in der Woche deinen Kontostand checken, um den Überblick nicht zu verlieren. Auch hier gilt: Trage deine Ausgaben in dein Haushaltsbuch oder deine Finanz-App ein.

3. Achte auf Vertrags-Fallen

Leider überliest man gerne mal das Kleingedruckte. Kennen wir. Aber gerade bei vermeintlichen Angeboten solltest du folgendes immer prüfen: Unter welchen Bedingungen kannst du den Vertrag kündigen? Wann? Welche Vorlaufzeit? Wie hoch sind die monatlichen oder wöchentlichen Kosten? Kannst du dir das wirklich leisten und ist dieser Vertrag wirklich notwendig? Fallen vielleicht Kosten an, wenn dein Konto mal nicht gedeckt ist und gibt es eine Vertragsbindung?

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Frage dich immer: Brauch ich das wirklich? Brauche ich so viel?

4. Zahle deine Mahngebühren sofort

Hast du einen Mahnbrief bekommen? Klar, wir würden die auch zu gerne ignorieren. Es ist einfach peinlich und nervig. Aber sei ehrlich zu dir selbst: Auf den ersten Mahnbrief folgt der nächste und danach wird es ganz besonders unschön. Also überwinde dich und zahle deine Mahngebühren sofort.

5. Nimm niemals einen Kredit auf

Du hast Bock dir was richtig tolles zu leisten? Sei es ein Urlaub, ein Auto, neue smarte Gadgets oder die Renovierung deiner Wohnung. Ein Kredit – egal wie verlockend und wohlwollend das Angebot gilt – bringt dir nur Unglück. Spar dir lieber das Geld für die Ausgabe zusammen und leiste sie dir mit der Gewissheit, dass du dir das nun wirklich leisten kannst. Einzige Ausnahme bildet hier der Immobilienkredit. Doch auch bei diesem gilt: gönne dir nur eine Wohnung oder ein Haus, wenn du es dir wirklich leisten kannst.

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Wenn du dich fragst, wo dein Geld wieder hin ist.

6. Spar dir eine finanzielle Rücklage an

Damit du für kleine Rückschläge im Alltag oder eine plötzliche Arbeitslosigkeit gerüstet bist, solltest du dir eine finanzielle Rücklage bilden. Diese sollte drei deiner Netto-Monatsgehälter umfassen. Klingt viel? Hilft aber auch viel! Nimm dir die Zeit dazu, die du benötigst um dir diesen Puffer anzusparen. Es ist deine persönliche Absicherung.

Das solltest du tun, wenn du doch mal Schulden hast

Oh man, ist was schief gelaufen oder du hast doch die fünf Mahnschreiben immer noch nicht geöffnet und musst jetzt eine hohe Summe blechen? Kann mal passieren. Hier unser Notfall-Guide für geringfügige Verschuldung und im Anschluss noch unser Tipp, wenn du so richtig in der Schuldenfalle sitzt:

Bei geringfügiger Verschuldung:

Versuche sofort die Schulden zu tilgen. Versuche dafür keinen Kredit aufzunehmen. Frag bei deiner Bank nach, ob du die Höhe der Kontoüberziehung einmalig anpassen kannst und zu welchen Konditionen. Nun notiere dir, wie hoch deine Schulden sind und setze dir diese Summe als Sparziel. Rechne gegebenenfalls anfallende Kosten noch dazu. Schau, welche Kosten du einsparen kannst, damit du dieses Geld dazu verwenden kannst, deine Schulden zu begleichen. Denke immer daran: Durch Warten, wird die Verschuldung meist schlimmer. Also handle sofort!

Bei einer höheren Verschuldung:

Sind deine Schulden sehr hoch, solltest du einen Termin bei der Schuldenberatung vereinbaren. Hier kann dir ein Experte weiterhelfen. Keine Angst, nicht jeder Schuldnerberater ist wie Peter Zwegat, aber mindestens genauso konsequent und erfolgreich dabei, dir zu helfen. Hier wird höflich und freundlich versucht, dich effektiv und nachhaltig aus der Verschuldung zu holen. Sollte eine Sucht dich in die Schulden getrieben haben, wäre es wirklich stark von dir, wenn du dir auch hierbei Hilfe suchst.

 

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