Stell dir vor, der Staat überweist dir jeden Monat 1000 Euro – ohne dass du dafür auch nur einen Finger rühren musst. Die SPD liebäugelt mit der Idee. Kommt das Grundeinkommen bald nach Deutschland?

Die Debatte um das Grundeinkommen

Das Grundeinkommen ist eine sozialpolitische Idee, die weltweit leidenschaftlich diskutiert wird. Bislang drehte sich die Debatte vor allem um das sogenannte bedingungslose Grundeinkommen. Der Grundgedanke dahinter: Der Staat soll all seinen Bürgern ein geregeltes Einkommen auszahlen, unabhängig davon, ob sie einer Beschäftigung nachgehen. Andere Sozialleistungen wie das Arbeitslosengeld würden dafür entfallen.

Der Vorschlag ist politisch umstritten: Die Befürworter sehen darin eine sozial gerechte Absicherung, die es allen Bürgern ermöglicht, ihre Kreativität frei von finanziellen Zwängen zu entfalten. Manche halten es sogar für die einzig richtige Antwort auf den Wegfall von Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung. Die Gegner verweisen darauf, dass das (bedingungslose) Grundeinkommen den Menschen den Anreiz zur Arbeit nehme, unfinanzierbar sei und darüber hinaus neue Ungerechtigkeiten schaffe: Denn ein Grundeinkommen durch den Staat würde nicht nur die Krankenschwester, sondern auch der Millionär erhalten. Der oberste deutsche Gewerkschaftler, DGB-Chef Reiner Hoffmann, bezeichnete das bedingungslose Grundeinkommen dementsprechend als „Stillhalteprämie“ und „absolute Fehlorientierung“.

Warum schlägt die SPD ein Grundeinkommensjahr vor?

Jüngst hat die SPD einen neuen Vorstoß für ein Grundeinkommen in Deutschland gewagt. So sollen Arbeitnehmer eine Auszeit von ihrem Job nehmen dürfen und in dieser Zeit monatlich 1000 Euro netto durch den Staat erhalten. Es ist also eher ein bezahltes Sabbatical, weniger ein bedingungsloses Einkommen. Für 12 Jahre Arbeit soll es nach den Plänen der Sozialdemokraten ein Jahr bezahlte Auszeit geben. “Ein Grundeinkommensjahr würde Arbeitnehmern Zeit zurückgeben für Dinge, die sie neben der Arbeit nicht schaffen”, sagt SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil.

Funktioniert das Grundeinkommen?

Das ist schwer zu sagen, weil ein Grundeinkommen noch nirgends offiziell eingeführt wurde. In Finnland gab es zumindest kürzlich ein Experiment. 2000 Arbeitslose erhielten seit Januar 2017 ein monatliches Grundeinkommen von 560 Euro anstatt der üblichen Sozialhilfe – auch dann, wenn sie einen neuen Job fanden. Die Ergebnisse des Feldversuchs werden derzeit noch ausgewertet.

Laut einer Umfrage ist fast die Hälfte der Deutschen für die Einführung eines Grundeinkommens. 54 Prozent würden es gerne erprobt sehen. Berlin will 2019 ein sogenanntes “solidarisches Grundeinkommen” testen. Es soll an Langzeitarbeitslose ausgezahlt werden, die eine gemeinnützige Beschäftigung aufnehmen.

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