Stellt euch vor: Statt Geld bezahlt man mit Likes, es zählen Follower statt Euros: Die Netflix Serie Blackmirror zeigt eine Gesellschaft, deren Leben vollkommen von Social Media bestimmt wird – Was hinter der Idee steckt und in welchem Land sie gerade zur Realität wird.

„Social Media gehört mittlerweile zum Alltag“ – Diesen Satz hören wir heute oft. Stimmt ja auch irgendwie. Mit Instagram, Facebook und Co. vernetzen wir unser Leben 24/7. Sei es der aufwendig drapierte Avocado Salat, der vor dem Essen natürlich erst von allen Seiten abgelichtet werden muss, oder der kleine Herzstillstand, wenn keiner das neue Bild liked, das man doch noch so hingebungsvoll unter den 44 gleich aussehenden Selfies auserkoren hat. Ja, irgendwie haben sie uns schon im Griff, diese sozialen Medien. Alles noch im gesunden Bereich?

Ein extremes System, das alles verändert

Der Netflix Erfolgshammer „Blackmirror“, der verschiedene erschreckende Zukunftsszenarien durch künstliche Intelligenz und fortschrittliche Technik zeigt, hebt obigen Satz in einer Episode auf ein ganz neues Level: Es geht um eine Gesellschaft, die Social Media in ihren Alltag derart integriert hat, dass diese ihr ganzes Leben bestimmen. Alles hängt von Likes, Followern und der Beliebtheit ab. Im Fachjargon auch bekannt unter: Social Credit Systems. Das Prinzip ist ebenso einfach wie verstörend: Ein zentrales soziales Netzwerk steuert die ganze Welt. Dein Ranking hängt nicht nur von geposteten Fotos ab – sondern von den Bewertungen deiner Person: Es folgen gezwungene Nettigkeiten und unehrliche Komplimente. Die Leute sind mehr Hülle mit gekünsteltem Lächeln als ein Mensch mit Emotionen, stets darauf bedacht alles richtig zu machen. Denn dein Ranking ist dabei gleichzeitig dein Zahlungsmittel: Ist es zu niedrig, darfst du in bestimmten Wohngegenden nicht mehr wohnen, bekommst keine Flüge, Autos oder keinen Job mehr, die meisten Restaurants sind tabu und mit einem Score von unter zwei Sternen gehörst du sowieso schon zur untersten Armutsschicht. Freunde meiden dich, denn deine Unbeliebtheit könnte auch ihrem Ranking und damit ihrer Lebensqualität schaden. Kurzum: Du bezahlst mit deinen Likes. Ein Extrem unserer jetzigen Social Media Erfahrungen. (Schau dir hier einen kurzen Clip der Episode an)

Social Credits in China – erschreckend real

Ihr findet, das klingt nach einer perfekt inszenierten Hollywood Idee, die so niemals realisierbar wäre? Falsch! Die Blackmirror Folge wird in China gerade zur erschreckenden Realität. Der chinesische Staat plant seit 2014 ein System, das dem der Netflix Serie erschreckend ähnelt. Ab 2020 sollen alle Bürger ein digital erfasstes Punktekonto haben (Ranking: zwischen 350 und 950 Punkten), das ihren finanziellen, moralischen und politischen Status widerspiegelt. So stuft man ihre Zahlungsfähigkeit oder politische Einstellung ein. Soziales Engagement, dem Nachbarn helfen, einwandfreie Steuererklärungen und pünktliche Zahlungen erhöhen das Punktekonto. Dadurch bekommt man z.B. Vergünstigungen für den öffentlichen Nahverkehr oder kürzere Wartezeiten in Behörden. Freundschaften mit „Unerwünschten“, Zahlungsverzögerungen oder bei Rot über die Ampel zu gehen, lassen die Punkte purzeln. Aufgrund deiner Vertrauensunwürdigkeit kannst du dann z.B. nichts mehr online bestellen, oder kein Hotel mehr buchen.

Bald Alltag?

In China stehen bereits über zehn Millionen Bürger auf einer schwarzen Liste, die nicht mehr ohne Weiteres Flug- oder Bahntickets kaufen dürfen. Man testete sogar bereits, Einwohner erst ab einer Punktezahl von 550 Autobahnen benutzen zu lassen. Auch bei Immobilienkäufen gab es Einschränkungen. Besonders kritisch: Die ganzen Daten, die schon seit der Testphase 2014 durch künstliche Intelligenz gesammelt wurden. Wenn es das chinesische Punktekonto 2020 gibt, wird sich endgültig zeigen, wie sich ein Social Credit System auf die Menschen auswirkt.

Bleibt zu hoffen, dass wir nicht irgendwann um Likes buhlen müssen, um Freunde in einer anderen Stadt zu besuchen oder gar unsere Familie zu ernähren.

(Fun Fact: Der Name Blackmirror kommt übrigens vom schwarzen Display der Handys = schwarzer Spiegel. Darin reflektiert sich die kalte und grauenerregende Zukunft, in der Technik und künstliche Intelligenz die Kontrolle übernehmen.)

Autor*in