Deine Großeltern bekommen sie, du bezahlst sie, die Politik streitet über sie: gemeint ist die Rente. Wie die Altersvorsorge funktioniert und warum das System vor einem Riesenproblem steht, erklären wir im Finanz-ABC.

Was ist die Rente?

Die Rente ist eine staatlich garantierte Altersvorsorge, die jedem Bürger zusteht, der ein gewisses Alter erreicht und mindestens fünf Jahre lang gearbeitet hat. Konkret heißt das für die meisten von euch: Sobald ihr das 67. Lebensjahr erreicht und aus dem Berufsleben ausscheidet, zahlt euch der Staat eine monatliche Rente. Laut marktforschungs-portal.de lag die monatliche Rente im vergangenen Jahr in Westdeutschland durchschnittlich bei 1.383 Euro und im Osten bei 1.313 Euro. Diesen Unterschied gibt es, weil die Höhe der Renten an die Entwicklung der Löhne gekoppelt ist.

Die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland funktioniert umlagefinanziert. Das heißt, dass Beiträge der Arbeitnehmer in einen Topf fließen, um die laufenden Rentenzahlungen zu finanzieren. Einen individuellen Anspruch auf ihre eingezahlten Beitragsgelder haben die Versicherten in Deutschland damit nicht. Durch Arbeitsjahre sammeln sie jedoch sogenannte Rentenpunkte an, die sich auf die Höhe der ausgezahlten Rente auswirken.

Ist meine Rente sicher?

Um diese Frage zu beantworten, wollen wir einmal ganz weit ausholen. Das deutsche Rentensystem geht zurück auf ein Gesetz von 1889, das durch den damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck in die Wege geleitet wurde, um die aufbegehrende Arbeiterklasse zu besänftigen. Das zeigt, dass die Rente seit jeher ein Politikum in Deutschland war. Legendär geworden ist der Satz des frühere Bundesarbeitsministers Norbert Blüm (CDU) aus dem Jahr 1997: “Die Rente ist sicher”. Doch heute, kaum mehr als zwanzig Jahre später, scheint Blüms Versprechen ins Wanken zu geraten. Die Politik streitet darüber, wie sie die Rente in Deutschland zukunftsfest machen kann. Erst kürzlich hat sich die Große Koalition darauf geeinigt, das Rentenniveau bis 2025 auf 48 Prozent festzuschreiben. Das heißt, dass der Staat bis dahin eine Rente in Höhe von 48 Prozent des Durchschnittslohns in Deutschland garantiert. Doch darüber hinaus wird die Rechnung schwieriger. Geburtenstarke Jahrgänge scheiden bald aus dem Berufsleben aus und nicht genug junge Menschen treten an ihre Stelle als Beitragszahler. Der demographische Wandel bedeutet also, dass immer weniger Arbeitnehmer immer mehr Rentner finanzieren müssen. Dass alleine höhere Löhne ausreichen, um diese Entwicklung aufzufangen, ist sehr unwahrscheinlich.

Für die Poltik gibt es nun mehrere Optionen, um die Zukunft der Rente zu sichern:

  1. Sie kann den Arbeitnehmern höhere Beiträge abverlangen
  2. Die Politik kann das Renteneintrittsalter weiter erhöhen – wie zuletzt 2012 mit der Rente mit 67 geschehen
  3. Sie kann die Rente verstärkt aus Steuereinnahmen finanzieren
  4. Sie kann eine komplette Reform des Systems anstreben. Zum Beispiel, indem die deutsche Rentenkasse das Geld der Beitragszahler ganz ähnlich wie der Norwegische Staatsfonds in Wertpapiere und Anleihen investiert. Das Risiko wäre dadurch zwar größer, doch ebenso die potenzielle Rendite

Egal, für welche Tür(en) sich die Regierungen von heute und morgen entscheiden: Angesichts der großen Probleme des Rentensystems solltet ihr euch für eure Altersvorsorge nicht komplett auf den Staat verlassen. Gerade für junge Berufseinsteiger empfiehlt es sich, neben der gesetzlichen Rentenversicherung ein zweites finanzielles Standbein für das Alter aufzubauen, etwa durch eine private Altersvorsorge oder eine Betriebsrente. Damit entgeht ihr hoffentlich auf jeden Fall der Gefahr der Altersarmut.

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