Sie ist eine der besten Nachwuchsrennfahrerinnen der Welt. Sophia Flörsch ist 17 Jahre alt und mischt jetzt die Formel 3 auf. Als Frau in einer Männerdomäne muss sie sich jeden Tag behaupten. Wir trafen sie auf der FitTech Summit vom Burda Bootcamp in München. Bei der ersten FitTech Summit im Juli 2018 trafen sich Sportler, Startups aus der Fitnessszene und Interessierte im Beach 38 in München. Gemeinsam tauschten sich Sportler mit Firmen, Startups mit Medien und Interessierte mit Profis aus. Alles zur FitTech Summit könnt ihr hier nachlesen. Und wir stellen jetzt unsere Fragen an Sophia Flörsch:

Kleingeldhelden: Was machst du, wenn du mal keine Lust hast, Rennen zu fahren?

Sophia Flörsch: Bis jetzt habe ich erstmal Abi geschrieben. Wenn ich also nicht auf der Rennstrecke war, dann war ich in der Schule. Und sonst treffe ich mich mit Freunden. Trotz des Männersports, den ich betreibe, bin ich ein normales Mädchen geblieben. Ich treffe mich mit Freunden oder unternehme etwas mit meiner kleinen Schwester.

Kleingeldhelden: Kommt es mal vor, dass du sagst, jetzt ist es schwierig, sich zu motivieren?

Sophia: Aufs Autofahren habe ich immer Lust. So aufs ganze Jahr gesehen, sitze ich sogar nur jede dritte oder vierte Woche im Auto. Ich muss mich also eher darauf konzentrieren, was ich zuhause mache. Das ist vor allem Ausdauertraining, was ich täglich, manchmal zwei Mal täglich mache. Das ist mühsam und da hat man mal Tage, an denen man nicht motiviert ist. Ich muss es halt durchziehen. Und unterm Strich bin ich auch zufrieden, wenn ich es dann gemacht habe. Und kann mir dann auch mal einen Burger gönnen.

Sophia und Kleingeldheld Marian im Interview

Kleingeldhelden: Wie viel Sport gehört dann denn tatsächlich zum Motorsport bei dir dazu?

Sophia: Also schon wirklich viel. Es sind schon sieben bis acht Stunden in der Woche während ich fürs Abi gelernt habe. Und wenn ich keine Rennen habe und kein Abi, dann sind es schon zehn bis zwölf Stunden die Woche. Vor allem Krafttraining für Nacken und Schultern und Ausdauertraining wie Laufen und Radfahren. Damit ich die Belastungen beim Rennen aushalten kann.

Kleingeldhelden: Es wird viel darüber berichtet, dass du eine Frau in der Männerdomäne bist. Warum muss man das immer betonen mit Männern und Frauen? Wie stehst du dazu?

Sophia: Es ist halt so, dass ich eine Frau bin und die Gesellschaft findet, Motorsport ist Männersport. Die Gesellschaft hat noch nicht ganz akzeptiert, dass das auch Frauen schaffen. Ich werde oft darauf angesprochen, es nervt etwas, aber es gehört auch dazu und ich finde es nicht schlimm.

Kleingeldhelden: Man merkt, auch wenn man deine Webseite anschaut: Es wird eine Marke um dich herum aufgebaut. Ist das notwendig? Geht es nicht ums Rennenfahren?

Sophia: Ich glaube, Marken braucht man, um Partner anzusprechen. Ich sehe mich nicht als Marke. Ich bin so wie ich bin und verstelle mich auch nicht. Manchmal braucht man aber Partner und die wollen auch auf eine gewisse Art angesprochen werden. So kommt dann beides zusammen.

Kleingeldhelden: Welchen Bezug hast du zu Geld?

Sophia: Das Problem ist, dass der Formel 3 Sport sehr teuer ist. Ich habe ein Team, das bezahlt werden will und so viele Reisekosten. Es geht um hohe sechsstellige Beträge pro Saison im Nachwuchsbereich. Deswegen brauche ich Sponsoren und Geld spielt eine Rolle. Deswegen werde ich auch mit Geld konfrontiert. Ich muss Sponsoren finden, um meinen Sport überhaupt ausüben zu können. Die wollen wissen, was das Sponsoring kostet und was die Gegenleistung dafür ist. Ich bin jetzt 17 und kenne mich dafür wohl schon ganz gut mit Geld aus. Ich musste mir einfach schon früh aneignen, wegen meinem Sport ein Gefühl für Geld zu bekommen. Es bleibt aber auch abstrakt für mich, weil die Summen einfach so hoch sind und nichts mit meinem Privatleben zu tun haben.

Sophia auf der FitTech Summit. Unter ihr die Stände der Aussteller

Kleingeldhelden: Lastet da nicht sehr viel Erfolgsdruck auf dir?

Sophia: Es besteht schon immer so ein Druck. Ich will es aber auch selber erreichen. Der sportliche Erfolg und Spaß haben sind meine obersten Ziele. Es geht nicht immer nur um Sponsoren. Aber auch, weil es gibt halt im Motorsport einen Zusammenhang zwischen Budget und Erfolg. Ich muss dafür einfach ein gewisses Selbstbewusstsein haben. Ich muss an mich glauben und positiv denken. Das musste ich mir auch erst aneignen, aber mittlerweile klappt es dann und ich komme gut damit zurecht. Auch die Medien kommen natürlich noch dazu und erwarten etwas von dir. Ich stehe da als Frau im Männersport auch immer nochmal besonders im Fokus.

Kleingeldhelden: Welche deiner Eigenschaften haben dir bei deinem Erfolg geholfen?

Sophia: Ich glaube, es ist meine offene Art. Mein Selbstbewusstsein, weil ich immer an mich glaube, auch, wenn es mal nicht gut läuft. Und meine positive Art, die ich auch meinen Eltern zu verdanken habe, die mich immer aufgebaut haben. Und viele Leute haben mich einfach unterstützt und mir geholfen. Sonst wäre ich nicht da, wo ich heute bin.

Kleingeldhelden: Viele Leute möchten etwas machen, in dem sie erfolgreich sind. Wie wird man erfolgreich?

Sophia: An sich selbst glauben, positiv die Dinge angehen, Spaß daran haben, fokussiert auf das Ziel sein, das man erreichen will – aber das hatten wir ja schon. Man muss schon die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt kennen. Das ist sehr wichtig. Und solche Leute lernt man wohl mit Glück kennen. Glück braucht man also. Natürlich hat es auch was mit Talent und Können zu tun. Erfahrung macht dich da dann auch besser. Und du brauchst auch Leute, die dich unterstützen und die an dich glauben. Es hat mit Glück und Vertrauen zu tun.

 

 

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