Jens Pippig ist Managing Director beim ProSiebenSat.1 Accelerator. Pippig sucht zusammen mit seinem Team nach jungen, aufstrebenden Startups, um sie mit der Medienpower von ProSiebenSat.1 zu skalieren. Bei der FitTech Summit vom Burda Bootcamp saß er in der Jury, welche die besten Startups aus der Fitness-Branche bewertete und das beste kürte. Wir trafen ihn dort zum Gespräch und löcherten ihn mit Geldfragen.

Kleingeldhelden: Welche Bedeutung hat Geld für dich?

Jens Pippig: Ich glaube, grundsätzlich ist Geld notwendig, um sich vieles zu ermöglichen und sich dadurch auch die Freiheit zu gönnen, Dinge auch sein lassen zu können. Es ist ein Schmiermittel der Wirtschaft und des Alltags, aber es sollte nicht zum Selbstzweck werden. Grundsätzlich ist Geld am Ende des Tages bei Unternehmungen notwendig, um eine Profitabilität hinzubekommen und auch eine Daseinsberechtigung zu schaffen. Damit spielt Geld am Ende der Kette eine wichtige Rolle.

Kleingeldhelden: Wie viele FinTechs finanziert ihr aktuell in der Startup-Branche?

Pippig: Wir gucken uns alle Themen an, die für den Endkunden interessant sind. Da ist FinTech natürlich ein Bereich. Oder auch war, weil ich das Gefühl habe, die FinTech-Schwemme ist bereits vorbei. Wir gucken uns auch viele Themen aus dem Bereich Nahrungsmittel und Gesundheit an, aber FinTech natürlich auch, weil Vertrauen wichtig ist und wir da mit unserem Media-Paket, das wir bieten, viel dazu beitragen können, dass die Produkte Vertrauen gewinnen.

Podiumsdiskussion auf der FitTech Summit vom Burda Bootcamp

Kleingeldhelden: Was muss man als Startup mitbringen, um bei euch eine Chance zu haben?

Pippig: Man muss schon eine gewisse Größe mitbringen, damit das funktioniert. Wenn zwei Gründer aus dem Wohnzimmer heraus alles machen, dann klappt das nicht so gut, wenn wir eine deutschlandweite Kampagne mit TV-Spots fahren. Da würden die Gründer überrannt werden, kämen nicht hinterher und hätten unzufriedene Kunden. Zweitens ist es wichtig, dass das Produkt für den Massenmarkt taugt und nicht zu nischig ist. Es sollte theoretisch für jedermann interessant sein. Und außerdem muss das Gründerteam überzeugen und man muss sicher sein, dass es auch Rückschläge verkraften kann, denn zu solchen wird es auf jeden Fall kommen.

Kleingeldhelden: Gab es auch schon mal den Fall, dass ihr ein Startup abgelehnt habt und sich das später noch richtig gut entwickelt hat?

Pippig: Ja, das gab es schon mal, ist aber eher selten. Das waren zwei oder drei Fälle. Es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass man Unternehmen ablehnt, die später nicht so gut funktionieren.

Kleingeldhelden: ProSiebenSat.1 kauft ja auch große Digitalfirmen auf. Wie seid ihr davon abgegrenzt?

Pippig: Wir suchen die kleinen großen Startups sozusagen. Wir gucken, dass das Potential da ist und das Produkt funktionieren kann. Wir sind im Investmentzyklus der erste Kontaktpunkt mit ProSiebenSat.1. In einer idealen Welt finden wir das Startup früh, machen dann einen Mediadeal. Funktioniert das gut, machen wir einen Anschlussdeal mit der SevenVentures und machen dann einen Anschlussdeal mit der Nucom Group und übernehmen das Unternehmen schlussendlich. Das ist schon denkbar. Aber der Zeithorizont ist lang.

Wichtiger Pitch um ein Media-Pakt im Wert von 1 Million Euro

Kleingeldhelden: Welche Rolle spielt FitTech bei euch?

Pippig: Wir haben in Asana Rebel investiert, eine Yoga-App. Sehr erfolgreich. Also das Thema ist für uns schon spannend. Aber: Ist es auch für die Masse interessant genug? Und ist es auch differenzierbar genug? Denn schließlich gibt es oft viele Mitbewerber, die im gleichen Markt aktiv sind. Uns geht es darum, Produkte zu finden, die für jedermann interessant sind. Da spielt der Bildungsabschluss, das Gehalt oder das Alter keine Rolle.

Kleingeldhelden: Welche Tipps hast du für unsere Leser, die auch mal überlegen, eigene Ideen umzusetzen?

Pippig: Erstens: Einfach machen! Zweitens: Und auch mehr machen als lesen. Weil du zwar so viel lesen kannst, wie du möchtest, aber die Wahrheit entscheidet sich dann in der Umsetzung. Klar, lesen ist wichtig, aber immer dann auch umsetzen und probieren. Und man sollte es nicht halbherzig machen. Klar, kann man es nebenbei starten und mal austesten. Wer aber große Ambitionen hat, der muss das dann auch Vollzeit machen und das Risiko eingehen, dass es nicht klappen kann.

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