In welchen Regionen sind Aktien, Fonds und Wertpapiere besonders beliebt – und wo leben Deutschlands Aktien-Muffel? Diesen Fragen geht eine neue Studie der comdirect-Bank auf den Grund. Hier erfahrt ihr, welche Stadt Deutschlands Aktien-Champion ist und warum die Bundesrepublik in Sachen Geldanlage ein gespaltenes Land ist.

Die Vermessung der deutschen Geldanleger

comdirect_Anlageatlas_Grafik-Aktienquote-1090724492-1532611393337.jpg
Anlage-Atlas: Die Karte zeigt die Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland, in denen Aktien als Geldanlage am beliebtesten sind. Quelle: comdirect

In ihrem aktuellen Anlage-Atlas zeigt die comdirect, in welchen deutschen Städten, Kreisen und Bundesländern der Anteil an Wertpapierbesitzern besonders hoch ist. Herausgefunden hat die Bank dies durch bundesweite Umfragen, die sie im Mai 2018 durchgeführt hat. Hier sind die fünf wichtigsten Erkenntnisse.

1. Beim Aktienbesitz ist Deutschland zwischen Westen und Osten geteilt

Die deutsche Teilung ist auch 28 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht komplett überwunden – das zeigt sich an der Arbeitslosigkeit, den Löhnen und auch am Besitz von Wertpapieren. Die Quote der Aktien-Besitzer ist im Westen Deutschlands deutlich höher als im Osten. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen besitzen nicht einmal fünf Prozent der Bevölkerung Aktien; in manchen Landkreisen liegt der Anteil sogar bei null. Die Gründe dafür sind vielschichtig und teils historisch bedingt. Eine maßgebliche Rolle dürften in jedem Fall die durchschnittlich niedrigeren Einkommen der Haushalte in den neuen Bundesländern spielen.

2. Die Süddeutschen sind besonders anlagefreundlich

Wenn du einem Menschen aus Bayern oder Baden-Württemberg begegnest, besitzt er oder sie mit hoher Wahrscheinlichkeit Aktien. Unter den zehn Landkreisen mit den meisten Aktionären liegen neun in Süddeutschland. Insbesondere im Freistaat Bayern ist die Geldanlage an der Börse sehr beliebt. 40,8 Prozent der Menschen im bayrischen Landkreis Starnberg besitzen Aktien – das ist der Spitzenwert in Deutschland. Die einzige Region in den Top 10, die nicht in Bayern oder Baden-Württemberg liegt, ist der Hochtaunuskreis in Hessen. Im Landkreis nahe des wichtigen Finanzzentrums Frankfurt am Main besitzen 31 Prozent der Bevölkerung Aktien.

3. Auf dem Land sind Aktien belieber als in Städten

Ein überraschendes Ergebnis der Studie ist, dass Menschen auf dem Land eher in Aktien und Fonds investieren als Großstädter. In den 401 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands besitzen durchschnittlich 7,5 Prozent der Bürger Aktien. In den 50 größten Städten der Republik sind es dagegen nur rund vier Prozent. Eine mögliche Erklärung dafür ist die Tatsache, dass Menschen auf dem Land im Schnitt über ein höheres Einkommen verfügen als Großstatdbewohner.

4. München ist die Aktien- und Fonds-Hauptstadt

München ist nicht nur im Fußball Spitzenreiter in Deutschland, sondern auch bei Wertpapieren. In keiner deutschen Großstadt gibt es mehr relativ gesehen Aktienbesitzer als in der bayrischen Landeshauptstadt (16,7 Prozent). Noch beeindruckender sind die Zahlen im Hinblick auf Fonds: Jeder zweite Münchner investiert sein Geld in solche Wertpapiere (49,9 Prozent). Hier seht ihr den kompletten Überblick über die zehn deutschen Großstädte mit dem größten Anteil von Aktienbesitzern an der Gesamtbevölkerung:

    1. München (16,7%)
    2. Hamburg (13,8%)
    3. Düsseldorf (11,3%)
    4. Bonn (11%)
    5. Wiesbaden (10,4%)
    6. Mühlheim an der Ruhr (9,1%)
    7. Frankfurt am Main (8,3%)
    8. Stuttgart (7,7%)
    9. Braunschweig (7,6%)
    10. Oldenburg (7,5%)

5. Die Deutschen sind aktienscheu

Obwohl die Zahl der Aktienbesitzer laut dem Deutschen Aktieninstitut im letzten Jahren deutlich gestiegen ist, investieren laut der comdirect-Studie immer noch lediglich 7,7 Prozent der Deutschen in Aktien – das ist im internationalen Vergleich ein niedriger Wert. Zum Vergleich: In den USA liegt die Aktionärsquote bei satten 25 Prozent. Das zeigt, dass die Geldanlage-Kultur der Deutschen immer noch konservativ und risikoscheu geprägt ist, was an sich nicht verkehrt ist. Problematisch wird dies jedoch in Zeiten der anhaltenden Nullzinsen bei steigender Inflation, weil Sparer kaum noch Zinsen auf ihre Geldeinlage von Banken erhalten. Vielen Menschen ist dabei nicht bewusst, dass sie bereits mit 25 Euro im Monat in Aktienfonds investieren können, die ebenfalls als sichere Geldeinlage gelten dürfen und wesentlich höhere Renditen versprechen. Wie das genau geht, zeigen wir dir mit unserer wöchentlichen 25-Euro-Challenge.

Autor*in