Millenials – chronisch pleite oder wirklich von Armut bedroht?

Die Arbeitslosigkeit unter Millenials (Menschen, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden) stieg 2017 in Deutschland auf über 20 Prozent an. Zum Vergleich: Die Arbeitslosenquote der 19070er Geborenen liegt bei 15 Prozent und die der 1960er bei 10 Prozent.

Da stellt man sich doch zu Recht die Frage: Woran liegt’s? Ist unsere Generation dazu verdammt, in die Armut zu schlittern?

Von Armut bedroht

Zumindest war das unsere erste Reaktion auf die Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der Zahlen des Sozio-Ökonomischen Panels (kurz SOEP). Hast du ein verfügbares Monats-Einkommen von 1050 Euro? Dann zählst du bereits laut DIW zu jenen, die in Deutschland von Armut bedroht sind. In der Bundesrepublik gilt jeder Sechste, das sind 16,5 Prozent der Bevölkerung, als arm. 3,7 Prozent müssen sich tatsächlich auch materiell erheblich einschränken.

Nur um die Dramatik der Situation noch einmal zu untermalen:

1050 Euro ist das Geld, was du im Monat hast. Für alles: Miete, Essen, Auto oder öffentlichen Verkehr und was es sonst so monatlich zu bezahlen gilt für einen mehr oder weniger angemessenen Lebensstandard. Nach eigenen Erfahrungen haben wir mal geschaut, was ein Single so ausgibt (Natürlich ist uns bewusst, dass die Miete in vielen Städten um einiges höher sind)

  • 1 Zimmer-Wohnung warm: 500 Euro
  •  Ein Monatsticket im Nahverkehr 70 Euro
  • Etwa 300 Euro für Essen und Trinken und das ist schon recht knapp bemessen, nach unseren eigenen Erfahrunge
  • Versicherungen, Strom, Müll, Internet, Handy und anderer wichtiger Kleinkram schafft es locker auf 200 Euro monatlich – und auch das variiert je nach Stadt

Unterm Strich sind wir nun schon bei 1070 Euro und haben weder eine Geldrücklage, noch Ausgaben für den sonstigen Haushalt, noch das Shoppen notwendiger Kleidung, Apotheke oder zusätzliche Arztkosten aufgelistet. Nicht einmal Hobbys, Bücher oder Filme, sowie Geschenke, oder Urlaub sind in diesem Budget enthalten. Dafür bleibt auch bei einem Einkommen von 1050 Euro kein Geld mehr übrig.

Wieso werden wir von Armut bedroht?

In unserer Altersgruppe, also der 18 bis 38 Jährigen haben so viele Menschen studiert, wie nie zuvor. 2017 waren 2,85 Millionen Studenten an Deutschlands Hochschulen eingeschrieben. Mehr als 40.000 Studenten zum Vorjahr. Doch durch das meist 5 Jahre andauernde Studium steigen wir Millenials erst spät ins Berufsleben ein und verdienen entsprechend auch erst einmal später und dann noch anfänglich weniger Geld. Oftmals klappt es auch nicht mit einer Festanstellung. Da haben wir wohl des Pudels Kern auch getroffen: Überhaupt eingestellt werden ist eine Herausforderung und wer eine Anstellung gefunden hat, erhält heutzutage eher einen Jahresvertrag, als einen unbefristeten Vertrag. Die Arbeitswelt will sich nicht mehr binden. Zwar verwandelt sich unser Pudel nicht, wie in Faust in den teuflischen Mephisto, dennoch macht uns die aktuelle Arbeitswelt zu schaffen. Hinzu kommt noch die steigende Inflation, der wir mit niedrig bleibendem Lohn nicht nachkommen können.

Da will man vor lauter Aufregung doch seinen Faust … äh seine Faust ballen!

Die Präsidentin des Sozialverbandes Vdk (Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten und Sozialrentner) hat sich dazu übrigens im November 2017 geäußert in der Tagesschau gesagt: “Ein wachsender Niedriglohnbereich, ein Mindestlohn, mit dem man kaum über die Runden kommt, Kürzungsfaktoren und hohe Abschläge, die die Alterseinkommen ausbremsen, kaum Beschäftigungschancen für Langzeitarbeitslose, Zusatzbeiträge in der Krankenversicherung, die Versicherte einseitig belasten, hohe Mietbelastungen und Sozialleistungen, die zum Leben nicht reichen. Armut hat viele Ursachen.”

Wie können wir Armut vorbeugen?

Wenn auch vieles außerhalb unserer Hände liegt, kannst du etwas tun: dich vorbereiten. Das klingt nun ein bisschen nach diesen Menschen, die sich auf den Weltuntergang vorbereiten und ganz viele Konserven bunkern. Ganz so extrem meinen wir es aber nicht. Es geht darum, für sich selbst vorzusorgen. Das ist übrigens auch dann sinnvoll, wenn man nicht direkt von Armut bedroht zu sein scheint. Wer früh damit beginnt, kleine Summen monatlich zu investieren, legt ein Grundstein für sein ganzes weiteres Leben.

Beginnst du beispielweise in deiner Ausbildung oder deinem Studium damit, nur 25 Euro monatlich in einem Wertpapiersparplan anzulegen, kannst du mit dem Gewinn deinen Studienkredit schneller zurückzahlen, schaffst damit eine Grundlage für einen Baukredit oder baust einfach ein sicheres Polster auf. Wie das geht, das zeigen wir dir hier LINK.

Sinnvoll ist das allerdings nur, wenn du dir die 25 Euro auch wirklich gut und einfach zu Seite legen kannst und sie dir nicht das letzte Fünkchen Spaß im Monat verderben. Du kannst dir das wie bei einem Eichhörnchen vorstellen, die sich dann etwas anfuttert und Vorrat sammelt, wenn Essen da ist, um dann im Winter noch etwas davon azu haben. Nur für alle Fälle. Zum Beispiel eine Summe von drei Monatsgehältern. Das hilft dir im Leben dann weiter, wenn es mal nicht so läuft, wie geplant – egal ob kaputte Waschmaschine, Kündigung oder wenn du eine Auszeit nehmen willst.

Hinweis: Leider können wir Kleingeldhelden niemandem aus seiner Armut holen und raten auch niemanden, der an seinem Limit lebt, Geld frei zu investieren. Hier solltest du dich speziell beraten lassen. Hilfreich ist es auch mehrere Beratungsgespräche bei verschiedenen Banken auszumachen, um abgleichen zu können, welche Optionen sinnvoll sind und welche riskant wirken.

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