Was haben Ajax Amsterdam, Borussia Dortmund und Manchester United gemeinsam? Klar, sie sind erfolgreiche Fußball-Vereine und entsenden Spieler zur Weltmeisterschaft in Russland. Sie sind aber allesamt auch börsennotierte Unternehmen. Ob sich Fußball-Aktien als Geldanlage lohnen und wie die WM 2018 den Börsenkurs der Clubs beeinflusst, erfahrt ihr hier.

Der Börsenkurs eines Fußballvereins hängt von vielen Faktoren ab: der sportliche Erfolg, die wirtschaftliche Entwicklung sowie die Perspektive des Clubs und der Liga. Das ist an sich kein großer Unterschied zu klassischen Unternehmen – jedoch ist das Fußballgeschäft wahrscheinlich noch schnelllebiger und unvorhersehbarer als die “reale” Wirtschaft. Im Fachchinesisch spricht man hier von sehr hoher Volatilität. Die folgenden Beispiele zeigen dies deutlich. Auch die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland kann den Kurs der Vereine in den kommenden Tagen beeinflussen, etwa durch hervorragende Leistungen ihrer Spieler beim Turnier, darauf folgende Millionentransfers oder auch Verletzungen. Wir ernennen daher für jeden börsennotierten Club im Artikel einen “Player to watch” bei der WM in Russland.

Ajax Amsterdam

In Europa sind derzeit zwölf Vereine aus neun Ligen an der Börse notiert. Mit am längsten in Europa dabei ist Ajax Amsterdam: der niederländische Rekordmeister ging wie Lazio Rom bereits 1998 an die Börse. Die Ajax-Aktie gehört zu den erfolgreichsten Fußball-Wertpapieren. Der Kurs hat sich innerhalb der letzten drei Jahre um 33 Prozent gesteigert. Das liegt an der hervorragenden Nachwuchsarbeit des Clubs, die ihm regelmäßig Titel und hohe Transfererlöse einbringt.

Player to watch: Hakim Ziyech (Marokko)

Borussia Dortmund

Die erste deutsche Fußball-Aktie ist die von Borussia Dortmund. Der BVB wagte im Jahr 2000 den Schritt an die Börse . Lange Zeit war die Aktie der Schwarz-Gelben ein Verlustgeschäft: vom Ausgabepreis von 11 Euro stürzte der Kurs bis 2010 auf unter einen Euro ab. Zwischenzeitlich stand der Revierclub sogar vor der Insolvenz. Erst durch eine wirtschaftliche Sanierung und die Amtsübernahme von Trainer Jürgen Klopp stellte sich in Dortmund erneut anhaltender sportlicher Erfolg ein – und auch an der Börse wurde die BVB-Aktie wieder begehrter. Heute steht der Kurs pro Aktie bei etwa sechs Euro. Zuletzt zahlte der BVB eine Dividende von sechs Cent pro Aktie aus – kein berauschender Wert für Anleger. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Traditionsclub unter dem neuen Trainer Lucien Favre entwickelt.

Beim Blick auf die Borussia zeigt sich auch eine Schattenseite der Börsenspekulation. 2017 verübte ein Mann namens Sergej W. einen Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus des BVB. Damit wollte er mutmaßlich den Aktienkurs des Vereins zum Absturz bringen und durch Leerverkäufe selbst davon profitieren. Sein Plan ging glücklicherweise nicht auf. Derzeit steht Sergej W. wegen 28-fachen Mordversuchs vor Gericht.

Player to watch: Marco Reus (Deutschland)

Juventus Turin

Die letzten Jahre kamen für den italienischen Rekordmeister Juventus Turin einer Berg-und-Tal-Fahrt gleich – in der Tabelle wie an der Börse. Wegen der Verwicklung in einen Manipulationsskandal musste die Alte Dame 2006 den Gang in die zweite italienische Liga antreten. Der ohnehin schon niedrige Aktienkurs krachte folglich in den Keller. Allerdings gelang Juventus der direkte Wiederaufstieg – und die Rückkehr in die europäische Spitzenklasse. Zwei Mal stand der Club in den letzten fünf Jahren im Finale der Champions League. Die Aktie erholt sich trotzdem nur langsam vom Schock des Abstiegs und pendelt auf einem niedrigen Kursniveau von etwa 60 Cent. Da der italienische Serienmeister im letzten Jahr einen Rekordgewinn einfuhr, gleichzeitig Schulden abbaute und ein modernes neues Stadion bezogen hat, ist die Perspektive für die Juve-Aktie durchaus optimistisch einzuschätzen.

Player to watch: Paulo Dybala (Argentinien)

Manchester United

Der englische Traditionsclub Manchester United ist der Verein mit dem höchsten Börsenwert in Europa. Obwohl die großen internationalen Erfolge in den letzten Jahren ausblieben und der Verein einen riesigen Schuldenberg von mehr als 500 Millionen Euro angehäuft hat (Tendenz steigend), entwickelt sich der Aktienkurs der Red Devils positiv. Das liegt an vielversprechenden Transfers (Pogba) und den Großinvestoren aus den USA, die den Verein finanziell stützen. Alleine im vergangenen Jahr stieg der Kurs der ManU-Aktie um 21 Prozent.

Player to watch: Paul Pogba (Frankreich)

Sporting Lissabon

Wie fragil die Aktien von Fußball-Clubs sind, beweist  die Geschichte Sporting Lissabon. 2000 stand der Aktienkurs noch bei sechs Euro, mittlerweile ist er auf 70 Cent pro Aktie gefallen. Besserung ist nicht in Sicht: Nach einem Skandal um Fan-Ausschreitungen kündigten gleich vier portugiesische Nationalspieler, darunter auch Kapitän William Carvalho, ihre Verträge bei Sporting. Ein Drama kurz vor WM-Beginn, das sich für den hoch verschuldeten Heimatclub von Weltstar Cristiano Ronaldo auch an der Börse negativ auswirken dürfte.

Player to watch: William Carvalho (Portugal – derzeit vereinslos)

Lohnen sich Fußball-Aktien? Ein Fazit

Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Bei aller Leidenschaft für den Sport ist bei Fußball-Aktien höchste Vorsicht geboten. Sie sind ein riskantes Geschäft und eignen sich generell kaum für eine langfristige Geldanlage – zumal die meisten Clubs keine Dividenden auszahlen. Ihr solltet einen Kauf nur dann in Betracht ziehen, wenn ihr die sportliche und wirtschaftliche Entwicklung des Vereins und des Umfeldes sehr genau verfolgt – oder als Fan mit Extragroschen einfach nicht anders könnt.

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