Eurovederci – Italien sagt Tschüss zu Europa

In Italien herrscht politisches Chaos. Dunkle Wolken ziehen über Rom auf. An sich ist das nichts Neues, gab es im Land der Pizza und Pasta doch seit Ende des 2. Weltkriegs 64 Regierungen. Also fast jedes Jahr eine neue. Beständigkeit geht anders. Und das dramatische dieses Mal ist, dass Italien droht, aus dem Euro auszusteigen.

Italien konnte noch nie Regierungen

Italien ist zweifellos ein wundervolles Land. Wer liebt Pizza, Venedig und Gianluigi Buffon nicht? Politisch liegt am Stiefel Europas derzeit jedoch einiges im Argen. Traditionell sind die Machtverhältnisse in der Republik zwischen Südtirol und Sizilien im ständigen Fluss. 28 italienische Regierungschefs gab es seit dem Zweiten Weltkrieg. In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum acht. Doch was sich jetzt in Rom abspielt, erreicht eine neue Dramatik. Seit Wochen versuchen die Lega Nord, eine rechtsextreme Partei, und die linkspopulistische Fünf-Sterne-Bewegung eine neue Regierung zu bilden. Aktuell sieht es so aus, als ob beide Parteien sich nach den Querelen einigen würden. Populisten würden dann die drittgrößte Volkswirtschaft der Europäischen Union regieren. Ihr politisches Programm könnte für ganz Europa gefährlich werden: Lega und 5-Sterne haben sich darauf verständigt, die Steuereinnahmen des Staates um 80 Milliarden Euro zu senken und gleichzeitig jedem Italiener ein bedingungsloses Grundeinkommen von 780 Euro auszuzahlen. Das ist für das hoch verschuldete Euro-Mitgliedsland eine Rechnung, die nicht aufgehen kann.

Schulden, Schulden, Schulden

Denn: Italien ist pleite. Das kann man so sagen, auch wenn es niemand wirklich ausspricht. 2,3 Billionen (!) Euro stehen auf der Schuldenuhr. Das sind 2.300 Milliarden Euro. Mit Abstand der höchste Schuldenberg in ganz Europa. Und in Prozent der Wirtschaftsleistung ausgedrückt sind es 131 Prozent. Warum ist dieses Verhältnis wichtig? Nun ja, es liegt nahe, dass große Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien in absoluten Zahlen höhere Schuldenstände haben als zum Beispiel Luxemburg oder Belgien. Sie verfügen aber auch über eine größere Wirtschaftskraft und können das Geld dann besser zurückzahlen. In der EU einigte man sich darauf, eine Schuldenquote von 60 Prozent des BIP einzuhalten. Hiervon sind die meisten Länder sehr weit entfernt. Hier eine Übersicht über ein paar europäische Länder und ihre Schuldenstände.

Land Verschuldung in Milliarden Euro In Prozent vom BIP
Italien 2.263 131,8
Frankreich 2.218 97
Deutschland 2.092 64,1
Großbritannien 2.013 87,7
Spanien 1.144 98,3
Belgien 452 103,1
Niederlande 416 56,7
Griechenland 317 178,6

Quelle: statista.de

Wir sehen also, dass Italien richtig am Allerwertesten ist. Zwar geht es den Griechen eigentlich noch schlechter, aber sie haben „nur“, 317 Milliarden Euro Schulden. Wenn Italien Pleite geht, dann stürzt ganz Europa in den Abgrund. Denn die europäischen Banken sind so miteinander verflochten, dass praktisch jede Bank jeder anderen Bank und jedem Land Geld geliehen hat. Es kann somit zu einem Flächenbrand von Bankenpleiten kommen. Und das würde uns alle dann auch in Deutschland treffen und große Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben. Unter Realwirtschaft versteht man die Wirtschaftsabläufe, die sich mit realen Dingen wie Dienstleistungen oder der Produktion von Waren beschäftigt.

Der Euro-Kurs gibt nach

Und die Auswirkungen hören da nicht auf. Sie betreffen auch die Wechselkurse. In den letzten Tagen war es schon auffällig, dass der Euro im Verhältnis zum US-Dollar sehr stark an Wert verloren hat. https://www.finanzen.net/devisen/dollarkurs Anfang Mail bekamen USA-Reisende für 1 Euro noch 1,21 Dollar. Vor wenigen Tagen waren es nur noch 1,15 Dollar. Das bedeutet, die Finanzmärkte sehen die europäische Leitwährung sehr geschwächt. Warum ist das so? Die Finanzmärkte machen sich Sorgen, dass Italien Pleite geht und der Euro dann zusammenbricht. Sollte Italien aus dem Euro aussteigen, um seine Schulden loszuwerden, dann sorgt das für riesige Verwerfungen. Zum einen, weil viele Euroländer und Banken auf ihren Schulden sitzen bleiben. Auch ist es schlichtweg schlecht, wenn eines der größten Länder aus dem Euro aussteigt. Zudem ist es gar nicht vorgesehen, dass ein Euro-Land aus der Währungsunion aussteigt. Dafür gibt es keine Pläne, niemand weiß, was passieren wird. Experten gehen davon aus, dass es zu einer Weltfinanzkrise wie 2008 kommen kann.

Italien – wie geht es mit dir weiter?

Nun bleibt also zu hoffen, dass Italien eine stabile Regierung bildet, sich die Anti-Euro-Strömungen etwas abkühlen und Italien seine Wirtschaft wieder zum Laufen bringt. Alleine in den nächsten Jahren muss Italien jährlich rund 50 Milliarden Euro nur für Zinszahlungen aufbringen! Mit diesem Geld werden noch keine alten Schulden beglichen, sondern nur die Zinslast bedient. Ein gutes Beispiel dafür, warum man nie zu viele Schulden machen sollte – egal ob Staat oder Privatperson.

Ob Italien sich nochmals aus diesem Schuldenschlamassel rauswinden kann, bleibt abzuwarten. Vielleicht wäre es irgendwann doch besser, wenn Italien den Euro verlässt? Dafür müssten aber konkrete Pläne und Abläufe vereinbart werden, damit kein Chaos entsteht.

Übrigens: Der Europäische Rettungsschirm (ESM), der kriselnde Euroländer finanziell unterstützen soll, würde von Italien in zwei Jahren kaputt randaliert werden: Aktuell befinden sich dort rund 400 Milliarden Euro. Italien benötigt in den nächsten beiden Jahren alleine fast 500 Milliarden Euro. Vielleicht heißt es bald also doch: Eurovederci.

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