Gib’s zu: Ein Großteil deines Geldes liegt nur faul auf deinem Konto. Obwohl es doch so viel tun könnte! Zum Beispiel Wind in Strom verwandeln, in Afrika Trinkwasserbrunnen bauen oder für bessere Arbeitsbedingungen sorgen. Das beste: Dabei würde es sich sogar noch vermehren. So funktioniert “Grün Investieren”.

Nein, das ist kein Traum. Das geht wirklich. Du dachtest bisher, nur Großverdiener können mit ihrem Geld etwas in der Welt verändern? Du kannst das auch! Leg dein kleines Vermögen smart an und mach den Globus ein Stückchen besser. Und auch, wenn du dich noch nicht an die Anlage traust: Schon der Ort deines Girokonto kann einen Unterschied machen.

Schau dir deine Bank mal genau an!

Weißt du, in welche Geschäfte deine Bank investiert? Kann sie grün investieren? Denn dein Geld legt der Bankberater natürlich nicht einfach in ein Schließfach – die Bank investiert es weiter. Dabei ist es meist schwer rauszufinden, wo es tatsächlich landet.

Wenn es dich interessiert, frag doch einfach mal bei deiner Bank nach. Oder du schaust mal in den Fair Finance Guide. Der Guide, den zum Beispiel auch die Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen fördert, ist ein guter Anhaltspunkt.

Die Anti-Atom-Kampagne Ican hat Anfang März 2018 eine spannende Studie veröffentlicht: Deutsche Versicherungen und Banken haben demnach zwischen 2014 und 2017 knapp zehn Milliarden Dollar allein nur in Atomwaffen-Unternehmen gesteckt.

Deine Bank investiert in Dinge, mit denen du nichts zu tun haben möchtest? Dann kannst du wechseln. Manche Banken machen ihre Geschäfte ganz bewusst transparent und verfolgen soziale, ethische und ökologische Werte. Einige Bespiele sind: Triodos-Bank, GLS Gemeinschaftsbank, Ethikbank, Liga Bank oder Ökobank. Eco-Banken verlangen meist Kontoführungsgebühren. Dafür weißt du aber sicher, dass sie sich von zweifelhaften Investitionen fernhalten.

Oft greifen sie auch regionalen sozialen oder ökologischen Projekten unter die Arme. Ein Beispiel in Freiburg ist der Eco-Fashion-Store „Zündstoff“, in Berlin wurde das Hotel „Grenzfall“ unterstützt. Dieses bietet tariflich bezahlte Arbeit für Menschen mit Handicap.

Grün investieren ist leicht

Soll dein Geld außerdem noch mehr werden, kannst du es investieren. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

Investiere direkt

Wenn du sicherstellen willst, dass dein Geld genau an dem Ort landet, an dem du es wissen möchtest, gibt es eine sichere Variante: Du kannst direkt in beispielsweise Windkraftanlagen oder Aufforstungsprogramme investieren. Oder du kaufst Aktien von Unternehmen, die dir gefallen.

Das hat einen ganz offensichtlichen Vorteil: Du siehst, wo dein Geld liegt. Der Nachteil: Hier sind oft große Geldbeträge nötig. Außerdem ist das Risiko für Neueinsteiger kaum vorhersehbar.

Was allerdings nicht heißt, dass du Nichts tun kannst. Es bleibt eine weitere Option:

Investiere in Fonds und ETFs

Bei Aktienfonds und ETFs kaufst du mit deinem Geld einen Anteil an einem ganzen Warenkorb. Darin sind verschiedene Wertpapiere. Der Vorteil: Performt eines der Unternehmen in einem Jahr nicht so gut, können andere die Verluste auffangen. Das Risiko ist für dich somit viel breiter gestreut.

Auch mit kleinem Budget kannst du schon in ETFs und Fonds investieren. Für Kleinanleger und Neueinsteiger ist das also eine gute Option.

Möchtest du nur einzelne grüne Produkte kaufen, brauchst du auch nicht gleich zu einer grünen Bank wechseln. Die meisten Banken haben inzwischen nachhaltige Optionen im Angebot.

Aber: Grün ist nicht gleich grün

Wenn du wissen möchtest, ob ein Produkt nachhaltig ist, kannst du es anhand der sogenannten ESG-Kriterien anschauen. Die Abkürzung steht für: Ecological (= ökologisch), Social (= sozial) und Governance (= gute Unternehmensführung).

Allein in Deutschland kannst du aus über 400 verschiedenen Nachhaltigkeitsfonds auswählen. Wie nachhaltig diese tatsächlich sind, darüber informieren verschiedene Ratinggagenturen wie Oekom Research oder Morningstar. Doch die Sache hat leider einen Hacken: Grün ist nicht immer grün. Und: Nicht überall, wo grün drauf steht, ist auch grün drin.

Was grün ist, da gehen Meinungen oft aus einander. Was für den einen total in Ordnung ist, überschreitet für den anderen schon eine Grenze. Allerdings gibt es auch harte Fakten: 2017 hat die Stiftung Warentest in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale 46 Renten- und Investitionsfonds untersucht. Dabei kam heraus, dass 39 der 44 untersuchten Investmentfonds Unternehmen der Kohle- und Ölindustrie in ihren Angeboten nicht ausschließen. Nur ein Aktienfond vermied Industrien wie Atomenergie, Gentechnik oder Waffen konsequenz.

Das Forum für Nachhaltige Geldanlagen bietet mit ihrem Siegel, dem FNG-Siegel, eine Orientierungshilfe für Anleger. Im Jahr 2018 haben 45 deutsche Fonds das Siegel getragen.

Nachhaltig bedeutet nicht weniger Rendite

Die gute Nachricht: Grüne Fonds sind versprechen nicht weniger Rendite als andere. Schauen wir uns zum Beispiel mal den MSCI World SRI an. Dieser ist die grüne Variante des MSCI-World, einem Aktienindex, die Performance der Aktien von über 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern darstellt. Die meisten der Konzerne kommen aus den USA.

Der MSCI World SRI beinhaltet Unternehmen, die besonders umweltfreundlich agieren. Auch so kannst du grün investieren. Konzerne, die zum Beispiel die Menschenrechte nicht einhalten, schließt er aus. Trotz dieser Fokussierung wächst er nicht geringer als der MSCI-World. Tatsächlich liegt er sogar meistens ein paar Punkte höher. Ein Wachstum von 24,34 Prozent im Jahr 2017 kann sich sehen lassen. Ein anderes Beispiel ist der Dow Jones Sustainability World Index. Dieser hatte 2017 ein Plus von 13,64 Prozent.

In Deutschland gibt es den Global Challenges Index. Dieser wird von der Börse Hannover zusammen mit der Nachhatligkeits-Rating-Agentur Oekom Research erstellt. Nur 50 Unternehmen schaffen es in den Index. Spezielle Kriterien sind dabei die Messlatte. Dazu zählen die Verbesserung des Trinkwasserszugangs, ein nachhaltiger Umgang mit Wäldern oder der besondere Verdienst zur Bekämpfung des Klimawandels. Seit 2015 wuchs der Global Challenges Index um 11,40 Prozent.

Investiere in was du willst

Eine andere Möglichkeit, in bestimmte Sektoren grün zu investieren, sind sogenannte Themenfonds. Meist decken diese spezielle Bereiche ab, wie grüne Immobilien oder erneuerbare Energien.

Auch kannst du in Mikrofinanz-Fonds investieren. Das Geld wird hier weltweit als Mikrokredite von 20 bis 10.000 Euro weitergegeben – meist an Menschen in Entwicklungsländer. Diese können damit Schulgebühren, ein eigenes Geschäft oder die Renovierung ihrer Wohnung ermöglichen. Die Renditen befinden sich im Bereich von 2 bis 3 Prozent.

Wichtig: Mikrokredite allein sind kein Armutsheilmittel. Du kannst damit aber einen Beitrag leisten. Mikrokredite wurden bereits oft dazu verwendet, Menschen auszubeuten. Setze dich vor dem Investieren auch hier bewusst mit den angebotenen Produkten auseinander. Denn so kannst du grün investieren.

Autor*in