Wir alle werden manipuliert. Jeden Tag, auch heute, auch du. Und zwar durch das sogenannte „Nudging“. Etwa beim morgendlichen Bäckereibesuch, weil die teuersten Snacks direkt vor dir in der Auslage liegen und du die billigeren im Zeitstress nicht suchen magst. Und als Mann, wurdest du heute garantiert schon Opfer des „Nudging“: Denn in Pissoirs sind oftmals kleine Fliegenaufkleber angebracht. Dadurch sollen Männer auf diese Aufkleber zielen und Daneben-Pinkeln vermeiden. Na, ertappt? „Nudging“ bedeutet, dass unser Verhalten auf vorhersagbare Weise beeinflusst wird, ohne dabei wirtschaftliche Anreize zu ändern oder Gesetze und Verbote erlassen zu müssen. Aufgestellt und benannt hat dieses Konzept Richard Thaler. Auch deswegen gewann er den diesjährigen Wirtschaftsnobelpreises.

Der US-amerikanische Ökonom Richard Thaler lehrt an der Universität von Chicago und beriet schon Barack Obama. Grundsätzlich hat Thaler es geschafft, die Wirtschaftswissenschaften mit der Psychologie und Neurologie zu verbinden. Damit brachte er Emotion in die Finanzmärkte. Irrationalität ist eine solche Emotion. Die meisten wirtschaftlichen Modelle gehen nämlich davon aus, dass alle Marktakteure (also Unternehmen, Konsumenten, Staaten etc.) strikt rational, also wirtschaftlich vernünftig, handeln. Doch Thaler nahm den irrationalen Menschen in die Modelle auf. Denn wir handeln oft irrational. So ist es auch zu begründen, warum Menschen wenig in Aktien investieren und kaum für die Rente vorsorgen, sagt er.

Wir wissen: Wenn wir über mehrere Jahre Geld in gute Aktien anlegen, wird am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Gewinn stehen. Aber wir tun es nicht. Das ist Irrationalität. Schau dir nur mal den Deutschen Aktien-Index (Dax) an. Wenn du in den letzten vier Jahren in einen Dax-ETF investiert hättest, hättest du jedes Jahr 14,03 Prozent Gewinn gemacht. Trotz Brexit und Trump-Wahl. In den letzten zehn Jahren waren es durchschnittlich jedes Jahr 6,99 Prozent Gewinn. Trotz Finanz-Krise und Euro-Krise. Wenn du fünf Prozent Rendite pro Jahr machst, ist das schon ein guter Wert. Diese Zahlen sind belegt und doch investieren die meisten Menschen nicht in Aktien. Sie setzen lieber auf Tagesgeld und Sparbuch und wundern sich, dass sie dabei ärmer werden. Für Sie zählt laut Richard Thaler nämlich nicht der Gewinn in der Zukunft. Sie fürchten sich vielmehr davor, Geld zwischenzeitlich zu verlieren. Und das passiert bei Aktien, keine Frage. Trotzdem kommt langfristig gesehen der Gewinn. Das im Entscheidungsprozess zu bedenken, wäre rational.

So ist es auch zu erklären, warum so wenige Menschen für die Rente vorsorgen. Auch hier lässt sich Richard Thalers Forschung beobachten: Wir wollen viel lieber jetzt in der Gegenwart unser Geld konsumieren. Obwohl wir wissen, dass wir für später vorsorgen sollten. Verluste in der Gegenwart sind für uns viel schlimmer zu ertragen, als Gewinne in der Zukunft uns glücklich machen können. Diese Irrationalität sorgt dafür, dass viele Menschen nicht genügend Geld haben.

Wenn du etwas dagegen tun willst, dann ist der einfachste Weg, dir mehr Finanzwissen anzueignen. Das verhindert Irrationalität. Es wäre doch sehr schade, wenn Nobelpreisträger Richard Thaler für uns ganz umsonst so tolle Forschung betrieben hätte (und das ist jetzt kein Nudging 😉 ).

 

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