Unter dem ehemaligen Finanzminister Wolfgang Schäuble wurde zum ersten Mal seit langer Zeit ein ausgeglichener Haushalt präsentiert. Bedeutet: Der deutsche Staat gibt nicht mehr Geld aus als er einnimmt. Die Geburtsstunde der ominösen schwarzen Null. Seither geistert sie durch die Medien und die Münder der Politiker. Aber was soll das Ganze? Und: Bringt uns die schwarze Null überhaupt was?

Ja, wenn Deutschland keine neuen Schulden aufnimmt und sogar welche abbaut, ist das gut für alle auch für die Zukunft. Denn Schulden müssen ja getilgt, also abbezahlt, und der Zins bedient werden. Doch eine interessante Sache an der Schuldenberechnung: Die Staatsverschuldung wird vor allem in Prozent des Brutto-Inland-Produkts (BIP) ausgewiesen. Also sagt man beispielsweise nicht, dass Deutschland Ende 2016 2,0065 Billionen (!) Euro Schulden hatte. Sondern man sagt: Deutschlands Staatsverschuldung betrug 68,3 Prozent des BIPs. Dazu teilt man den Betrag des BIP in Euro durch die Staatsverschuldung.

Wozu das Ganze? Damit die Schuldenquoten vergleichbar sind. Es ist ja klar, dass ein großes Land wie Deutschland mehr Schulden macht, als ein kleines wie etwa Belgien. Durch die Umrechnung in Prozent sieht man, wie stark ein Land tatsächlich verschuldet ist. Und Deutschland lag 2016 auf Platz 52 von 182 Ländern.

 

Grafik: Visual Capitalist

Ein Land kann aus seinen Schulden herauswachsen

Jetzt wird es interessant: Ein Land kann nähmlich aus seinen Schulden herauswachsen. Ganz verrückt! Das funktioniert, indem das BIP stärker steigt als die Schulden. Einfaches Beispiel: Deutschland hat 60 Euro Schulden. Und das BIP beträgt 100 Euro. Also ist die Staatsverschuldungsquote 60 Prozent. Im nächsten Jahr leiht sich Deutschland zusätzlich fünf Euro und hat jetzt 65 Euro Schulden. Derweil hat die deutsche Wirtschaft hart gearbeitet und ein BIP von 120 Euro erzielt. Jetzt ist die Staatsverschuldung mit 54,16 Prozent niedriger als vorher, obwohl Deutschland mehr Schulden hat. Magie? Nein, man kann aus Schulden herauswachsen, indem man investiert und somit sein BIP stark steigert.

Deswegen ist es Quatsch, einfach störrisch an der schwarzen Null festzuhalten. Falls es wichtige Investitionen gibt, mit denen das BIP und die Wirtschaft angekurbelt werden können,  dann dürfen ruhig Schulden gemacht werden. Es müssen aber verantwortungsvolle Schulden sein: Beispielsweise Investitionen in Bildung,  Digitalisierung oder Infrastruktur, damit Deutschland auch in Zukunft konkurrenzfähig bleibt.

Das ist eine Sache, für die sich unsere Generation einsetzen sollte. Denn wir müssen die Schulden am Ende zurückzahlen oder es zumindest versuchen. Und wenn das Land kaputtgespart wird, bringt das auch nichts. Unter Kaputtsparen versteht man, dass gespart wird, dadurch aber zu wenig investiert wird. Unter diesem Link sind aktuelle Zahlen und Pläne des Bundesfinanzministeriums aufgelistet. Für uns dürfte spannend sein zu sehen, wer neuer Finanzminister oder neue Finanzministerin wird. Davon wird maßgeblich abhängen, ob wir sinnvoll investieren oder den deutschen Reichtum einfach nur verwalten.

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