Ja, der gute alte Minijob. Wir hatten wahrscheinlich alle einen. Wir besserten damit unseren mageren Verdienst während der Schulzeit oder des Studiums auf. Manche schuften vielleicht sogar parallel zum ersten Job im Nebenverdienst. Hierzulande ist der Minijob – oder auch 450-Euro-Job – sehr beliebt: Im zweiten Quartal 2017 übten ihn 3,07 Millionen Deutsche aus. Rekord! Und jetzt stellen Experten die Frage, ob der Minijob falsche Anreize setzt. Sollte er gar abgeschafft werden?

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ging dem Phänomen der stark gestiegenen Zweitbeschäftigungen nach. Die Autoren der Studie Sabine Klinger und Enzo Weber nennen als Gründe für den Job-Boom, dass es steuerliche Anreize gibt. So können Nebenjobber bis zu 450 Euro verdienen, ohne die Einkommenssteuer zu bezahlen. Außerdem werden kaum Sozialbeiträge abgeführt. Lediglich der Arbeitgeber zahlt einen kleinen Betrag. Die meisten Minijobber lassen sich zudem von der Rentenkasse befreien. Dadurch wird nichts oder nur ein kleiner Betrag von Arbeitgeberseite in die Rentenkasse eingezahlt.

Die falschen Leute stecken in Minijobs

Grundsätzlich ist das erst mal nicht schlimm. 450-Euro-Jobs eignen sich gut für Schüler und Studenten oder um sich zwischenzeitlich etwas dazuzuverdienen. Wenn aber aus einem temporären Intermezzo ein dauerhaftes Minijobbing wird, ist es bedenklich. Die Studie fand nämlich heraus, dass vor allem die Leute einen Nebenjob annehmen, die in ihrem Hauptberuf wenig verdienen.

Klar, sie wollen ja auch ihren Lohn aufbessern. Wenn sie aber im Hauptberuf wenig verdienen, wird auch nur wenig in die Rentenkasse eingezahlt. Und im Minijob fast nichts. Das ist für die spätere Rente ganz und gar nicht gut. Deswegen fordern die Studienautoren auch, die Hauptberufe besser zubezahlen. So sind viele Arbeitnehmer gar nicht auf den Minijob angewiesen. Ein besser bezahlter Hauptberuf hat nämlich zur Folge, dass die Jobber mehr Sozialbeiträge zahlen. Die Politik sollte das also begünstigen und nicht den Minijob immer mehr steuerlich subventionieren.

Minijob abschaffen?!

Als Fazit bleibt also, dass sich ein Minijob gerade für Schüler, Studenten oder Menschen, die  nur Teilzeit arbeiten können oder wollen, eignet. Wer neben seinem Hauptberuf einen Minijob ausübt, muss aufpassen, dass für ihn genug in die Alterssicherung eingezahlt wird. Hier sollte das Hauptaugenmerk eher auf einen besser bezahlten Hauptberuf fallen. Die Politik sollte den Hauptberuf stärken und könnte Arbeitgeber und -nehmer bei Sozialabgaben steuerlich entlasten. Eine Abschaffung des Minijobs hingegen wäre keine gute Idee, da dann viele Menschen, die aktuell auf das Einkommen angewiesen sind, ihre Verdienstmöglichkeiten verlieren würden.

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