Ach, was waren das für zehn herrliche Jahre! Seit einer Dekade zuckeln die Aktienmärkte schön nach oben. Hin und wieder kam ein kleines Schlagloch, aber insgesamt verdienten Anleger sich innerhalb des letzten Jahrzehnts eine goldene Nase. Gefüttert von den weltweiten Notenbanken kannten die Aktien nur eine Richtung: aufwärts. Schade, dass das jetzt vorbei ist. Die Revolution hat begonnen, aber niemand schaut hin.

Der Sachverhalt: Durch die Finanzkrise 2007/2008 druckten die Notenbanken auf der ganzen Welt emsig Geld und pumpten es in die Märkte. Denn damit kauften Sie Staats- und Hypothekenanleihen. Dadurch sollte ein Kollaps der Wirtschaft verhindert und selbige angekurbelt werden. Das hat auch ganz gut geklappt. Aber jetzt wird es Zeit, irgendwann wieder den Rückwärtsgang einzulegen und mit dem Gelddrucken aufzuhören. Denn wenn zu viel Geld in den Markt gedrückt wird, verteilt es sich nicht effizient und führt zu Blasen.

Bedeutet: Das Geld fließt irgendwohin, wo es gar keinen Gewinn abwirft. Einfach weil Investoren nicht wissen, wohin damit. Und Blasen lösen immer wieder schlimmer Krisen aus, zuletzt eben 2007/2008.

Die Zentralbanken steuern nun dagegen

Deshalb hat die amerikanische Notenbank (Fed) am Mittwoch angekündigt, ab Oktober jeden Monat Teile ihres Anleihenkaufprogramms abzuschmelzen. Im Oktober werden es 10 Milliarden Dollar sein, die Summe soll in sechs Monaten auf 50 Milliarden Dollar anwachsen. Auslaufende Staatsanleihen und Hypothekenanleihen werden schlicht nicht erneuert. Damit soll die Bilanz von 4,5 Billionen (!) Dollar abgebaut werden. So viel Geld hat die Fed aktuell in den Markt investiert.

Das bedeutet auch, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bald auch die Zinsen anheben und ihr Kaufprogramm ebenfalls abschmelzen wird. Vielleicht wird es schon im nächsten Frühjahr soweit sein. Was dann passiert, weiß niemand. Denn noch nie gab es so gigantische Kaufprogramme wie in den letzten zehn Jahren. Aber klar ist, dass dem Markt Geld entzogen wird (allerdings noch nicht sofort, da die EZB und andere Notenbanken noch kräftig Geld in den Markt pumpen) und der Markt dadurch grundsätzlich nach unten tendieren dürfte.

Dieser Umstand betrifft uns alle. Egal ob man an Aktien interessiert ist oder nicht. Zentralbanken bestimmen unser Leben durch Zinsen, Inflation und Kontrolle der Aktienmärkte. Und eines ist klar: Seit Mittwoch ist nichts mehr so, wie es war. Die Revolution hat begonnen. Jetzt wird sich zeigen, was wir daraus machen.

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