Schon seit Ende letzten Jahres nähern sich die beiden Airlines Etihad und Lufthansa immer weiter an. Wurde diese Woche aus größten Konkurrenten gar Verbündete?

Air Berlin ist pleite. Und das sorgt für drei große Gewinner. Zum einen Etihad Airways, die die kränkelnde Airline seit Jahren unterstützen und zuletzt loswerden wollte. Dann ist da die Nummer Eins der deutschen Fluggesellschaften Lufthansa, denn die Nummer Zwei Air Berlin fällt jetzt weg. Und die Bundesregierung, die als Retter der Urlauber und Mitarbeiter strahlen darf. Sie vergibt einen 150 Millionen Euro Kredit an Air Berlin, damit die Reisenden nicht stranden.

Eine Pleite war schon lange in Aussicht

Dass Air Berlin diese Woche Insolvenz angemeldet hat, war nicht sonderlich überraschend. Eher noch, dass es doch so lange gedauert hat. Die Fluggesellschaft ist seit 2008 fast durchgehend im Minus. Letztes Jahr gab es mit gut 780 Millionen Euro einen Rekordverlust. Nur der arabische Großaktionär hielt die Airline wortwörtlich in der Luft.

Gespräche mit der Lufthansa für eine Übernahme gab es schon länger. Diese hatten auch Interesse, wollten aber keinen riesigen Berg Schulden mit ins Unternehmen holen. Stattdessen leasten sie Maschinen und Besatzung von Air Berlin. Weitere Kooperationen mit Etihad gab es bei  Catering, Technik und Flugplänen – etwa eine Annäherung in Schritten?

Lufthansa übernimmt

Jetzt kam nur Minuten nach der Insolvenzverkündung vom Lufthansa-Management eine Meldung. Man werde „gemeinsam mit der Bundesregierung die Restrukturierungsbemühungen der Fluggesellschaft“ unterstützen. Denn eine Insolvenz bedeutet für die Lufthansa: Eine schuldenfreie Airline ist bereit zum Filetieren. Da wundert es nicht, dass Ryanair-Chef Michael O’Leary ein verdecktes Spiel vermutet.

Aber auch andere Fluglinien werden vom Abtritt Air Berlins profitieren. Dies ist besonders an den Aktien beobachtbar. Bei den europäischen Billiglinien Ryanair und Wizz Air sind die Kurse schon länger kräftig am wachsen. Sie haben jetzt gute Ausganspositionen ihre Marktanteile auszubauen. Gerade Ryanair ist auf dem deutschen Markt sehr stark. Bei Tui, die ebenfalls Interesse an Air Berlin zeigen, geht es auch bergauf. Der Kurs von Easyjet war, vermutlich durch Brexit-Sorgen, im vergangenen Jahr ganz schön ins Straucheln gekommen.

Lufthansa hat seit Anfang des Jahres gut zugelegt: Seit Jahresbeginn rund 63 Prozent. Jetzt hat Etihad quasi den roten Teppich ausgelegt. Bleibt abzuwarten wie der Deal mit Air Berlin aussehen wird. Etihad ist übrigens nicht börsennotiert. Das ist bei den Scheichs im Hintergrund wahrscheinlich auch nicht notwendig.

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