Ob Snap, Spotify oder Delivery Hero – immer wieder hört man davon, dass Unternehmen an die Börse gehen. Doch wie geht das überhaupt? Schauen wir uns mal an, wie ein Börsengang funktioniert.

1. Geld oder kein Geld, das ist hier die Frage

Benötigt ein Unternehmen, hier Snap, Geld für Investitionen in Technik, Software oder ähnliches, hat es unterschiedliche Möglichkeiten. Eine der beliebtesten: Der Gang an die Börse.

2. Macht es überhaupt Sinn, an die Börse zu gehen?

Natürlich gibt es auch hier, Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen gehört, dass Snap dadurch sehr viel Geld einnehmen kann: ca. 3,4 Milliarden Dollar.

Ein Nachteil ist, dass Snap sich als Unternehmen an der Börse gegenüber seinen Aktionären (also jenen, die Aktien kaufen) transparent verhalten muss. Alle unternehmerischen Entscheidungen, Einnahmen, Ausgaben, technischen Probleme – alles was den Kurs der Aktie beeinflussen könnte – muss es öffentlich machen. Das ist ein ungeheurer Aufwand und kostet sehr viel Zeit und Geld.

Und der größte Nachteil ist natürlich, dass Snap Anteile an seinem Unternehmen abgibt. Es gehört nicht mehr zu 100 Prozent den Gründern Evan Spiegel und Bobby Murphy.

3. Wie viel Geld möchte das Unternehmen einnehmen?

In der Regel helfen Banken einem Unternehmen beim Gang an die Börse. Zunächst schauen diese, wie viel das Unternehmen wert ist. Zum Wert zählen Gebäude, Grundstücke, Produkte, Patente, etc. Auch die Einnahmen sowie der Gewinn sind entscheidend.

Wenn man weiß, wie viel das Unternehmen wert ist – Snap ist 24 Milliarden Dollar wert – entscheiden das Unternehmen und seine Berater wie viele Aktien sie zu welchem Preis verkauft wollen.

Grafik: Kleingeldhelden

4. Wie bringt Snap Menschen dazu, seine Aktien zu kaufen?

Jetzt beginnt die Suche nach Investoren, die Aktien kaufen würden. Die von Snap beauftragten Banken stellen den Konzern an verschiedenen Orten vor. Das nennt man Roadshow. Sie zeigen auf, wie Snap in Zukunft wachsen und Geld verdienen will.
Haben Investoren – das sind andere Banken, Versicherungen, Unternehmen, reiche Privatleute, Fonds – Interesse, geben sie an, was sie bereit sind zu investieren. Anhand dieser Informationen beschließen die Banken des Unternehmens, wie viele Aktien es für welchen Preis an die Investoren verkauft. Bei Snap wurde eine Aktie für 17 Dollar verkauft.

5. Snap geht an die Börse

Jetzt geht es an die Börse! Bei Snap war das am 2. März 2017 um 15 Uhr der Fall. An welche Börse es geht, hat der Konzern schon weit im Voraus entschieden. Snap ist nun an der New York Stock Exchange und kann gehandelt werden.

6. Hurra, Leute wollen die Aktien kaufen

Der Handel beginnt! Bereits im Voraus teilt Snap der Welt mit, dass man Aktien kaufen kann. Mit Werbung über Social Media, TV und Presse hat das Unternehmen sie potentiellen Käufern schon einmal schmackhaft gemacht. Jetzt können Interessierte sie an der Börse kaufen. Bisher gehören alle Aktien den Investoren (aus Schritt 4). Damit diese ihre Snapchat-Aktien abgeben, müssen Käufer also mehr als 17 Dollar bieten.

7. Wie sorgt Snap dafür, dass seine Aktien auch in Zukunft an Wert gewinnen?

Aktien gewinnen dann an Wert, wenn man glaubt, dass das Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten erfolgreich sein wird. Hier kommt es auch wieder auf die Gewinne an. Oder auf die möglichen Gewinne, in fernerer Zukunft, so wie es bei Snap sein wird. Noch machen sie nämlich riesige Verluste. Um Anleger bei Laune zu halten, muss Snap also eine gute Öffentlichkeitsarbeit leisten: Positive Nachrichten, Transparenz und neue Produkte, die Geld bringen.
Jetzt kommt es einfach drauf an, dass Snap immer weiter wächst und immer mehr Geld verdient. Dann werden auch die Aktien vom Wert her steigen. Das ist gut für Anleger und für Snap.

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