Die Steuererklärung ist super einfach und läuft von Anfang an wie geschmiert? Von wegen! Kleingeldheldin Sabina hat ihren Weg der ersten Steuererklärung dokumentiert. Das ist eine Geschichte von kryptischen Runen, verwunschenen Formularen und einem virtuellen Roboter.

Tag #001 – Samstag, 18. März, 12.10 Uhr

Erhobenen Hauptes und bewaffnet mit einem Laptop und zwei Ordnern voller wichtiger Dokumente, begebe ich mich auf meine Mission. Heute werde ich meine erste Steuererklärung meistern. Da Marian mir die Webseite Elster empfohlen hat, steht mein erstes Ziel fest.
Ich muss zugeben, etwas skeptisch war ich schon: Meine Daten elektronisch zu übermitteln fühlt sich komisch an. Doch die Tatsache, dass der Service vom Bayrischen Landesamt für Steuern ist, steigert mein Vertrauen.

Tag #001 – Samstag, 18. März, 12.12 Uhr

Das erste Hindernis kommt plötzlich und unerwartet: Will ich das Elster Online-Portal verwenden oder das Elster Formular? Ich bin noch keine fünf Minuten auf meiner Mission und schon verwirrt. Was ist der Unterschied? Brauche ich das eine für das andere?

Da ich mich jetzt schon für den Online-Weg entschieden habe, wähle ich Option eins: das Online Portal. Ganz oder gar nicht. An der Seite zwinkert mir auf einmal ein kleiner Roboter zu. Er heißt Elias und ich darf ihn alles fragen. Wie nett.

Endlich werde ich aktiv gefordert: Die Registrierung. Und dann kommen die gefürchteten sechs Worte, vor denen Jedem bei der Online-Registrierung grauen: „Der Aktivierungs-Code kommt auf dem Postweg.“ Wie bitte!? Das haben mir meine Kleingeldhelden nicht gesagt … Ist meine Mission schon beendet, bevor sie begonnen hat? Dabei wollte ich das doch heute an einem Tag erledigen!

Wie leichtsinnig ich doch war.

Tag #001 – Samstag, 18. März, 12.36 Uhr

Doch so schnell gebe ich nicht auf! Es gibt noch das Elster Formular. Das Programm lädt man sich auf den PC, alles ohne Probleme – läuft würde ich mal sagen. Und schon geht es los:
Steuernummer– brauche ich nicht (danke Johanna!)
Finanzamt – kenne ich auch (nochmal danke 🙂 )
Identifikationsnummer – auch kein Problem, denn ich bin ja gut organisiert. Im Verzeichnis I, mit nicht einem, sondern zwei gelben Post-It’s um sie kenntlich zu machen. Heute weiß ich, dass sie auch auf der Lohnsteuerbescheinigung steht – so als kleiner Tipp für die, die das wie ich am Missionsanfang nicht wussten.

Tag #001 – Samstag, 18. März, 12.50 Uhr

Seite 1 ist geschafft. Ein kleines Hochgefühl ergreift mich. Auf den anderen Seiten kann ich sehr viel einfach frei lassen. Einerseits erleichtert mich das, andererseits verunsichert es mich! Was, wenn ich etwas vergessen habe? Holt mich das später ein?

Tag #001 – Samstag, 18. März, 13.00 Uhr

Der Hauptdruck ist laut Programm fertig. Oh yeah! Aber das kann es ja nicht gewesen sein, oder? Das war doch etwas zu einfach.

Tag #001 – Samstag, 18. März, 13.05 Uhr

Als hätte ich es geahnt: Ein neues Formular mit dem wohlklingenden Namen „Anlage N“ wartet schon auf mich. Es ist ein nicht allzu reizendes Dokument mit vier Seiten. Eine kniffliger als die andere. Seite 1 lässt einen noch im Glauben, es sei ein Spaziergang. Hier trägt man die Lohnsteuerbescheinigung für 2016 ein, die man vom Arbeitgeber zugesendet bekommt. Bei mir sind das gleich drei – Tutorenstelle, Praktikum und Volontariat. Jede einzelne öffnet zusätzliche Felder auf den folgenden Seiten. Ich sagte ja, es war zu einfach.

Erinnerst du dich, dass ich mich vor 29 Minuten noch über die Organisation meiner Dokumente gefreut habe?! Glaub mir, du kannst noch so gewissenhaft alles aufheben und sortieren – die Steuererklärung zeigt dir, dass du lange nicht so ordentlich bist wie du eigentlich glaubst: Die Belege für meine Monatsfahrkarten sind natürlich nicht mehr alle da, bei Quittungen für Bücher habe ich nur noch jene, die online kamen und wo ist die Lohnsteuerbescheinigung von meiner Tutorenstelle???

Tag #002 – Sonntag, 19. März, 15.29 Uhr

Wieder zuhause in Freiburg beginnt die Suche nach der verschwundenen Lohnsteuerbescheinigung. Man sagt ja, das Haus verliert nichts. Aber was, wenn die Person etwas zwischen zwei Häusern verliert … ? Immerhin habe ich den Beleg für eines meiner Bücher fürs Studium in meinen Emails gefunden.

Mit gemischten Gefühlen gehe ich in die nächste Arbeitswoche. Meine Mission wird jetzt täglich nach 18 Uhr weitergeführt.

Tag #003 – Montag, 20. März

Nach Feierabend treffe ich mich mit einer alten Au Pair Freundin. Die Steuererklärung wartet zu Hause, vergeblich.

Tag #004 – Dienstag, 21. März

Abends bin ich im Sport, danach begebe ich mich kurz noch auf die Suche nach meinen Unterlagen. Keine Spur der verschwundenen Lohnsteuerbescheinigung. Droht meine Mission zu scheitern?

Tag #005 – Mittwoch, 22. März

Johanna und Marian fragen langsam schon nach meinem Erfahrungsbericht … Ohje …

Tag #006 – Donnerstag, 23. März, 6.20 Uhr

Ich bin wieder bei meinen Eltern. Vielleicht findet sich das entschwundene Dokument ja hier. So früh am morgen probiere ich die Rückerstattungs-Rechnung bei Elster aus.
Und plötzlich erscheint auf dem Bildschirm ein neues Formular – wie von Zauberhand. Woher es kam, werde ich wohl nie erfahren. Ein kleines Feld in grellroter Farbe sagt mir plötzlich, was noch fehlt. Habe ich einen Helfer für meine Mission gefunden? Ich klicke auf die markierte Stelle und plötzlich ist es wieder weg. Einfach weg …

Das neue Formular beschäftigt sich mit Versicherungen – eine wunderbare Herausforderung! Etliche Zusatzversicherungen wie zum Beispiel die für Berufsunfähigkeit können hier geltend gemacht werden. Langsam fühle ich mich sicherer. Meistere ich meine Mission doch noch?

Tag #006 – Donnerstag, 23. März, 6.30 Uhr

Da setzt die Steuererklärung auch schon zu ihrem nächsten Schlag aus: Was ist denn bitte eine „Anwartschaft“? Ich frage Elias, den zwinkernden Roboter. Er meint nur, steuerliche Fragen kann er nicht beantworten. Das war ja jetzt so hilfreich wie mein Kater, der neben mir sitzt und schnurrt …

Als ich die Frage schon auf später verschiebe, ist es wieder da: Das rote Kästchen. Und es hat einen Namen: Plausibilitätsprüfung. Danke, dass du da bist! Aber warum kommst du erst jetzt? Ich habe dich schon viel eher gebraucht!

Mein Blick wandert über den Bildschirm. Unten stehen noch gefühlt 100 weitere Formulare. Hört es nie auf? Ein Ziel scheint aussichtslos.

Tag #006 – Donnerstag, 23. März, 7.00 Uhr

Und als ich schon fast einen kleinen Trotzanfall bekomme, sehe ich sie. Auf dem Schreibtisch liegt sie: Die verlorene Lohnsteuerbescheinigung. Das letzte Mal, dass ich so glücklich war, ein Dokument zu sehen, war als ich die Note für meine Bachelorarbeit bekommen habe.

Wieder motiviert schaue ich mir die Formulare auf meinem Bildschirm genauer an. Ich komme zu dem Schluss, dass ich keine zusätzlichen Formulare mehr benötige – hoffen wir mal, dass das stimmt.

Tag #007 – Freitag, 24. März, 15.30 Uhr

Leider kann ich dir jetzt nicht sagen, dass ich meine Mission schon erfolgreich abgeschlossen habe. Manchmal bekommt der Prinz die Prinzessin eben nicht. Manchmal geht das Leben weiter, nachdem der Vorhang fällt. Und manchmal reicht eine Woche inklusive Arbeit und sozialem Leben nicht für die Steuererklärung aus.
Aber meine Mission ist noch nicht zu Ende! Ich werde nicht aufgeben, ich glaube fest daran, dass ich bald den Sieg mein Eigen nennen kann! Auf deiner Reise wünsche ich dir viel Mut, Willenskraft und einen besseren Ordnungssinn. Du schaffst das schon!

Übrigens: Hätte ich meine Lohnsteuerbescheinigung nicht mehr gefunden, hätte ich mir eine Neue beim entsprechenden Arbeitgeber ausstellen lassen können 😉

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